In einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der "Herder Korrespondenz" schreibt Theologin Dorothea Sattler, Motor eines ökumenischen Bewusstseinswandels sei oftmals "schlicht der Zwang, aufgrund finanzieller Nöte vor Ort einzelne Gebäude in kirchlichem Besitz aufgeben zu müssen".
Sattler bezeichnete es als sinnvoll, Immobilienkonzepte ökumenisch kooperativ zu besprechen. So gewinne die Ökumene aufgrund von Ressourcenknappheit zunehmend an Bedeutung an der Basis.
Was im Gebäudemanagement gelegentlich geschehe, scheine bei Konzepten zur Gestaltung neuer "Pastoraler Räume" jedoch weniger auf der Tagesordnung zu stehen. Kooperationen würden oftmals weniger als Entlastung, sondern als zusätzliche Terminbelastung angesichts der erforderlichen Absprachen betrachtet, so die Theologin.
Kein weiteres Reizthema
Sattler berichtete von der Arbeit des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK), der sich weiter für das Votum "Gemeinsam am Tisch des Herrn" einsetze. Mit einer Studie aus dem Jahr 2020 habe das Gremium eine theologisch begründete Handlungsorientierung gegeben:
"Im Vertrauen auf das Versprechen Jesu Christi selbst, in der Versammlung derer präsent zu sein, die in der Gegenwart des Geistes Gottes das Gedächtnis seines Lebens, seines Todes und seiner Auferstehung feiern, können Getaufte an den liturgischen Feiern anderer Konfessionen mit geistlichem Gewinn teilnehmen", schreibt Sattler.
Die Publikation eines weiteren Studien-Bandes des Arbeitskreises sei "aus Rücksicht auf die neue weltkirchliche römisch-katholische Gesprächssituation unter synodalen Vorzeichen" bis in den März 2026 verzögert worden. Sattler erläuterte: "Die deutsche Theologie sollte sich nicht durch ein weiteres Reizthema in Szene setzen – so wünschten es einzelne römisch-katholische Mitglieder des ÖAK."
Kriterien für gelebte Gemeinschaft
Das Votum des ÖAK, sich gemeinsam zur Eucharistie zu versammeln, sei bibeltheologisch fundiert und verbunden mit einer pastoralen Motivation. Zugleich blieben offene Fragen bestehen: "insbesondere in der Beschreibung der 'realen', wirklichen und wirksamen Gegenwart Jesu Christi im Heiligen Geist in der Feier des eucharistischen Abendmahls sowie im Blick auf die konfessionellen Ämterlehren".
Sattler kündigte an, unter dem Titel "Ökumenisch sensibel Gottesdienst feiern" werde voraussichtlich noch in diesem Jahr eine praxisnahe Orientierungshilfe im Auftrag der Ökumene- und Catholica-Beauftragten der (Erz-)Bistümer und Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen erscheinen.
Es gebe Verständigungen in den bisher strittigen Fragen der Feier in beiden Gestalten von Brot und Wein und beim Totengedächtnis in der Eucharistie. Der ÖAK werde weiter danach fragen, an welchen Kriterien sich eine gelebte Gemeinschaft im Glauben zu orientieren habe.