Es ist für viele Jecken in Köln ein Moment, der mit Spannung erwartet wird: Das Kölner Dreigestirn und das Kinderdreigestirn schneiden feierlich ein Band vor der Wagenbauhalle am Kölner Maarweg durch. Ein großes Rolltor öffnet sich und da stehen sie, die Wagen des Kölner Rosenmontagszugs 2026.
Doch bevor die Masse an Vertretern aus Karneval, Kultur und Stadtgesellschaft die Persiflage- und Mottowagen in Augenschein nehmen kann, harren sie alle ehrfürchtig vor dem Prunkwagen des Zugleiters Marc Michelske aus – einer roten Lokomotive, die den Rosenmontagszug förmlich hinter sich herzieht. "Der Antrieb des Kölner Karnevals" steht in großen Lettern auf dem Wagen, die Logos der Vereine runden das Bild ab.
Segen für alle Jecken
Dort, von wo aus am kommenden Rosenmontag der Zugleiter Kamelle und Strüßjer den Menschen zuwerfen wird, stehen heute in der Wagenbauhalle der katholische Stadtdechant Robert Kleine und der evangelische Stadtsuperintendent Bernhard Seiger. Gemeinsam spenden sie den Segen. Er gilt allen Menschen, die friedlich den größten Karnevalszug in Europa feiern werden: den Teilnehmern, dem Sicherheitspersonal, Polizei und Feuerwehr und allen, die am Wegrand stehen werden.
"Es sollen gesegnete, das heißt von Gott gut begleitete, harmonische, fröhliche und vor allem unfallfreie Karnevalstage werden", hofft Stadtdechant Kleine. Auch er wird im Zug mitfahren. Bei den Altstädtern ist er der "Generalfeldhillije", der Regimentspfarrer. Beim ökumenischen Segen fällt Kleine dabei der katholischste Segensritus zu: Mit ordentlich Weihwasser segnet er schwungvoll die Menschen und vor allem Zugleiter Michelske.
Merz, die AfD-Schlange und Konrad Adenauer
Nach dem Segen begutachtet auch der Stadtdechant die Wagen. Scharfe politische Satire trifft hier auf fröhliches Feiern. Bundeskanzler Merz und Vizekanzler Klingbeil sowie die Bundeswehr-Debatte werden persifliert. Eine blaue Schlange, die die AfD symbolisiert, windet sich um den Deutschen Michel. Hypnotisierend erwürgt sie ihn.
Ein Wagen zeigt den ehemaligen Bundeskanzler und Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. 2026 wäre er 150 Jahre alt geworden. Aus dem Himmel blickt er mit Tränen in den Augen auf die verwahrloste Stadt Köln mit dem Dom im Zentrum. Mit Engelsflügeln und Heiligenschein trauert er um den desolaten Zustand der Rheinmetropole. Ein Thema, das auch den Dom- und Stadtdechanten Robert Kleine wie ein sich immer wiederholendes Mantra immer wieder beschäftigt. Bei allem Ärger kann er an Karneval aber auch mal drüber lachen.