Jeden Moment werden sich alle zur Prozession aufstellen – so wie sie es im Vorfeld bei der Probe geübt haben.
Dann werden die Klassenlehrerinnen Violetta Petermann, Jessica Tropea und Franziska Löchter die selbstgebastelten Kerzen der Kinder beim Betreten der Kathedrale anzünden, und der festliche Gottesdienst kann beginnen.
Doch zuvor gibt Schulseelsorger Burkhard Hofer noch einmal letzte Hinweise zum Einzug durch das große Hauptschiff und dem Ablaufplan, den die Kinder ab jetzt selbst im Kopf haben müssen, damit ein guter Gesamteindruck entsteht und niemand aus der Reihe tanzt. Und auch, wann sie dran sind mit ihrem Begrüßungswort, dem Kyrie-Ruf oder einer Fürbitte.
Denn die Erstkommunion im Kölner Dom ist ein großes Fest in würdigem Rahmen, jedes der Kinder übernimmt eine Aufgabe und gestaltet die Liturgie aktiv mit. In langer Prozession, mit den brennenden Kommunionkerzen in ihren Händen, ziehen sie schließlich feierlich hinter den Messdienern durch den Mittelgang des Domes ein und versammeln sich dann zur Eucharistiefeier kreisförmig um den Altar.
Im Altarraum vor dem Ambo steht das Koki-Bild der 36 Kinder, das sie in den vergangenen Wochen gemeinsam mit dem Künstler Hans Christian Rüngeler zum Thema "Baum des Lebens" erarbeitet haben. Dieser kreative Gestaltungsprozess ist einer von vielen Bausteinen auf dem Weg der rund halbjährigen Vorbereitung zur Erstkommunion gewesen.
Er hat in dieser Zeit zusätzlich für die Kinder erfahrbar gemacht, dass für Gott jeder von ihnen gleich wichtig und gleich wert ist, alle – trotz ihrer Verschiedenheit – mit ihm in Gemeinschaft sind und diese Gemeinschaft erst so richtig lebt, wenn der Heilige Geist mit dabei ist. So hatte ihnen Hofer immer wieder das Wort "Kommunion" erklärt: als Gemeinschaft mit Gott und untereinander.
Und er hat ihnen vermittelt: Hier ist jemand – auf den ist Verlass, dessen Nähe tut gut, belebt und gibt Kraft. Denn er schenkt sich selbst im heiligen Brot und verheißt ein Leben in Fülle.
Jedes Kind hat sich auf dem Koki-Bild dargestellt
Später lässt sich der Seelsorger von Eleni und Johann das Kommunionbild genau erklären. Denn jedes Kind hat sein eigens Konterfei mithilfe eines selbstgefertigten Druckstocks auf der Leinwand abgebildet. So ist ein buntes Gesamtkunstwerk aus vielen kleinen Einzelkunstwerken entstanden, das sich zu einem bunten Ganzen fügt.
Dieses Mal lässt sich motivisch ablesen, dass die Kinder auf einen kräftigen Baum geklettert sind, wie er auf den Poller Rheinwiesen stehen könnte. Immerhin ist am unteren Bildrand die Kölner Skyline mit Dom, Kranhäusern, Rheinbrücke und Fernsehturm zu sehen. Die Baumkrone hängt voller umhertollender Kinder, die eine fröhliche Gemeinschaft bilden.
Auf den Ästen sitzen oder spielen, während der Himmel voller Tauben dargestellt ist, die auf jeden einzelnen herabkommen – als Zeichen des Heiligen Geistes.
Hofer betont den Kindern zugewandt: "Der Baum symbolisiert Stärke, Verwurzelung, Gemeinschaft, aber auch Geborgenheit und Lebensfreude. All das und noch viel mehr schenkt Gott euch in der Tat heute Morgen im Sakrament der Eucharistie, im Leib seines Sohnes Jesus Christus. Er legt sich in eure Hände.“
Der Theologe erläutert in seiner Katechese, dass Gottes Nähe Kraft gebe, als Freund und Freundin von Jesus zu leben, auf seine Worte zu hören und einander Gutes zu tun. Hofer fügt mit Blick auf den Dom hinzu: "Wir sehen sein einladend hell leuchtendes Portal." Er versichert: "Denn Gottes Tür steht immer für jeden offen. Er wartet auf Euch."
Dass diese Zusage bei den Kommunionkindern angekommen ist, zeigen sie mit ihren Wortbeiträgen. So benennt Henry Beispiele, wie Gottes Nähe erfahrbar wird: "Als wir Geschichten aus der Bibel gehört, Lieder gesungen und miteinander gebetet haben", lässt er die letzten Wochen Revue passieren.
Johanna ergänzt: "Mit Jesus sind wir zu einer Gemeinschaft geworden – über die eigene Klasse hinaus. Das haben wir bei der Dreikönigswallfahrt, der Sternsingeraktion, den Familienmessen und bei unserer Koki-Fahrt gemerkt. Wir haben gespürt, dass der Heilige Geist, den Jesus uns als Beistand im Evangelium verspricht, unsere Gemeinschaft trägt."
Und Marielle stellt fest: "Wir leben unter Gottes Schutz wie in einem großen Baum zusammen. Seine Äste geben uns sicheren Halt. Für jede und jeden von uns ist Platz. Uns kann dabei nichts passieren, denn der Baum steht fest und ist tief verwurzelt. Das Bild zeigt, dass Gott gut für uns sorgt.“
Auch Domdechant Robert Kleine greift das Baum-Motiv auf und ermuntert die Erwachsenen, sich ebenfalls als "Kinder Gottes" und damit als Teil dieser bunten Gemeinschaft zu betrachten. Er unterstreicht: "Gemeinschaft ist nichts Exklusives." Es gäbe viele Formen von Gemeinschaft, und jede Gemeinschaft verbinde eine gemeinsame Wurzel. Natürlich seien die Familie und Freundschaften wichtig.
Für die Gemeinschaft der Christen aber sei vor allem Gott das gemeinsame Fundament. "Er ist niemand, der die Wurzeln kappt, sondern immer mit uns in Verbindung und gibt uns niemals auf", so Kleine. "Da ist einer, der uns alle Tage unseres Lebens trägt und mit Euch in einem kleinen Brot Gemeinschaft hat", wendet er sich den Kindern zu. "In der Heiligen Kommunion begleitet er Euch auf Eurem Lebensweg." Denn Communio bedeute Gemeinschaft untereinander und Gemeinschaft mit Gott.
Und auch das gehört schon immer zu jeder Erstkommunionfeier im Kölner Dom dazu: das Koki-Lied, das Domkantor Oliver Sperling eigens für die Kinder der Kölner Domsingschule komponiert hat. Und so stimmen die jungen Sängerinnen und Sänger, von ihm am Keyboard begleitet, an: "Unsere Quelle bist du! Du Ursprung des Lebens, unendliche Kraft. Durch Jesus Christus fließt uns zu lebendiges Wasser, das uns neu erschafft. Du Tropfen voll Glauben, du Träne voll Leid, du Strom voller Hoffnung und du See voll Ewigkeit. Du Meer voller Liebe, du Brunnen voll Ruh: Unsere Quelle bist du!“
Motto-Lied zum Abschluss
Das Lied, zu dem sich die 36 Mädchen und Jungen am Ende des festlichen Gottesdienstes für ihre Familien gut sichtbar vor dem Altar aufstellen und das zum Abschluss einen ganz besonders berührenden Moment schafft, bringt die Kernbotschaft dieser Erstkommunionfeier noch einmal auf den Punkt: Da, wo sich Himmel und Erde miteinander verbinden – Gott zu Ursprung und Zentrum des eigenen Lebens wird, da finden die Menschen die Erfüllung ihrer Sehnsüchte: nämlich Liebe und Frieden.
Musikalisch stimmiger kann die Feier nicht zu Ende gehen. Schließlich vermitteln die Acht- und Neunjährigen mit ihrem Vortrag bereits eine Vorfreude auf das, was sie als Schülerinnen und Schüler der Domsingschule und damit als zukünftiger Nachwuchs der Chöre am Kölner Dom schon bald gewohnheitsmäßig tun werden: die Liturgie der Eucharistiefeiern an Sonn- und Feiertagen in der Kathedrale aktiv mit ihrem Gesang unterstützen und mitgestalten.
Und so markiert dieses Kommunionfest in jedem Jahr einen der Tage, auf den die Drittklässler dieser Erzbischöflichen Grundschule in Lindenthal geradezu hinfiebern: endlich die weiße Albe tragen und unter feierlichem Orgelbrausen in die Kirche einziehen dürfen. Dass nun – anderthalb Stunden später – alle Aufregung und Anspannung von ihnen abfällt, ist ihren fröhlichen Gesichtern anzusehen.
Aber man hört es auch ihrem "Motto-Lied" an, das sie allein für diesen Tag im Schulchor einstudiert haben und das noch einmal unterstreicht, was ihnen Schulseelsorger Hofer in den wöchentlichen Koki-Stunden mit auf den Weg geben wollte: Du bist Gottes geliebtes Kind. Und Gott bleibt nicht fern, sondern will den Menschen nahe sein und ihnen Kraft schenken.