Tage vor Christi Himmelfahrt werden auch "Bitttage" genannt

Durch Klimawandel aktueller denn je

In ihrer sechsten Woche wartet die österliche Zeit noch einmal mit Besonderheiten auf. Die drei Tage vor Christi Himmelfahrt werden auch "Bitttage" genannt. Traditionell finden dann vielerorts Bittprozessionen statt. 

Autor/in:
Jan Hendrik Stens
Altarschellen werden bei einer Prozession mitgeführt / © Wolfgang Zwanzger (shutterstock)
Altarschellen werden bei einer Prozession mitgeführt / © Wolfgang Zwanzger ( shutterstock )

Entstanden sind die Bitttage bereits im 5. Jahrhundert in Gallien als Umprägungen vorchristlicher Flurumgänge. An der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert wurden sie durch Papst Leo III. in die römische Liturgie integriert. Mit Bittgesängen und Litaneien wurde in der Zeit zwischen Aussaat und Ernte gutes Wetter erfleht.

Unwetter und Missernten wurden im Mittelalter auch als Strafe für die eigenen Sünden verstanden. Daher sind die Bitttage mit einem gewissen Bußcharakter versehen, was an der liturgischen Farbe violett erkenntlich ist, wenn man die Liturgie vom Bitttag feiert.

Im Dunstkreis des Aberglaubens

Mit der Aufklärung, die Ereignisse wie Blitz und Hagelschlag naturwissenschaftlich begründete, gerieten die Bittprozessionen in den Dunstkreis von Aberglauben und heidnischem Denken, das davon ausging, die drohende Gottheit durch Gebet, Flehen und Opfer besänftigen zu können.

Auch der Protestantismus lehnte die Bittprozessionen ab und belegte sie mit landesherrlichen Verboten. Die Bitttage selbst blieben jedoch erhalten, worauf auch die protestantische Bezeichnung "Rogate-Sonntag" für den Sonntag vor Christi Himmelfahrt hinweist.

Osnabrück bei Unwetter / © Friso Gentsch (dpa)
Osnabrück bei Unwetter / © Friso Gentsch ( dpa )

Im evangelischen Gottesdienstbuch gibt es heute Formulare für besondere Gottesdienste mit der Bitte um gesegnete Arbeit, um das tägliche Brot, um verantwortlichen Umgang mit Natur und Technik, zur Überwindung sozialer Spannungen, um Frieden und Schutz des Lebens.

Katholische Liturgie überlässt Gestaltung der Bitttage den Ortskirchen

Die erneuerte katholische Liturgie überlässt die Gestaltung der Bitttage den Ortskirchen. In Deutschland soll ihre Feier "den unterschiedlichen örtlichen und menschlichen Gegebenheiten entsprechen". Anstelle des Schlusssegens kann am Ende der Heiligen Messe ab dem 25. April, dem Fest des Evangelisten Markus, der Wettersegen erteilt werden. Das mittelalterliche Denken von Unwettern als Strafe für die Sünden der Menschen holt uns paradoxerweise durch wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel wieder ein.

Waren es damals noch die eigenen Verfehlungen, die vielleicht gar nicht im Zusammenhang mit Blitz- oder Hagelschlag standen, dann aber mit ihnen bestraft wurden, so besteht nach postaufklärerischer Sicht durchaus ein kausaler Zusammenhang zum Beispiel zwischen CO₂‑Ausstoß und Erderwärmung. Nur für die Auswirkungen in Form von Überschwemmungen und anderen Katastrophen müssen nicht immer diejenigen ihren Kopf hinhalten, die als ihre Verursacher gelten. So gesehen sind die Bitttage vor Christi Himmelfahrt aktueller denn je.

Das Hochfest Christi Himmelfahrt wird dann als eines der wichtigsten Feste im Kirchenjahr 40 Tage nach Ostern gefeiert und in Deutschland mit einem bundesweiten gesetzlichen Feiertag gewürdigt.

Kirchenjahr

Der Jahreskreis der christlichen Feste heißt Kirchenjahr. Es beginnt am ersten Adventssonntag und endet am letzten Sonntag vor Adventsbeginn. Die Katholiken feiern dann das Christkönigsfest, die Protestanten den Totensonntag, an dem sie der Verstorbenen gedenken.

Der Advent gilt als Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, das Fest der Geburt Jesu am 25. Dezember. Der Weihnachtsfestkreis endet am Sonntag, der auf das Dreikönigsfest vom 6. Januar folgt, mit dem Gedenken an die Taufe Jesu.

Stolen in allen liturgischen Farben lagern in den Schubladen der Domsakristei. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Stolen in allen liturgischen Farben lagern in den Schubladen der Domsakristei. / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR

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