Kölner Museum Kolumba lässt Tänzer in Jahresschau auftreten

Kunst und Körper

In einer neuen Ausstellung präsentiert das Kunstmuseum Kolumba in Köln die körperlichste aller Darstellungsformen: den Tanz. Der habe in der Corona-Krise an Relevanz gewonnen, heißt es.

Tänzer der Performance "Dark Red" im Museum Kolumba / © Birgitt Schippers (DR)
Tänzer der Performance "Dark Red" im Museum Kolumba / © Birgitt Schippers ( DR )

13 Männer mit Bärten stehen im Kreis. Langsam führt jeder von ihnen die Finger der rechten Hand an die linke Brust. In farbigen Shirts - gelb, orange, blau - und in Zeitlupentempo zeigen die Tänzer der Kompanie "Rosas" ihre Performance im Kölner Kunstmuseum Kolumba. Beziehen soll sich die Darbietung der mehrfach ausgezeichneten, belgischen Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker auf die Gemälde-Reihe des spanisch-griechischen Malers El Greco (1541-1614). Seine 13 Porträts im Stile der Spätrenaissance zeigen je einen der zwölf Apostel sowie Jesus. Jeder Jünger ist in ein farbiges Tuch gewickelt - gelb, orange, blau.

Performance ist bis Sonntag zu sehen

Mit ihrer eigens für Kolumba kreierten Performance will De Keersmaeker das allgemein gängige Bild von den Aposteln - heilig, untastbar, entrückt - von seinen Klischees befreien, wie Museumsdirektor Stefan Kraus der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erläutert. "Sie holt sie von ihren Sockeln herunter." Anders als im Theater stünden die Tänzer, die Jünger und Jesu darstellen, zudem nicht auf einer Bühne vom Publikum getrennt, sondern mitten im Raum zwischen den Besuchern. "Plötzlich werden wir alle zu Aposteln."

Aufführungen wie die von De Kaersmaker - ihre Performance ist bis Sonntag zu sehen - wird das Kunstmuseum des Erzbistums Köln in den kommenden Monaten häufiger zeigen. "Kunst und Choreografie. Das kleine Spiel zwischen dem Ich und dem Mir" lautet der Titel der neuen Jahresausstellung, die am Montag in unfertigem Zustand startete. Die Schau, die bis zum 16. August 2021 läuft, soll öffentlich fertiggestellt werden, so die Idee der Verantwortlichen. Bis zum 3. November kommt im Wochentakt ein neuer Künstler hinzu. Danach werden in den Räumen, die der Schweizer Stararchitekt Peter Zumthor erdachte, immer wieder verschiedene Tanz-Projekte umgesetzt, während sich die Besucher ausgewählte Werke aus der Sammlung ansehen können.

Kooperation mit Bühnen der Stadt Köln

Für seine Schau kooperiert Kolumba mit den Bühnen der Stadt Köln. Seit einiger Zeit holen Oper und Schauspiel innerhalb ihres gemeinsamen Projekts "tanz.koeln" renommierte Choreographen mit ihren Kompanien in die Domstadt, darunter Sasha Waltz und Hofesh Shechter. Seit Beginn der Spielzeit 2019/20 baut zudem der US-amerikanische Choreograph Richard Siegal am Schauspiel Köln eine eigene Tanzkompanie auf. Sein "Ballet of Difference" soll laut Kraus auch in Kolumba auftreten.

Am Tanz fasziniere ihn besonders die Momenthaftigkeit, erklärt der Direktor. "Der Tanz hinterlässt ja nichts. Es ist in dem Moment, wo es passiert, sofort weg." Die Kunstform, die sich über den Körper ausdrückt, habe zudem an Aktualität gewonnen. Körperkontakt etwa sei in der Corona-Krise zu einem Thema geworden.

Corona-Maßnahmen - "Einsam hinter unseren Bildschirmen"

Auch De Keersmaeker schlägt die Brücke zu Corona. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, wie wichtig körperliche Nähe sei. "Um uns zu schützen, müssen wir einsam sein, einsam hinter unseren Bildschirmen", sagt die Künstlerin, die 1983 ihre Kompanie "Rosas" gründete. Choreographie bedeute für sie unter anderem: Störungen zu verkörpern, der Schwerkraft zu trotzen - und "Architektur zu bewegen".

Als sie den Zumthor-Bau zum ersten Mal sah, habe sie sich sofort darin verliebt, erzählt die Belgierin. Moderne Architektur bedürfe oft vieler Erklärungen. Kolumba-Besucher jedoch könnten das Gebäude intuitiv erfassen. Es sei "extrem lesbar".

Das Kunstmuseum, das 2007 eröffnete, wurde auf den Ruinen der gotischen Kirche Sankt Kolumba erbaut. Für den Neubau entwickelte Architekt Zumthor gemeinsam mit anderen Experten einen neuen Typ Mauerwerk. Fugenlos überspannt dieser die historischen Ruinen im Inneren des Museums. Die Fassade in grauem Backstein lässt die Reste der früheren Kirche erkennen.

Vor acht Jahren wurden Schäden am Lehmputz entdeckt: Starkregen hatte ihn abplatzen lassen. Trotz Sanierungsarbeiten, die insgesamt rund 450.000 Euro kosteten, ist das Problem laut Kraus noch nicht behoben. Für die ausgestellten Werke seien die Schäden aber keine Gefahr.

Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Rosner (Erzbistum Köln)
Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Rosner ( Erzbistum Köln )
Autor/in:
Anita Hirschbeck
Quelle:
KNA
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