SOS-Kinderdörfer: Corona-Folgen bedrohen Kinder in Lateinamerika

"Langfristige negative Auswirkungen"

Die SOS-Kinderdörfer warnen vor häuslicher Gewalt sowie Nahrungs- und Bildungsmangel als Folge der Pandemie-Beschränkungen in der Karibik und in Lateinamerika.

Kinderarmut / © MIA Studio (shutterstock)

Für 90 Prozent aller Kleinkinder dort seien diese Missstände in der Corona-Isolation momentan Alltag, teilte die Hilfsorganisation am Sonntag in München mit. "Das Risiko, dass noch mehr Kinder körperlichem und emotionalem Missbrauch ausgesetzt sind, steigt mit jedem Tag der anhaltenden Covid-19-Maßnahmen." 

In lateinamerikanischen Ländern sei häusliche Gewalt schon vor Corona keine Seltenheit gewesen. Die zusätzlichen Stressfaktoren verschlimmerten die Situation noch um ein Vielfaches.

Schulspeisungen fallen weg

Außerdem könne fehlendes Geld dazu führen, dass Eltern nicht mehr für ihre Kinder sorgten, hieß es weiter. Zudem bleibe 95 Prozent der Kinder wegen der Schließung von Schulen und Kindergärten der Zugang zu Bildung und Betreuung verwehrt und auch zu einer warmen Mahlzeit: "Etwa 80 Millionen Kinder erhalten momentan keine Schulspeise. Dies legt eine Extralast auf die Schultern der Eltern. Sie wissen nicht, wo sie Geld herbekommen sollen, wenn sie nicht arbeiten", so die SOS-Kinderdörfer.

Überdies sei das Gesundheitssystem in Lateinamerika marode: Ein Drittel der Menschen habe aus finanziellen oder geografischen Gründen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Einsätze in Lateinamerika und der Karibik

Die Hilfsorganisation appellierte an die Regierungen, Familien zu unterstützen, um Kinderrechte zu wahren. "Die Kinder dürfen nicht zu übersehenen Opfern dieser Pandemie werden, welche ansonsten kurz- und langfristige negative Auswirkungen auf ihre körperliche, seelische und berufliche Entwicklung haben wird."

Die SOS-Kinderdörfer hülfen in Lateinamerika und der Karibik Kindern und Familien unter anderem durch medizinische und psychosoziale Programme, hieß es. Auch kümmere man sich um alternative Betreuungen für Kinder in den Fällen, in denen Eltern nicht mehr angemessen für ihren Nachwuchs sorgen könnten.

Quelle:
KNA