Im Paderborner Dom wird am Samstag geimpft

"Können es nicht bei Appellen belassen"

Am Wochenende wird in der Kathedrale zu Paderborn geimpft, damit ist sie die erste deutsche Bischofskirche, die zum Impfzentrum wird. Die Reaktionen sind bis jetzt ausschließlich positiv, sagt Dompropst Joachim Göbel.

Paderborner Dom / © kamienczanka (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Lassen Sie sich auch am Samstag in Ihrem Dom impfen?

Msgr. Joachim Göbel (Paderborner Dompropst): Das würde ich gerne tun, weil es ja ein besonderer Ort ist, aber ich bin schon durchgeimpft. Ich habe die dritte Impfung schon bekommen.

DOMRADIO.DE: Das ist sehr gut, aber vielleicht auch ein bisschen schade in diesem Zusammenhang.

Göbel: Ja, das ist wahr. Denn der Dompropst, der im Dom geimpft wird, das passt eigentlich ganz gut.

DOMRADIO.DE: In vielen Kirchen des Landes ist ja schon geimpft worden, aber jetzt sogar im hohen Dom zu Paderborn. Wieso ist das wichtig, auch da noch mal so ein Angebot zu schaffen?

Göbel: Ja, mir ist wichtig, damit ein Zeichen zu setzen. Der Papst, auch unser Erzbischof, haben sehr dezidiert und eindringlich zum Impfen aufgefordert. Und ich finde, wir können es ja nicht bei Appellen belassen, sondern das, was wir tun können, in dem Fall einen Raum zur Verfügung stellen, sollten wir dann auch bitte tun.

DOMRADIO.DE: Wie sehen denn die Reaktionen aus? Gibt es viele Anfragen nach Impfstoffen?

Göbel: Unsere Damen an der Rezeption werden mit medizinischen Fachkräften manchmal verwechselt, weil sie dann detailliert Auskunft geben sollen zur Abfolge von Impfstoffen und dergleichen. Ich freue mich auf der einen Seite über das Interesse, das so viele Leute anrufen und noch mal nachfragen. Aber andererseits ist das natürlich die falsche Stelle. Da wird es die Information am Samstag aus berufenem Mund geben können,

DOMRADIO.DE: Ungefähr 1.000 Menschen erwarten Sie am Samstag zur Impfung. Wer spritzt und was für Impfstoff gibt es im Paderborner Dom?

Göbel: Organisiert wird das Ganze vom Kreis Paderborn und durchgeführt vom Deutschen Roten Kreuz zusammen mit den Maltesern. Das Ganze geschieht - das ist bei uns baulich sehr günstig - in so einem Kreuzgang. Die Leute kommen also von der Nordseite in den Dom. Auf der Südseite ist das Schlangestehen sehr schwierig, weil da der Weihnachtsmarkt ist und der Wochenmarkt. Was auch wiederum bedingt, dass viele Leute in der Stadt sind.

Verimpft werden alle drei Impfstoffe, die es gibt, Erst-, Zweit- und Drittimpfung. Der Impfstoff von Biontech für bis 30jährige und ab 30 dann Moderna - und Johnson & Johnson für die, die Erstimpfungen möchten, die schnell wirksam sind oder eine erste Impfung von Johnson & Johnson bekommen haben.

DOMRADIO.DE: Wo setze ich mich die 15 Minuten Wartezeit nach der Impfung hin? In die Kirchenbank und kann da auch noch mal gleich eine Kerze anzünden?

Göbel: Genauso ist das geplant. Also im Kreuzgang ist die eigentliche Impfstraße und dann endet die am Eingang zum Dom, sodass der Dom selber als liturgischer Raum der Ort ist, wo die Menschen dann diese empfohlene Viertelstunde verbringen können, sich aufhalten können, sodass wir auch die Gottesdienste normal feiern können zu den Zeiten, die angesetzt sind. Und ich finde es ganz schön mal, dass viele in den Dom aus diesem Anlass kommen. Und schaden kann es ja nicht, im Advent mal eine Viertelstunde im Dom zu sitzen und dann ein bisschen zu sich zu kommen.

DOMRADIO.DE: Die Wartenden werden von wem betreut?

Göbel: Also für die Wartenden, das ist eine schöne Aktion der Malteser, wird es heißen Tee geben, die werden da zur Stelle sein. Und unsere Caritas, der Diözesanverband hat auch eine schöne Aktion geplant. Die wollen kleine Schokoladen verschenken und sich auf diese Weise im Namen aller Pflegekräfte bei denen bedanken, die sich impfen lassen. Dann schauen wir, was sonst noch passiert,

DOMRADIO.DE: Nach einer ähnlichen Impfaktion im Wiener Stephansdom gab es heftige Kritik von konservativ-katholischer Seite: Kirchen seien ein heiliger Ort, der entweiht wird, durch so eine Aktion. Haben Sie bisher auch schon solche Rückmeldungen, oder was machen Sie am Samstag, falls sowas kommt?

Göbel: Diese Rückmeldungen habe ich noch nicht. Ich versuche immer, den Leuten zu erklären, dass natürlich der Kirchenraum ein sakraler Raum, ein besonderer Raum ist. Aber dass das nicht daran hindert, den Menschen, der ja auch ein besonderer sakraler Raum ist, nämlich Gottes Geschöpf, mit einer göttlichen Seele begabt, in bestimmten Situationen auch in diesem Raum anders zugewendet werden kann.

Wir hatten hier zum Beispiel im Jubiläumsjahr ein Festmahl für arme und bedürftige Menschen, also ein sehr üppiges Mittagessen in einem Bereich unseres Domes - und verschiedene andere Aktionen auch schon, sodass ich glaube, dass vielleicht hier in Paderborn sich schon ein wenig das Verhältnis zum Dom und zu seinem Raum gewandelt hat.

DOMRADIO.DE: Von 10 bis 17 Uhr wird am Samstag geimpft im Paderborner Dom. Was ist, wenn ich kurz vor fünf in der Schlange stehe?

Göbel: Wer bis 17:00 Uhr in der Schlange steht, wird auch geimpft.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Dompropst Monsignore Joachim Göbel / © Pressestelle Paderborn (KNA)
Dompropst Monsignore Joachim Göbel / © Pressestelle Paderborn ( KNA )
Quelle:
DR