Papst-Kammerdiener Angelo Gugel gestorben

Er diente drei Päpsten

Der plötzliche Tod von Johannes Paul I., das Attentat auf seinen Nachfolger, internationale Reisen mit dem Papst: Angelo Gugel hätte viel zu erzählen gehabt. Doch der päpstliche Kammerdiener blieb diskret - bis zum Ende.

15.04.1997, Vatikan, Vatikanstadt: Papst Johannes Paul II. (r) grüßt die Menschenmenge von seinem Papamobil aus, während vor ihm sein Kammerdiener Angelo Gugel zu sehen ist. / © Max Rossi/IPA via ZUMA Press (dpa)
15.04.1997, Vatikan, Vatikanstadt: Papst Johannes Paul II. (r) grüßt die Menschenmenge von seinem Papamobil aus, während vor ihm sein Kammerdiener Angelo Gugel zu sehen ist. / © Max Rossi/IPA via ZUMA Press ( dpa )

Angelo Gugel, Kammerdiener dreier Päpste, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Er wurde vom "33-Tage-Papst" Johannes Paul I. 1978 ernannt, diente Johannes Paul II. in seiner fast 27-jährigen Amtszeit und ging zu Beginn des Pontifikats von Benedikt XVI. mit 70 Jahren in den Ruhestand, wie Vatikan-Medien am Freitag berichten. Der stets makellos gekleidete Norditaliener bewahrte auch nach seiner Pensionierung Diskretion, die seine heikle Rolle erforderte.

Der Sohn einer Bauernfamilie aus Miane in Venetien war bereits mit 20 Jahren als Gendarm in den Vatikan gekommen. Nach einer Tuberkuloseerkrankung wurde er in die Verwaltung des Vatikanstaats versetzt. Albino Luciani, sein ehemaliger Bischof in Vittorio Veneto und ein Bekannter der Familie, berief ihn nach seiner Wahl zum Papst als Kammerdiener.

Als Johannes Paul I. am 28. September 1978 plötzlich starb, war Gugel einer der wenigen Menschen in seinem Sterbezimmer. Anschließend sagte er bei dem Prozess um die Seligsprechung seines Dienstherrn aus.

Erinnerungen an das Papst-Attentat 1981

In einer seiner seltenen Äußerungen über seinen Dienst erinnerte sich Gugel in einer Sonderausgabe des Osservatore Romano zum 100. Geburtstag von Johannes Paul II. an die Reisen mit dem Papst auf fünf Kontinenten, aber auch an die wenigen Urlaubstage in Cadore oder im Aostatal. Damals tauschte auch Gugel seinen dunklen Anzug und Krawatte gegen Pullover und Berghosen.

Attentat auf Papst Johannes Paul II. durch den türkischen Terroristen Mehmet Ali Agca auf dem Petersplatz im Vatikan am 13. Mai 1981.  / © Pool (KNA)
Attentat auf Papst Johannes Paul II. durch den türkischen Terroristen Mehmet Ali Agca auf dem Petersplatz im Vatikan am 13. Mai 1981. / © Pool ( KNA )

Tief ins Gedächtnis eingebrannt seien ihm die Eindrücke des Attentats auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981, vom Einschussloch über den am Boden liegenden Papst bis hin zur ewig scheinenden Fahrt zur Gemelli-Klinik.

Korrekte Aussprache für den polnischen Papst

In einem Interview des "Corriere della Sera" erzählte Gugel 2018, dass der polnische Papst ihn auch um sprachlichen Rat fragte. "Ich war verblüfft, als mich der Heilige Vater am Morgen des 22. Oktober 1978, bevor er sich zum feierlichen Beginn seines Pontifikats auf den Petersplatz begab, in sein Arbeitszimmer rief und mir die Predigt vorlas, die er gleich halten würde", so der Kammerdiener. "Habt keine Angst! Öffnet, ja, öffnet weit die Türen für Christus! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Menschen ist. Nur er weiß es!", zitierte er die erste Predigt des Papstes.

"Er bat mich, ihm die falschen Aussprachen zu zeigen, und notierte sich mit einem Bleistift, wo die Akzente gesetzt werden mussten." Zwei Monate später habe Johannes Paul II. Gugels ehemaligen Kollegen von der Gendarmerie gesagt: "Wenn ich bei einem Wort den Akzent falsch setze, ist das zu 50 Prozent Angelos Schuld." Dann habe der Papst ihn angelächelt.

Quelle:
KNA