Erfolgreiche Impfaktion der Kirchen in Sachsen

Lange Schlangen an den Bankreihen

Es war ökumenische Aktion der etwas anderen Art. Am Sonntag haben in Sachsen zahlreiche katholische und evangelische Kirchen ihre Türen für Impfaktionen geöffnet. "Der Anstrum war groß", zieht Pfarrer Gregor Giele ein positives Fazit.

Medizinisches Personal dosiert Corona-Impfstoff in der Nikolaikirche / © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild (dpa)
Medizinisches Personal dosiert Corona-Impfstoff in der Nikolaikirche / © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie war denn die Resonanz bei der Impfaktion?

Gregor Giele (Pfarrer der Propsteigemeinde in Leipzig): Die war überwältigend. Es gab schon einen Ansturm. Obwohl man die Hälfte der Termine auch vorher online buchen konnte, standen am Tag selbst noch ganz viele Leute zum Teil zwei Stunden vor Beginn in der Warteschlange, um noch einen der freien Termine zu erhalten.

DOMRADIO.DE: Sie haben auch mit den Menschen sprechen können. Wie fanden sie diese Impfaktion?

Giele: Die ist durchweg an allen Orten sehr positiv aufgenommen worden. Auch mit dem Gedanken, dass Kirchen eben nicht nur darüber reden und predigen, sondern selber aktiv werden und ein Zeichen setzen. Ja, wir sind fürs Impfen. Es gibt in der Bekämpfung der Pandemie momentan keine bessere Alternative.

DOMRADIO.DE: Gab es denn Menschen, die nicht so gerne dahin gekommen sind, sondern gesagt haben "Okay, ich entscheide mich dann doch jetzt um"?

Giele: Das haben wir überhaupt nicht erlebt. Vielmehr sind die, die gekommen sind, wirklich aus tiefer Überzeugung gekommen. Es waren Erstimpfungen dabei, wenige Zweitmpfungen sowie viele Booster-Impfungen. Sie haben gesagt, dass das einfach notwendig ist und ihnen und vor allen Dingen für ihre Umgebung wichtig ist. Das war ganz häufig zu hören, dass nicht nur auf die eigene Gesundheit geschaut wurde, sondern immer auch mitgedacht und gesagt wurde, dass es auch um die anderen geht, die man damit ein Stück schützen kann.

DOMRADIO.DE: Wie war der Ablauf?

Giele: Wir haben um 11 Uhr parallel zu unserem zweiten Sonntagsgottesdienst schon angefangen. Wir haben eine gewisse Erfahrung, weil wir mit unseren zentral gelegenen Räumlichkeiten schon mehrfach Impfzentrum gewesen sind. Von daher lief das bis knapp 19 Uhr eigentlich wie am Schnürchen durch, unterstützt von vielen Ehrenamtlichen aus der Gemeinde und einem wunderbaren Ärzteteam mit Schwestern und Unterstützung vom DRK (Deutsches Rotes Kreuz, Anm. d. Red.).

DOMRADIO.DE: Die Impfaktion in Kirchen war eine Aktion in ganz Sachsen. Haben da sehr viele Kirchen mitgemacht? Was haben Sie von den anderen Gemeinden gehört?

Giele: Das war begrenzt auf sechs Orte, weil wir natürlich die Logistik-Kapazitäten des Deutschen Roten Kreuzes, die das in Sachsen verantworten, abfragen mussten. Die konnten uns nicht mehr zur Verfügung stellen. Aber es war wirklich über den ganzen Freistaat verteilt, in Leipzig, in Dresden, im Erzgebirge, in der Oberlausitz.

DOMRADIO.DE: Sie waren nicht zum ersten Mal für das Impfen zuständig. Also nicht zum ersten Mal hat die Kirche ihre Türen dafür geöffnet. Sie haben so eine Aktion schon häufiger gemacht. Warum ist es so wichtig, dass die Kirche da mitzieht und dass in der Kirche oder in Kirchengebäuden geimpft wird?

Giele: Indem man Impfzentrum ist, macht man als Kirchgemeinde auch deutlich, wo wir als Christen stehen und sagt, dass das dem Gemeinwohl dient. Das ist gelebte Nächstenliebe. Das spüren die Leute am deutlichsten, indem sie in die Kirchenräume kommen, um sich dort impfen zu lassen. Das ist uns ganz wichtig. Hinzu kommt natürlich, dass wir total zentral in der Großstadt liegen, bestens zu erreichen sind, also auch diesbezüglich ein ganz niederschwelliges Angebot unterbreiten.

DOMRADIO.DE: Nun gibt es in Sachsen aber immer noch eine Vielzahl von Ungeimpften. Wie kann es denn gelingen, die zu überzeugen beziehungsweise kann das überhaupt gelingen?

Giele: Da bin ich unschlüssig. Ich hoffe, dass solche Vorbild-Aktionen noch einige bewegt. Wir erleben in der Begegnung mit Impfgegnern, dass inzwischen eine Phase erreicht ist, wo es nicht mehr um Argumente geht, sondern man in den eigenen Positionen so verhärtet ist, dass man sehr schwer erreichbar ist. Zumal sich die Impfgegner zum großen Teil auch untereinander vernetzen und bestärken. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit. Aber wenn die Christen dann ein deutliches Zeichen setzen, hoffen wir, dass das als Vorbild doch noch mal zum Umdenken und anderen Entscheidungen führt.

DOMRADIO.DE: Wichtig ist natürlich, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ihr Bischof Heinrich Timmerevers hat sich gestern auch boostern lassen. Sie sind auch geimpft. Wie wichtig ist das Vorbild?

Giele: Wir stehen in einem gewissen Rampenlicht. Auch hat man die Aufmerksamkeit der Gemeinden und darüber hinaus, um dort deutlich zu sagen: "Ich lasse mich impfen, mir ist das wichtig."

Ich habe Kontakt mit vielen Menschen, dann ist das unverzichtbar. Das hat schon eine Wirkung auf die Gemeinde. Wenn die eigene Gemeinde Impfzentrum ist, dann kommen auch Gemeindemitglieder, um sich impfen zu lassen

DOMRADIO.DE: So eine Aktion setzt auch ökumenische Zeichen. Kirchen handeln da gemeinsam. Ist das auch sehr wichtig?

Giele: Ja, als die Idee, die von der Landeskirche ausging, geboren wurde, war es für beide Kirchen selbstverständlich und wichtig zu sagen, dass das ein Thema ist, bei dem die Kirchen natürlich mit einer Stimme sprechen und das gleiche Zeichen zur selben Zeit setzen. Das war unverzichtbar.

Das Interview führte Dagmar Peters.

Eine Mitarbeiterin vom DRK steht in der Nikolaikirche / © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild (dpa)
Eine Mitarbeiterin vom DRK steht in der Nikolaikirche / © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild ( dpa )
Menschen warten auf ihre Impfung in der Nikolaikirche / © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild (dpa)
Menschen warten auf ihre Impfung in der Nikolaikirche / © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild ( dpa )
Quelle:
DR