Kirchliches Filmfestival will Demokratieverständnis stärken

"Demokratie-Fitness" im Kinosaal?

Was hat "Demokratie-Fitness" auf einem kirchlichen Filmfestival zu suchen? Das Konzept stammt aus Dänemark und möchte Kompetenzen fördern, die in der Demokratie wichtig sind. Isabell Paul erklärt, wie man den Meinungsmuskel trainiert.

Autor/in:
Oliver Kelch
Symbolbild Diskussion / © Gorgev (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Sie haben "Demokratie-Fitness" auf dem Kirchlichen Filmfestival in Recklinghausen angeboten. Was kann man sich darunter vorstellen? 

Isabelle Paul (Politikwissenschaftlerin): "Demokratie-Fitness" ist ein Demokratievermittlungsformat aus Dänemark. Dabei geht es darum, innerhalb von 30 Minuten einen Demokratiemuskel zu trainieren. Das kann man sich wie im Fitnessstudio vorstellen. Da gehen wir hin, um verschiedene Muskeln zu trainieren. So ist das in der Demokratie auch. 

Zu den verschiedenen Muskeln der Demokratie gehören etwa Streiten, aktives Zuhören oder mutig und neugierig sein. All das sind demokratische Fähigkeiten, die wir als Gesellschaft und als Individuum immer wieder trainieren müssen.

DOMRADIO.DE: Können Sie das an einem Beispiel erklären? Was kann denn zum Beispiel der Arm tun? 

Paul: Der Arm tut in dem Sinne gar nichts. Er ist nur eine Metapher. Beispielsweise kann er für den Meinungsmuskel stehen. Es kommt eine Gruppe von Menschen zusammen, die sich kennen oder auch nicht. Hier bei dem Filmfestival zum Beispiel kennen sich die Leute nicht. 

Die "Demokratie-Fitness"-Trainerin begleitet die 30 Minuten durch das Training. Wie bei einem Training im echten Fitnessstudio machen wir uns erst mal warm, damit die Hemmungen fallen. Als Nächstes lernt man Menschen mit anderen Meinungen kennen und überlegt, woher meine Meinung eigentlich kommt. 

Dann beginnt der Austausch mit Leuten, deren Meinungen aus einem ganz anderen Spektrum kommen. Da gibt es emotionsbasierte Meinungen oder faktenbasierte Meinungen. Mit dem Austausch wollen wir diese Fähigkeit, eine Meinung zu entwickeln, schulen und formen. 

DOMRADIO.DE: Die Idee stammt aus Dänemark. Wieso sind die Dänen immer so fortschrittlich?

Paul: Das kann ich natürlich nicht abschließend beantworten. Ich glaube, das liegt an dem Innovationsgeist und der Einstellung der skandinavischen Länder. Die wissen, dass Demokratie kein System ist, sondern eine Lebensform, und jede einzelne Person muss einen Beitrag dazu leisten, damit sie resilient und stark bleibt. 

Der Ansatz war klar: Wir brauchen etwas Kurzes, das Spaß macht und lustig ist. Ich finde, die haben eine ganz einfache Lösung gefunden, bei der jeder mit einem Aha-Moment nach Hause geht.

DOMRADIO.DE: Kann man dieses Training auch im Alltag zwischendurch einschieben? In der Mittagspause zum Beispiel? 

Paul: Leider geht das nicht. Es muss immer in der Gruppe trainiert werden und am besten auch vor Ort. Wir haben festgestellt, dass es auch online nicht gut funktioniert. Es ist entscheidend, dass man den Menschen, mit denen wir reden, ins Gesicht schauen kann. Es ist wie im echten Leben – Demokratie findet da statt, wo Leute sich treffen.

Das Interview führte Oliver Kelch.

Quelle:
DR

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