Mit zahleichen Gläubigen hat Weihbischof Rolf Steinhäuser ein Pontifikalamt zu Christi Himmelfahrt gefeiert.
Bei seiner Predigt beginnt er mit einem historischen Bild: Im Barock ließ man an Christi Himmelfahrt Christusfiguren "unter Trompetenschall" durch Kirchen nach oben schweben. Dahinter habe schon damals die Frage gestanden: "Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" Steinhäuser macht deutlich, dass heute kaum noch jemand den Himmel als Ort "über den Wolken" versteht. Die eigentliche Frage sei vielmehr: Was bedeutet Himmelfahrt überhaupt?
Dazu erklärt er im Kölner Dom die biblischen Lesungen der Messe. Während die Apostelgeschichte schildert, wie Jesus "vor ihren Augen emporgehoben" wird, betont das Matthäus-Evangelium etwas anderes: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." Für Steinhäuser ist das kein Widerspruch. Himmelfahrt bedeute nicht Weggehen, sondern die "Erhöhung des Herrn": Gott gebe dem gekreuzigten Jesus Anteil an seiner Macht und Herrlichkeit. Himmelfahrt hänge eng mit Karfreitag und Ostern zusammen.
Der Himmel fängt jetzt schon an
Dann weitet der Weihbischof den Gedanken auf alle Menschen aus. Jesus sei "für uns in den Himmel aufgefahren". Entscheidend sei deshalb nicht nur, dass Jesus bei Gott ist, sondern dass mit ihm auch das Menschsein selbst einen Platz bei Gott bekommt. "Mit der Himmelfahrt Jesu findet der Mensch in Gott Raum für immer", sagt Steinhäuser. Das sei etwas unerhört Neues.
Zum Schluss schaut Steinhäuser auf den Alltag. Der Himmel beginne nicht erst nach dem Tod, sondern schon jetzt: "Der Himmel beginnt also schon hier auf der Erde." Wer Jesus begegne – im Gebet, in der Eucharistie oder im Mitmenschen –, erfahre bereits etwas davon. Deshalb sei Christi Himmelfahrt "das Fest seiner bleibenden Anwesenheit und Wirksamkeit mitten in unserem Leben".
Der Kölner Domchor stand beim Pontifikalamt unter der Leitung von Alexander Niehues und Valentin Bauer. Der Knabenchor der Hohen Domkirche sang unter anderem die Missa in G von Josef Gabriel Rheinberger. Zum Auszug spielte Matthias Wand an der Domorgel von Olivier Messiaen: aus der Orgelkomposition "L'Ascension" (dt.:"Die Himmelfahrt) das Werk "Transports de joie d'une âme devant la gloire du Christ qui est la sienne" (dt.:Freudenausbrüche einer Seele angesichts der Herrlichkeit Christi, welche die ihre ist).
Hochfest Christi Himmelfahrt
Der Evangelist Lukas knüpft in der Apostelgeschichte an den Schluss seines Evangeliums an. So spricht er in der Apostelgeschichte eingangs von den letzten Gesprächen Jesu mit seinen Jüngern und von der Himmelfahrt Jesu. Er ist der Einzige der Evangelisten, der von 40 Tagen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt und von der Himmelfahrt Jesu vor den Augen seiner Jünger (vgl. Apg 1, 9) schreibt.
Dabei geht es ihm aber nicht darum, das Wie der "Himmelfahrt" zu beschreiben. Die Zeit des irdischen Lebens Jesu endet mit seiner Rückkehr zum Vater. Von dort wird er den Seinen den verheißenen Heiligen Geist senden. Darum gilt den Jüngern damals und auch uns heute, nicht weiter zum Himmel zu schauen, sondern im Namen Jesu zu wirken, unsere Welt zu gestalten. Wir dürfen uns dabei der Zusage Jesu gewiss sein: "Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt."
Aus dem Matthäusevangelium
In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28, 16–20)