Kommission rügt Umgang mit Missbrauch im Bistum Münster

Lange Verfahren und wenig Transparenz

Eine Kommission des Bistums Münster hat gravierende Mängel bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs festgestellt. Probleme gebe es auch bei der Zahlung von Anerkennungsleistungen. Diese seien intransparent und emotional belastend.

St.-Paulus-Dom in Münster / © Chi_Chirayu (shutterstock)
St.-Paulus-Dom in Münster / © Chi_Chirayu ( shutterstock )

Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im katholischen Bistum Münster ist nach Einschätzung der zuständigen Unabhängigen Aufarbeitungskommission weiterhin unzureichend. In ihrem ersten Jahresbericht fordert die UAK grundlegende Verbesserungen, insbesondere bei der Zahlung von Anerkennungsleistungen und beim Umgang mit Verjährung.

Das Gremium kritisiert vor allem das bundesweite Verfahren der kirchlichen Anerkennungsleistungen als langwierig, intransparent und emotional belastend. Betroffene erhielten häufig keine nachvollziehbaren Begründungen für Entscheidungen. Die UAK empfiehlt dem Bistum, sich für verbindliche Begründungspflichten, kürzere Bearbeitungszeiten und direkte Kommunikationswege zwischen UAK und Anerkennungskommission einzusetzen.

Problem der Verjährung

Zugleich fordert die UAK, dass das Bistum künftig grundsätzlich auf die Einrede der Verjährung verzichtet - sowohl in staatlichen Zivilverfahren als auch im kirchlichen Recht. Eine Berufung auf Verjährung werde dem Leid der Betroffenen nicht gerecht und widerspreche dem eigenen moralischen Anspruch der Kirche, heißt es im Bericht.

Die UAK im Bistum Münster hatte sich Anfang 2022 konstituiert. Ihre Geschäftsstelle nahm nach längerer Vorbereitungsphase im November 2024 die operative Arbeit auf. Ähnliche Kommissionen gibt es in allen deutschen Bistümern. Im ersten Jahr nach der Eröffnung haben sich laut dem Bericht 45 Betroffene an die Geschäftsstelle gewandt. Sie seien etwa beim Stellen von Anträgen bei verschiedenen Leistungsträgern oder beim Formulieren der eigenen Geschichte unterstützt worden. Insgesamt seien mehr als 580 persönliche Kontakte zustande gekommen.

Keine Berufung durch den Bischof

Die UAK betont, ihre Unabhängigkeit habe erst nach langen Verhandlungen und der Gründung eines eigenen Trägervereins gesichert werden können. Die Mitglieder seien bewusst nicht vom Bischof berufen worden.

Für 2026 kündigt die Kommission an, ihre kritische Begleitung der kirchlichen Aufarbeitung fortzusetzen. Geplant sind unter anderem die Auswertung kirchlicher Akten, der Abschluss einer Studie zur Gewalt in der Heimerziehung sowie weitere öffentliche Stellungnahmen. Ziel bleibe, so die UAK, Schweigen zu beenden, erlittenes Unrecht zu benennen und Vorschläge für eine bessere Aufarbeitung zu entwickeln.

Bistum Münster

Mit rund 1,59 Millionen Katholikinnen und Katholiken ist das Bistum Münster die mitgliederstärkste Diözese in Deutschland. Aber auch hier hat die Kirche mit schwindenden Mitgliederzahlen und den Folgen daraus zu kämpfen. Zwar rechnet das Bistum für das laufende Jahr mit Kirchensteuereinnahmen von rund 454,7 Millionen Euro. Die "Kirchensteuerkraft" – also das, was sich die Diözese mit dem Geld leisten kann – lässt aber stark nach: Bis 2060 soll sie sich im Vergleich zu 2017 halbiert haben.

Sankt-Paulus-Dom in Münster. / © Jörg Loeffke (KNA)
Sankt-Paulus-Dom in Münster. / © Jörg Loeffke ( KNA )
Quelle:
KNA