Kölner Generalvikar Assmann zieht erstes Fazit seiner Amtszeit

"Das war manchmal ein Spagat"

Im Erzbistum Köln steht ein personeller Wechsel an. Zum 1. Juni übergibt Generalvikar Guido Assmann sein Amt an Tobias Hopmann. Er gehe mit "großer Dankbarkeit", bilanziert Assmann, spricht aber auch von "großer Kraftanstrengung".

Autor/in:
Jan Hendrik Stens
Dompropst Guido Assmann, Generalvikar des Erzbischofs von Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Dompropst Guido Assmann, Generalvikar des Erzbischofs von Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )

DOMRADIO.DE: Wenn Sie auf Ihre knapp vier Jahre als Generalvikar im Erzbistum Köln zurückblicken: Was waren für Sie in dieser Zeit die wichtigsten Schwerpunkte und welche Herausforderungen haben Sie besonders geprägt? 

Monsignore Guido Assmann (Generalvikar des Erzbistums Köln und Kölner Dompropst): Es waren vier spannende Jahre. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte und noch bis Ende Mai habe, meinen Dienst im Erzbistum Köln an der Seite des Erzbischofs auszuüben. So konnte ich viele Entwicklungen begleiten, die in den vergangenen Jahren maßgeblich vom Erzbischof vorangetrieben wurden. Das erfüllt mich zunächst mit großer Dankbarkeit. Das war eine schöne Erfahrung. 

Gleichzeitig war diese Zeit auch mit einer erheblichen Belastung verbunden. Neben meiner Aufgabe als Dompropst, für die ich ursprünglich aus der Seelsorge nach Köln gerufen wurde, habe ich zusätzlich den Dienst des Generalvikars übernommen. Das war manchmal ein Spagat. Mit den Kräften, die Gott mir geschenkt hat, habe ich versucht, beiden Aufgaben gerecht zu werden. Und das nun fast vier Jahre lang. 

DOMRADIO.DE: Erinnern wir uns an den Anfang: Das war die Zeit, als der Erzbischof aus seiner Auszeit zurückkehrte. Es war deutlich, dass ein Neuanfang nötig sein würde. Mit welchen Gefühlen sind Sie damals an diese Aufgabe herangegangen? Und haben Sie überhaupt damit gerechnet oder es in Betracht gezogen, als neuer Generalvikar berufen zu werden? 

Assmann: Ich war damals erst etwa anderthalb Jahre als Dompropst am Kölner Dom tätig. Zuvor war ich aus der Pfarrseelsorge dorthin gekommen, nachdem mich das Kapitel gewählt hatte. Am Dom mit seinen rund 170 Mitarbeitenden, den großen Herausforderungen und als einem Ort, den jährlich etwa sechs Millionen Menschen besuchen, gab es mehr als genug Aufgaben, in die ich meine ganze Kraft investieren wollte. 

Dann gab es eine Krise im Erzbistum Köln. Der Erzbischof befand sich in einer Auszeit und brachte nach seiner Rückkehr wichtige Impulse mit. Im Diözesanpastoralrat stellte er Überlegungen vor, die Verwaltung, also das Generalvikariat, moderner und zukunftsfähiger aufzustellen. 

Generalvikariat des Erzbistums Köln (DR)
Generalvikariat des Erzbistums Köln / ( DR )

Dabei ging es auch darum, Verantwortung stärker zu teilen und nicht nur bei Priestern zu belassen, sondern vermehrt Menschen mit entsprechender Ausbildung und Kompetenz einzubinden. In diesem Zusammenhang wurde ein neues Diözesangesetz entwickelt und die Struktur der Verwaltung verändert. Etwa durch die Einführung von Amtsleitungen, sodass der Generalvikar nicht mehr allein die bestimmende Rolle innehatte. 

Zugleich äußerte der Erzbischof den Wunsch, einen neuen Generalvikar an die Spitze der Verwaltung zu berufen. Als er mich schließlich anrief, zu sich einlud und mich bat, diesen Dienst zu übernehmen, kam das für mich völlig überraschend. Ich habe mich dann aber entschieden, beide Aufgaben parallel zu übernehmen.

DOMRADIO.DE: Sie haben gerade die Reformprozesse in der Verwaltung des Erzbistums angesprochen. Dieser Umstrukturierungsprozess verlief nicht ohne Auseinandersetzungen und Diskussionen, auch aus den Medien gab es Gegenwind. Was hat diese Zeit persönlich mit Ihnen gemacht?

Assmann: Wenn man Neues ausprobiert, ist es entscheidend, sich vorher gründlich Gedanken zu machen. Und ich glaube, das haben wir sehr ernsthaft getan: Was ist für die Kirche von Köln in Zukunft wichtig, was ist richtig? Gleichzeitig ist klar, dass bei Veränderungen nicht alles sofort gelingt. Neue Aufgaben wurden verteilt, Abteilungen neu zusammengesetzt, Leitungspositionen anders besetzt. Menschen, die lange zusammengearbeitet hatten, mussten sich auf neue Strukturen einstellen. Das war menschlich für viele eine Herausforderung. 

Auch das Verständnis der Rolle des Generalvikars hat sich verändert. Zusammen mit dem Dienstvorgesetzten wurde ein neues Amt geschaffen: die Einrichtung des sogenannten Amtsleiters, der den Generalvikar, so das Diözesangesetz, in den Verwaltungsaufgaben unterstützt. 

Guido Assmann

"Ich glaube, die Kirche von Köln ist mit all den engagierten Menschen auf einem guten Weg."

Das alles war eine große Kraftanstrengung. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass wir damit wichtige Voraussetzungen geschaffen haben, um die Kirche von Köln auch in der Verwaltung moderner und zukunftsfähiger aufzustellen. 

Der Erzbischof hat die Frage nach einer Vision gestellt: Wohin schickt Gott die Kirche von Köln? Was möchte Christus heute mit der Kirche von Köln für die Welt schaffen? Gemeinsam haben wir daran gearbeitet, eine geistliche Vision zu entwickeln, gewissermaßen als roten Faden. Daraus konnten pastorale Schwerpunkte entstehen: Wofür wollen wir und können wir unsere Kraft einsetzen? 

Ein weiterer wichtiger Punkt war der verantwortungsvolle Umgang mit den finanziellen Ressourcen; auch vor dem Hintergrund, dass diese künftig knapper werden. Ziel war es, die vorhandenen Mittel so einzusetzen, dass die pastoralen Schwerpunkte gestärkt werden und Menschen mit dem Glauben in Berührung kommen können. Das sind enorm wichtige Punkte. 

Wenn ich heute darauf zurückblicke, was in diesen Jahren angestoßen und entwickelt wurde und dass ich daran ein Stück mitwirken durfte, dann ist das für mich sehr bedeutend. Ich glaube, die Kirche von Köln ist mit all den engagierten Menschen auf einem guten Weg. 

DOMRADIO.DE: Ihre Amtszeit endet nun zum 1. Juni. War das für Sie genau der richtige Zeitpunkt, um zu sagen, dass Sie die Aufgabe gut in andere Hände geben können, oder wie hat sich dieser Zeitpunkt ergeben? 

Assmann: In der gesamten Zeit kam immer wieder die Frage aus dem Domkapitel auf, ob ich nicht stärker am Dom gebraucht werde, was auch sehr verständlich ist. Die Aufgabe des Dompropstes am Kölner Dom ist sehr anspruchsvoll und erfordert viel Kraft, ebenso wie der Dienst im Generalvikariat. Auch der Erzbischof hat deshalb immer wieder mit mir gesprochen und gefragt, ob diese Doppelbelastung leistbar ist und wie die Aufgaben gut organisiert werden können. 

Guido Assmann

"Der Dom braucht eine Kraft und ich stehe weiterhin zu meinem Versprechen gegenüber dem Erzbischof, meine Energie dort einzusetzen, wo er mich als Priester braucht."

Zu Beginn dieses Jahres haben wir dieses Gespräch noch einmal sehr vertrauensvoll aufgenommen. Meine Antwort war dabei stets die gleiche: Ja, der Dom braucht eine Kraft und ich stehe weiterhin zu meinem Versprechen gegenüber dem Erzbischof, meine Energie dort einzusetzen, wo er mich als Priester braucht.

Aus diesen gemeinsamen Überlegungen heraus hat der Erzbischof schließlich begonnen, nach einem geeigneten Priester zu suchen, der diese Aufgabe übernehmen kann. Dabei musste auch der richtige Zeitpunkt gefunden werden, sowohl für die betreffende Person als auch für die Kirche von Köln insgesamt. 

DOMRADIO.DE: Ihr Nachfolger ist Tobias Hopmann, derzeit Pfarrer in Euskirchen. Wenn Sie nach vorne blicken: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger und was nehmen Sie selbst aus Ihrer Zeit als Generalvikar für Ihren weiteren Weg als Dompropst mit? 

Assmann: Ich wünsche meinem Nachfolger sehr, dass er die Entwicklungen der vergangenen Jahre gut aufnehmen und gemeinsam mit dem Erzbischof weiterführen kann. Ich glaube, dass dafür bereits gute Weichen gestellt wurden. So ist etwa der Diözesanpastoralrat neu aufgestellt worden, indem mehr Menschen aus dem gläubigen Volk Gottes einbezogen wurden und eine breitere Beteiligung in vielen Gremien möglich ist. Auch die wirtschaftliche Situation des Bistums ist so geordnet, dass wir verantwortungsvoll in die Zukunft gehen können. 

Tobias Hopmann / © Kurt Steinhausen (Erzbistum Köln)

Mit der pastoralen Schwerpunktsetzung wurden klare Linien für die kommenden Jahre entwickelt und durch die Bildung von Pastoralen Einheiten ist auch für die pfarrliche Seelsorge eine gewisse Stabilität entstanden. Ich hoffe sehr, dass mein Nachfolger seine Erfahrungen aus der Pfarrseelsorge der letzten Jahre in die Arbeit im Generalvikariat einbringen kann. Denn Verwaltung ist kein Selbstzweck: Sie dient der Kirche von Köln und damit den Pfarreien, den Gremien und den Verbänden. Wenn dieser dienende Blick erhalten bleibt und weitergetragen wird, bin ich überzeugt, dass vieles gut gelingen kann. 

Das Interview führte Jan Hendrik Stens.

Generalvikar

Ein Generalvikar gilt als wichtigster Mitarbeiter des Bischofs an der Spitze einer Diözese und als dessen "alter ego". Ihm fällt vor allem die Verwaltung zu. Darin ist er mit dem Manager eines Unternehmens vergleichbar. Laut Kirchenrecht besitzt er die Gewalt, "die der Diözesanbischof von Rechts wegen hat, um alle Verwaltungsakte erlassen zu können".

Das Generalvikariat ist zentrale Verwaltungsbehörde eines Bistums. Mancherorts heißt sie Ordinariat. Sie gewährleistet das Funktionieren von Seelsorge, Sozialdiensten und Bildungseinrichtungen.

Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht (KNA)
Akten in einem Archiv / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
DR

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