Mit einem starken Plädoyer für Empathie, Hoffnung und gelebte Inklusion ist das 16. Kirchliche Filmfestival Recklinghausen am Mittwochabend eröffnet worden. Vor vollem Haus begrüßte Michael M. Kleinschmidt, der gemeinsam mit Horst Walther die künstlerische Leitung des Festivals bildet, die Gäste und betonte, dass das Festival seit jeher von persönlichen Begegnungen lebe – mit Filmschaffenden, Künstler:innen und Menschen, die Geschichten auf die Leinwand bringen. Das diesjährige Motto "Sichtbar machen" ziehe sich wie ein roter Faden durch das Programm.
Der Eröffnungsfilm "Als wäre es leicht" wurde in einer barrierefreien Version gezeigt – mit Untertiteln und Audiodeskription. Der Spielfilm erzählt die zarte und zugleich komplexe Liebesgeschichte zwischen der gehörlosen Kathi (Cindy Klink) und dem blinden Florian (David Knors). Behutsam lotet der Film aus, was "normal" bedeutet, wie Kommunikation gelingen kann und wie viel Mut es braucht, sich auf einen anderen Menschen einzulassen.
Im anschließenden Filmgespräch berichteten die gehörlose Schauspielerin Cindy Klink und der sehbehinderte Schauspieler David Knors von ihrer Arbeit. "Der Film ist davon geprägt, Klischees zu vermeiden und stattdessen echte Lebensrealität abzubilden", sagte Knors. Klink ergänzte: "Normalität ist eine persönliche Erfahrung. Alle Menschen sind verschieden." Für sie sei ihr Leben als gehörlose Person genauso selbstverständlich wie das eines Hörenden. "Hören bedeutet nicht automatisch Verstehen", betonte sie. Viele Barrieren entstünden erst durch gesellschaftliche Erwartungen.
Superintendentin Saskia Karpenstein lobte in ihrem Grußwort das Festival für seinen Ansatz, "die Wirklichkeit zu zeigen – aber auf eine Weise, die anders ist als das, was uns sonst begegnet". Der Eröffnungsfilm sei ein "eindrückliches Beispiel", weil er zentrale Fragen nach Liebe, Identität und menschlicher Würde aufwerfe. Kreisdechant Karl Kemper erinnerte daran, wie wichtig "unbequeme Filme" gerade in "unbequemen Zeiten" seien: "Sie können irritieren, berühren und gleichzeitig Hoffnung sichtbar machen." Bürgermeister Axel Tschersich würdigte das Festival als "Aushängeschild einer lebendigen Stadtgesellschaft" und unterstrich, wie bedeutend ein kultureller Ort sei, der "unterschiedliche Perspektiven sichtbar macht und zum Dialog einlädt".
Ein Festival, das bewegt
Am Eröffnungsabend wurde deutlich, was das Kirchliche Filmfestival seit 16 Jahren auszeichnet: ein offener Blick auf die Welt, Begegnungen zwischen Menschen und der Wille, gesellschaftliche Themen nicht abstrakt, sondern persönlich und berührend zu erzählen. Die kommenden Festivaltage versprechen weitere Filme, die "irritieren, trösten, herausfordern und bewegen" - und damit genau das tun, "was gutes Kino ausmacht".