Im Nachkriegswinter 1945/46 erwies Pius XII. (1939-1958), der Weltkriegspapst und vormalige Nuntius in München, der Kirche des besiegten Deutschland eine hohe Ehre: Er berief Josef Frings (damals 58), Clemens August Graf von Galen (67) und Konrad Graf von Preysing (65) ins Kardinalskollegium. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) stellt die Bischöfe von Köln, Münster und Berlin in Kurzporträts vor:
Josef Frings (1887-1978)
Frings gehörte zu den prägenden Gestalten der deutschen Nachkriegskirche. Als volksnaher Fürsprecher der notleidenden Bevölkerung, der Flüchtlinge und Kriegsgefangenen bei den Besatzungsbehörden hatte der Kölner Erzbischof eine wichtige Rolle in der Zeit des Wiederaufbaus. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) gestaltete er wichtige Vorgänge entscheidend mit.
Geboren wurde Frings als zweites von acht Kindern einer Neusser Fabrikantenfamilie. Schon 1910 wurde er zum Priester geweiht. Nach Tätigkeiten als Religionslehrer, im Waisenhaus und als Pfarrer wurde er 1937 Rektor des Kölner Priesterseminars. Dieses leitete er unter den Repressalien der Nationalsozialisten, bis er 1942 überraschend zum Erzbischof ernannt wurde.
Frings wandte sich öffentlich gegen die Judenverfolgung, die er ein "himmelschreiendes Unrecht" nannte. Nach dem Krieg nahm er sich der Not der Kriegsgefangenen und Internierten an. Pius XII. ernannte ihn zum Flüchtlingsbeauftragten.
Berühmt wurde Frings' Silvesterpredigt 1946, in der er den Diebstahl des "Lebensnotwendigen", von Kohle und Lebensmitteln, erlaubte. Als "Fringsen" hat sich dieses Stehlen für den Eigenbedarf in der deutschen Sprache verewigt. Von 1945 bis 1965 war er Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz. Er begründete die Hilfswerke Misereor und Adveniat. In dem konservativen und frommen Frings, der nicht vor den Reformaufgaben zurückschreckte, erkannte Johannes XXIII. beim Konzil einen Bruder im Geiste. Zunehmend erblindet, starb Frings 1978 mit 91 Jahren in Köln.
Clemens August Graf von Galen (1878-1946)
Galen wurde 1878 im Kreis Vechta als elftes von 13 Kindern geboren. Nach einem ersten Studium in der Schweiz reifte in dem Adelsspross der Wunsch, Priester zu werden. Nach über zwei Jahrzehnten als Seelsorger in Berlin und Münster wurde er mit 55 Jahren zum Bischof von Münster geweiht; sein Wahlspruch lautete "Nec laudibus nec timore" (Weder durch Lob noch Furcht). Der deutschnational denkende Bischof und Antibolschewist wurde zu einem wichtigen Gegner der Nationalsozialisten.
Die NS-Ideologie nannte er eine "Täuschung der Hölle". Zugleich wandte er sich gegen die leise Diplomatie vieler Kirchenvertreter. Über Deutschland hinaus bekannt wurde er als "Löwe von Münster", als er 1941 von der Kanzel gegen die Vertreibung von Ordensleuten, die Wehrlosigkeit der Bürger gegen die Gestapo und die NS-"Euthanasie"-Programme wetterte. Über die Judenverfolgung sprach er allerdings nicht. Seine Predigten hatten im In- und Ausland großes Echo. Diese Popularität schützte ihn wohl vor einer Anklage wegen Verrats.
Nach Kriegsende war Galen ein Fürsprecher der Bevölkerung bei den Besatzungsmächten. Den Begriff einer deutschen Kollektivschuld lehnte er ab. Nur einen Monat nach seiner Rückkehr von der Kardinalserhebung in Rom starb er Ende März 1946; 2005 wurde er seliggesprochen.
Konrad Graf von Preysing (1880-1950)
Preysing wurde 1880 als viertes von elf Kindern bei Landshut geboren. Nach seinem Jura-Studium arbeitete der Spross aus altem Adel zunächst für den bayrischen Staat in Rom, bevor er sich für das Priesteramt entschied. Bei seinen Tätigkeiten in der Münchener Kirchenverwaltung erkannte der Vatikan-Botschafter Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., Preysings Begabung. Als Bischof von Eichstätt wurde er für Pacelli zum wichtigsten Ratgeber unter den deutschen Bischöfen.
Früher als andere erkannte und benannte Preysing das NS-Regime und stellte fest: "Wir sind in den Händen von Verbrechern und Narren." 1935 machte Pius XI. den 55-Jährigen zum Bischof von Berlin. In Briefen und Eingaben an die Behörden, in Predigten und Hirtenworten kämpfte der Berliner Bischof mutig gegen Rassenideologie und NS-Verbrechen.
Hitler bezeichnete ihn wütend als "absolutes Rabenaas". Die weltweit beachtete Kardinalsernennung Preysings durch Papst Pius XII. war eine Würdigung von dessen Einsatz. Kurz vor Weihnachten 1950 starb Preysing mit 70 Jahren in Berlin.