Kubas Kirche könnte Rubios Trumpf beim Vatikan-Besuch werden

US-Außenminister als Brückenbauer beim Papst

An diesem Donnerstag ist Marco Rubio zu Gast bei Leo XIV. Das Verhältnis zwischen Washington und dem Heiligen Stuhl ist belastet. Womöglich bringt der Chefdiplomat das humanitäre Engagement der USA in der Karibik ins Spiel.

Autor/in:
Tobias Käufer
Kathedrale von Havanna / © Marisa Martinez Tarran (shutterstock)
Kathedrale von Havanna / © Marisa Martinez Tarran ( shutterstock )

Während US-Präsident Donald Trump der Linie treu bleibt, seinen Landsmann Papst Leo XIV. öffentlich zu kritisieren, will Außenminister Marco Rubio am Donnerstag bei einem Besuch im Vatikan versuchen, die Wogen zu glätten. Der Katholik und Sohn kubanischer Einwanderer wird dabei sicherlich auf die gute Zusammenarbeit der US-Regierung mit der kubanischen Ortskirche verweisen. Diese Partnerschaft ermöglicht es ihm, gleich auf mehreren Ebenen im Vatikan zu punkten. 

Marco Rubio, US-Außenminister, spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) / © Kay Nietfeld (dpa)
Marco Rubio, US-Außenminister, spricht bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) / © Kay Nietfeld ( dpa )

Nach dem verheerenden Hurrikan "Melissa" im vergangenen Jahr organisierten die USA Hilfslieferungen nach Kuba in Millionenhöhe. Allerdings legte Washington Wert darauf, die Mittel über Netzwerke der katholischen Kirche zu verteilen - vorbei am verfeindeten kommunistischen Regime.

"Wenn man mich fragt, was die Menschen brauchen, würde ich sagen: alles. Unser Volk durchlebt sehr schwierige Zeiten der Armut, des Mangels und in vielen Fällen des Elends", sagte Erzbischof Dionisio García Ibáñez von Santiago de Cuba nach dem Sturm. Die Vereinigten Staaten kamen zur Hilfe.

Rückendeckung von kubanischen Exil-Politikern

Zudem bekommt Rubio Rückendeckung von der großen exilkubanischen Community im US-Bundesstaat Florida. "Es ist leicht, eine demokratische Regierung zu kritisieren, weil das keine Konsequenzen hat", sagt der kubanische Oppositionspolitiker José Daniel Ferrer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Miami. "Wenn man eine Diktatur wie Kuba kritisiert, bedeutet das hingegen immer, ein Risiko einzugehen", gibt er zu bedenken. Ferrer weiß, wovon er spricht: Der Dissident saß vor seiner Zwangsausbürgerung in die USA vor wenigen Monaten im Gefängnis. 

Hurrikan "Melissa" hat viele Gebiete verwüstet / © Ramon Espinosa/AP (dpa)
Hurrikan "Melissa" hat viele Gebiete verwüstet / © Ramon Espinosa/AP ( dpa )

"Der Streit zwischen dem US-Präsidenten und dem Papst hätte nicht passieren dürfen. Das dient niemandem", sagt Ferrer weiter. Er fordert das Kirchenoberhaupt auf, nicht nur die USA wegen ihres Vorgehens im Iran-Krieg zu kritisieren. Klare Worte seien nicht zuletzt mit Blick auf Diktaturen wie Kuba, Venezuela und Nicaragua notwendig. Papst Johannes Paul II. habe während seines Pontifikats immer wieder Mut bewiesen und sich entsprechend geäußert.

Kuba-Frage setzt den Papst unter Druck

Trump warf Leo XIV. indes unter anderem vor, zu sehr auf linke Narrative zu hören. Eine Kritik, die den Papst in der Kuba-Frage durchaus unter Druck setzt. Verzichtet er auf Kritik an den kubanischen Verhältnissen mit mehr als 1.200 politischen Gefangenen, könnte Trump sich bestätigt sehen und innenpolitisch daraus Kapital schlagen. Hinzu kommt: Jüngst reisten zwei Abgeordnete der Demokratischen Partei aus den USA nach Havanna und ließen sich demonstrativ mit Machthaber Miguel Díaz-Canel ablichten. 

Miguel Diaz-Canel / © Ariana Cubillos (dpa)
Miguel Diaz-Canel / © Ariana Cubillos ( dpa )

José Daniel Ferrer hält nichts von einem solchen Kuschelkurs. Er würde sogar eine – völkerrechtlich höchst fragwürdige – Militäraktion wie in Venezuela zu Jahresbeginn befürworten, als das US-Militär Machthaber Nicolás Maduro außer Landes schaffte. "Besser heute als morgen, denn die Diktatur, unter der so viele Menschen auf Kuba leiden, muss endlich ein Ende haben", sagt Ferrer. Mit Rubio sei er in regelmäßigem Kontakt.

Papst Leo XIV. ruft die Konfliktparteien derweil zum Dialog auf - der wohl hinter verschlossenen Türen tatsächlich stattfindet. Sowohl Washington als auch Havanna bestätigen solche Gespräche. Rubios Standpunkt ist dennoch klar: Er hält die Führungsriege auf Kuba nicht nur volkswirtschaftlich für inkompetent. Ohne einen Personalwechsel an der Spitze könne es keinen strukturellen Politikwechsel, keine diplomatische Entspannung geben.

Mehr humanitäre Hilfe der USA?

Es ist davon auszugehen, dass Rubio den Papst auffordern wird, ähnlich kritische Worte zu finden wie die kubanische Kirche, die immer wieder öffentlich einen Kurswechsel verlangt. Auch innerhalb der US-Bischofskonferenz hält man wenig vom kubanischen Regime. Um dem Heiligen Stuhl entgegenzukommen, dürfte Rubio anbieten, die humanitäre Hilfe für Kubas Kirche auszuweiten. Schon allein deshalb, um den Vorwurf Havannas zu entkräften, die USA schadeten mit ihrem andauernden Handelsembargo lediglich dem kubanischen Volk. 

Katholische Kirche in Kuba

Auf der Karibikinsel Kuba ist die katholische Kirche weniger stark verankert als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Nur rund 60 Prozent der rund 11,2 Millionen Kubaner sind katholisch getauft. Diese verhältnismäßig geringe Präsenz ist nicht allein Ergebnis der seit rund 50 Jahren andauernden kommunistischen Herrschaft, sondern reicht bis in die spanische Kolonialzeit zurück.

Tauwetter ab den 80ern

Kirche in Kuba / © Bildagentur Zoonar GmbH (shutterstock)
Kirche in Kuba / © Bildagentur Zoonar GmbH ( shutterstock )
Quelle:
KNA