Dompropst Assmann erklärt Weg zum Glauben durch Begegnung mit Christus

"Zweifel gehört zum Leben"

Der sogenannte "ungläubige Thomas" steht im Mittelpunkt des Weißen Sonntags. Im Kölner Dom hat Dompropst Guido Assmann erklärt, warum Zweifel nicht gegen den Glauben spricht und wie Menschen durch Begegnung zum Glauben finden können.

Dompropst Guido Assmann, Generalvikar des Erzbischofs von Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Dompropst Guido Assmann, Generalvikar des Erzbischofs von Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )

DOMRADIO.DE hat am zweiten Sonntag der Osterzeit das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Dompropst Guido Assmann übertragen. Den Kantorendienst im Gottesdienst übernahm Domkapellmeister Alexander Niehues. Die Orgel spielte Matthias Wand.

Dompropst Guido Assmann stellte zu Beginn seiner Predigt fest, dass Zweifel zum Leben gehöre. Es sei notwendig, nicht alles ungeprüft für wahr zu halten. Gerade in einer Zeit mit unterschiedlichen Informationen brauche es einen "gesunden Zweifel". Anhand eines Beispiels erklärte er, dass Vertrauen aus Erfahrung wachse: Ein Kind springe nur dann von einer Mauer, wenn es darauf vertrauen könne, aufgefangen zu werden.

Vor diesem Hintergrund deutete Assmann das Evangelium vom Apostel Thomas. Die Bezeichnung "der ungläubige Thomas" sei dabei nicht ganz treffend. Thomas sei beim ersten Erscheinen Jesu nicht anwesend gewesen. Die anderen Jünger hätten selbst Zeit gebraucht, um zu begreifen, was geschehen war. Auch sie hätten die Begegnung mit dem Auferstandenen erst nach und nach verstanden.

Thomas fordere keine bloße Sichtbarkeit, sondern die Gewissheit, dass der Auferstandene derselbe sei, der gekreuzigt wurde. Er wolle die Wundmale sehen und berühren. Acht Tage später erscheine Christus erneut in der Mitte der Jünger. Thomas begegne ihm und bekenne: "Mein Herr und mein Gott." Sein Zweifel führe zum Glauben, weil er Christus begegne.

Zugang zum Glauben über andere Gläubige

Assmann betonte, dass diese Erfahrung nicht auf die Zeit der Apostel beschränkt sei. Auch heute könnten Menschen Christus begegnen, etwa im Wort Gottes, in der Eucharistie und in den Sakramenten. Zugleich stellte er fest, dass viele Menschen den Zugang zum Glauben zunächst über andere Gläubige finden. Das Zeugnis von Christen, die ihren Glauben leben, sei oft der erste Kontakt mit Kirche und Glauben.

Er verwies darauf, dass die Kirche aus dem Zeugnis der Apostel gewachsen sei. Diese hätten von ihrer Begegnung mit Christus berichtet und so andere zum Glauben geführt. Diese Aufgabe gelte auch heute. Christen seien gerufen, ihren Glauben im Alltag sichtbar zu machen und zu erklären, warum sie sich für andere einsetzen und Verantwortung übernehmen.

Zweifel im Glauben ist kein Ausnahme

Zugleich rief Assmann dazu auf, Menschen mit Zweifeln ernst zu nehmen. Zweifel im Glauben seien keine Ausnahme. Viele Menschen wollten glauben, fänden aber aufgrund ihrer Erfahrungen keinen Zugang. Hier brauche es Begleitung und Gemeinschaft.

Der Dompropst beschrieb die Kirche als Gemeinschaft, in der Menschen einander im Glauben unterstützen. Diese Gemeinschaft zeige sich in Familien, Gruppen und Vereinen ebenso wie in der Versammlung der Gläubigen im Gottesdienst. Entscheidend sei, dass Christen einander tragen und gemeinsam Zeugnis geben.

Zum Abschluss betonte Assmann, dass der Glaube ein Geschenk sei. Niemand solle sich deshalb über andere erheben. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam auf dem Weg zu bleiben, Zweifel zu teilen und Christus zu begegnen. In dieser Begegnung könne sich Zweifel wie bei Thomas in ein Bekenntnis verwandeln.

Österliche Lieder und Gesänge

In der Liturgie erklingen österliche Lieder und Gesänge, darunter die gregorianische Antiphon "Vidi aquam" zum Taufgedächtnis, ein Gloria aus Taizé als Responsorialgesang und das Apostolische Glaubensbekenntnis in einer Vertonung von Karl Norbert Schmid.

Papst Johannes Paul II. vor der Kathedrale in Mexico City am 26. Januar 1979 bei einer Reise nach Mexiko. / © KNA-Bild (KNA)
Papst Johannes Paul II. vor der Kathedrale in Mexico City am 26. Januar 1979 bei einer Reise nach Mexiko. / © KNA-Bild ( KNA )

Papst Johannes Paul II. hat im Jahr 2000 den zweiten Sonntag der Osterzeit zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit bestimmt. Er will die Barmherzigkeit Gottes als zentralen Aspekt der göttlichen Liebe zu uns Menschen stärker bewusst machen. Die Nähe zum Osterfest verdeutlicht, dass Gott allen Menschen Anteil geben will an der Erlösung durch Jesus Christus. Wenn Gott nur gerecht wäre, wer könnte dann vor ihm bestehen? Doch Gott, so sagt es die Bibel, ist barmherzig. Die barmherzige Liebe Gottes erst ist es, die uns hoffen lässt, dass Gott uns immer wieder einen Neuanfang schenken will, wenn wir selbst dazu bereit sind. Schon im Alten Bund (z. B. Ps 103,8; Ez 33,11; Hos 6,6) wird die Barmherzigkeit Gottes betont. Im Neuen Bund bezeugt Jesus in Wort und Tat diese barmherzige Liebe des Vaters. Bei Lukas heißt es z. B.: "Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns besucht das aufstrahlende Licht aus der Höhe" (Lk 1,78; vgl. Lk 1,50;15,1ff.). Diese Liebe anzunehmen und daraus zu leben, ist das eine; sie durch unser eigenes Handeln sichtbar zu machen, ist das andere.

Der Weiße Sonntag erinnert an den Brauch der frühen Kirche, dass die in der Osternacht Getauften eine Woche lang ihre weißen Taufkleider trugen. Die Osteroktav diente dazu, sie tiefer in die Heilsgeheimnisse der Sakramente einzuführen. Diese Weiße Woche, in der die Neugetauften im Mittelpunkt standen, erinnerte die Gemeinde so zugleich an die eigene Taufe und gab ihr Gelegenheit, sich auf das eigene Christsein zu besinnen. Die gemeinsame Erstkommunionfeier, wie wir sie heute vielerorts am Weißen Sonntag kennen, bildete sich im 18. Jahrhundert heraus.

Evangelium vom zweiten Sonntag der Osterzeit: Johannes 20,19-31

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen.

Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei.

Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Auslegung zum Sonntagsevangelium von Eugen Biser

Wir möchten [wie Thomas, Anm. d. Red.] Gewissheit, dass die Auferstehung tatsächlich geschehen ist, und wir möchten uns davon aus eigenem Augenschein überzeugen. Dieses Verlangen droht heute beinahe zur Ausnahme zu werden, nachdem ein Drittel der Christen beider Konfessionen demoskopischen Erhebungen zufolge im Begriff stehen, den Auferstehungsglauben mit der asiatischen Reinkarnationsvorstellung zu vertauschen. Vor nicht zu langer Zeit wurde der Auferstehungsglaube auf einer norddeutschen Synode sogar als "nicht konsensfähig" bezeichnet. Wenn das am grünen Holz geschieht, ist tatsächlich alles daran gelegen, dass wir uns der Auferstehung Jesu mit dem Aufgebot unserer ganzen Kraft vergewissern. Denn die angesprochenen Alarmzeichen sind ja nur die Folgen der Aufklärung, die in einem ihrer Initiatoren, dem Orientalisten Hermann Samuel Reimarus, das Christentum an seiner Wurzel angriff, als dieser in seiner Streitschrift "Vom Zwecke Jesu und seiner Jünger" die Auferstehung als einen Jüngerbetrug auszugeben suchte. Damit verschwand die Auferstehung nicht nur aus dem allgemeinen Sprachgebrauch; vielmehr wurde sie geradezu als denkunmöglich empfunden.

In dieser Frage führte der wohl größte Dichter der Romantik, Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, den entscheidenden Wandel herbei, als er durch seine Hymnen an die Nacht den Begriff Auferstehung wieder in den deutschen Sprachraum zurück holte. Davon spricht, fast bekenntnishaft, seine Strophe:

Ich sag es jedem, dass er lebt
Und auferstanden ist,
Dass er in unsrer Mitte schwebt
Und ewig bei uns ist.

Aber war die Auferstehung damit auch wieder denkbar gewor den? Darüber kann nur eine Rückbesinnung auf den Kern dieses Glaubensartikels Aufschluss geben. Er besagt, auf diesen Kern zurückgeführt, dass Gott in das bitterste aller Weltgesetze, nämlich in das der universalen Todverfallenheit, eingegriffen und dieses Gesetz durch die Auferweckung seines gekreuzigten Sohnes durchbrochen und außer Kraft gesetzt hat, sodass wir fortan alle samt unsere eigene Auferstehung erhoffen dürfen. Aber können wir etwas Derartiges denken? Gibt es vergleichbare Eingriffe Gottes in das Weltgeschehen?

Hier zeigt sich die tiefe Verwurzelung unseres Glaubens in der jüdischen Glaubenswelt. Denn sie lebt von der Überzeugung, dass die Befreiung Israels aus dem "Sklavenhaus Ägypten", der das Gottesvolk seine religiöse und nationale Identität verdankt, auf einen göttlichen Eingriff in die Geschichte zurückzuführen ist. Unwillkürlich fragen wir uns: Gibt es in unserer Weltzeit etwas damit Vergleichbares? Denn unter dieser Voraussetzung würde ein Ereignis wie die Auferstehung Jesu für uns nicht nur sagbar, sondern auch denkbar.

Unter diesem Gesichtspunkt springt uns die schon halb vergessene Wende von 1989 in die Augen und mit ihr ein Ereignis, das von keinem Politiker und Historiker vorausgeahnt wurde und trotzdem, ganz unerwartet, die lange und mit schwindender Hoffnung ersehnte Befreiung der Ostgebiete von terroristischer Unterdrückung, Deutschland die Wiedervereinigung und der Welt das Ende des alle Verhältnisse lähmenden Ost-West-Konflikts brachte: ein Ereignis, das selbst die Französische Revolution an Bedeutung weit überstrahlt.

Aber im Unterschied zur Französischen und jeder vorangehenden Revolution gab es in diesem Fall keine Führer, kein Programm und vor allen Dingen kein Blutvergießen, sodass sich der Begriff der „sanften Revolution“ eingebürgert hat. Wer diesen Begriff ernst nimmt, muss zugestehen, dass es für dieses Befreiungsereignis von 1989 zwar eine Reihe von Symptomen gab, die darauf hingewiesen haben, nicht zuletzt die Demonstrationen und die Friedensgebete, die in vielen evangelischen Kirchen gehalten worden sind. Aber das Ereignis selbst überstieg alles, was an Kausalitäten aufgeführt und in Betracht gezogen werden kann. Wer dieses Geschehen nicht unerklärt stehen lassen will, sieht sich gezwungen, ähnlich wie beim Auszug Israels aus Ägypten, tatsächlich an ein Eingreifen Gottes in unsere Weltgeschichte zu denken.

Wer so denkt, ist kein Phantast, sondern ein Realist. Er weigert sich, angesichts dieses größten historischen Ereignisses unserer Zeit zu einem Kausalitätsverzicht Zuflucht zu nehmen, und er fasst stattdessen in Erinnerung an den Anfang der jüdischen Ge schichte den Gedanken an einen göttlichen Eingriff in unsere Zeit- und Weltgeschichte. Das bedeutet für unseren Osterglauben, dass etwas Derartiges tatsächlich wieder denkbar geworden ist. Sagbar durch die Dichtung des Novalis, denkbar durch das Ereignis des großen historischen Umbruchs in unserer Zeit. So sind wir denn gerüstet, an dieses größte Geheimnis unseres Glaubens ganz anders heranzutreten, als es früheren Generationen möglich war.

Eugen Biser (dt. Theologe, 1918–2014), aus: Ders., Gott für uns. Predigten zum Lesejahr A, Düsseldorf 1995, 64–66, © Eugen-Biser-Stiftung, München

Quelle: Magnificat - Das Stundenbuch

Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit / Weißer Sonntag

Papst Johannes Paul II. hat im Jahr 2000 den zweiten Sonntag der Osterzeit zum Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit bestimmt. Er will die Barmherzigkeit Gottes als zentralen Aspekt der göttlichen Liebe zu uns Menschen stärker bewusst machen. Die Nähe zum Osterfest verdeutlicht, dass Gott allen Menschen Anteil geben will an der Erlösung durch Jesus Christus. Wenn Gott nur gerecht wäre, wer könnte dann vor ihm bestehen? Doch Gott, so sagt es die Bibel, ist barmherzig.

Papst Franziskus inzensiert am "Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit" auf dem Petersplatz eine Darstellung des barmherzigen Jesus / © Paolo Galosi (KNA)
Papst Franziskus inzensiert am "Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit" auf dem Petersplatz eine Darstellung des barmherzigen Jesus / © Paolo Galosi ( KNA )

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