Kirchenstreit in Äthiopien eskaliert

Mehrere Tote

Bei einem Angriff auf eine Kirche im Süden Äthiopiens am Wochenende sind örtlichen Berichten zufolge zwei Menschen gestorben; einige Quellen sprechen von drei Toten. Grund dürfte ein Streit innerhalb Äthiopiens größter Konfession sein.

Kreuz auf einer äthiopischen Kirche (Symbolbild) / © Jörn Neumann (DBK)
Kreuz auf einer äthiopischen Kirche (Symbolbild) / © Jörn Neumann ( DBK )

Bei den Angreifern soll es sich nach Angaben der orthodoxen Tewahedo-Kirche um regionale Sicherheitskräfte gehandelt haben.

Durch die orthodoxe Kirche, der mehr als 40 Prozent der Äthiopier angehören, zieht sich ein Riss, nachdem sich mehrere abtrünnige Kirchenführer in der Provinz Oromia von der Mutterkirche abgespalten haben. Die Heilige Synode als offizielle Vertretung erklärte die Gruppe für "illegal".

Gegen Spaltung demonstrieren

Die Gläubigen rief sie auf, ab Montag drei Tage lang Schwarz zu tragen, um gegen die Spaltung zu demonstrieren. Zudem beschuldigt sie die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed, die Abtrünnigen indirekt zu unterstützen.

Weiteren Berichten zufolge rief die Kirchengruppe in Oromia inzwischen eine eigene Synode aus und ernannte mehrere Bischöfe. Der ökumenische Weltkirchenrat (ÖRK) äußerte am Wochenende sein "Bedauern" über die Entwicklung. "Wir rufen Äthiopiens politische Führer auf, die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche in ihrem Bestreben zu unterstützen, Einigkeit und Frieden unter ihren Mitgliedern zu schaffen", sagte ÖRK-Generalsekretär Jerry Pillay.

Äthiopien - Armenhaus am Horn von Afrika

Äthiopien ist mit rund 100 Millionen Einwohnern nach Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Trotz eines hohen Wirtschaftswachstums (2015: 10,2 Prozent) lebt fast jeder dritte Äthiopier in extremer Armut. Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt im Schnitt bei 590 US-Dollar. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren gilt als untergewichtig.

Dieses Jahr erlebte das Land die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten, Millionen hungerten. Zuletzt kam es zu Unruhen mit Dutzenden Toten und der Ausnahmezustand wurde verhängt.

Bischofskonferenz: Reise nach Äthiopien / © Jörn Neumann (DBK)
Bischofskonferenz: Reise nach Äthiopien / © Jörn Neumann ( DBK )
Quelle:
KNA