Kirchenoberhäupter senden Videobotschaften an Südsudanesen

"Hoffnung auf ein möglichst baldiges Treffen"

Papst Franziskus, der anglikanische Primas Erzbischof Justin Welby von Canterbury und der Moderator der presbyterianischen Kirche Schottlands, Iain Greenshields, haben sich in Videobotschaften an die Menschen im Südsudan gewandt.

Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Ursprünglich wollten sie gemeinsam vom 5. bis 7. Juli in das frühere Bürgerkriegsland reisen - der Besuch war jedoch aufgrund von Gesundheitsproblemen des Papstes ohne Nennung eines neuen Termins verschoben worden.

Bedauern über verschobene Reise

Die Kirchenführer bedauerten die Verschiebung der Reise. "Aber wir sollten den Glauben nicht verlieren und die Hoffnung auf ein möglichst baldiges Treffen nähren", betonte Franziskus am Samstag in seiner Videobotschaft. Er trage die Menschen im Südsudan gerade in diesen Wochen mehr denn je in seinem Herzen, so Franziskus weiter. Er denke an den "Schrei nach Frieden" der Südsudanesen, die "erschöpft von Gewalt und Armut, auf konkrete Schritte im Prozess der nationalen Versöhnung warten".

Auch Welby zeigte sich betrübt über die Absage der "Friedenspilgerreise". Er bete für die Genesung des Papstes und dafür, dass der Besuch im Südsudan bald nachgeholt werden könne. Das Land und die Menschen seien "in meinem Herzen und in meinen täglichen Gebeten", so Welby. Er wisse, wie sehr die Bevölkerung gelitten habe und weiterhin leide. "Ich sehe die Überschwemmungen, die eure Häuser bedrohen; ich sehe die Hungersnot, die jeden Tag zu einem Kampf macht; und ich sehe die Gewalt, die so vieles überschattet." Er bete dafür, dass sich die Führer im Südsudan an ihre Zusagen erinnerten, zum Wohl aller Südsudanesen zusammenzuarbeiten.

Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury / © Paul Haring (KNA)
Justin Welby, anglikanischer Erzbischof von Canterbury / © Paul Haring ( KNA )

Der Moderator der presbyterianischen Kirche Schottlands, Iain Greenshields, äußerte ebenfalls sein Bedauern. Zugleich betonte er, er freue sich auf einen Nachholtermin für die Reise. "Wir möchten, dass Sie wissen, dass wir in diesen schwierigen Zeiten, die Sie durchleben müssen, in Gedanken und Gebeten bei Ihnen sind. Wir hoffen, dass wir kommen und Ihnen auf irgendeine Weise dienen und helfen können."

Vorgeschichte

2019 hatten Franziskus und Welby den südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir Mayardit und dessen Ex-Rivalen Riek Machar Kiir zu sogenannten Besinnungstagen in den Vatikan eingeladen. An der Initiative war auch der frühere Moderator der presbyterianischen Kirchen Schottlands, John Chalmers, beteiligt. In einer spektakulären Geste beim Abschluss des Treffens kniete der Papst vor den Politikern nieder und küsste ihnen die Füße, um sie zum Friedensschluss für ihr Volk aufzufordern. In dem Zusammenhang entstanden die gemeinsamen Reisepläne.

Kurz nachdem der Südsudan 2011 die staatliche Unabhängigkeit vom Sudan erlangt hatte, war 2013 ein Bürgerkrieg zwischen Präsident Kiir und seinem ehemaligen Vize Machar ausgebrochen; rund 400.000 Südsudanesen starben. Heute gilt der Bürgerkrieg als beendet, doch Zusammenstöße zwischen verfeindeten Volksgruppen schüren weiter Gewalt.

Kardinalstaatssekretär auf Reisen

Derzeit hält sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in der Demokratischen Republik Kongo auf. Im Auftrag von Papst Franziskus wird er danach auch den Südsudan besuchen. Der "zweite Mann" im Vatikan solle so Franziskus' "Verbundenheit mit dem kongolesischen und südsudanesischen Volk" zeigen.

Hintergrund: Papst Franziskus und seine Knieprobleme

Franziskus relativiert die Aussicht auf eine schnelle Besserung seiner starken Kniebeschwerden. "Das Knie will einfach nicht heilen", sagte der 85-Jährige am bei einer Generalaudienz Ende April. Er entschuldigte sich bei den Teilnehmern, dass er sie wegen der Beschwerden nur im Sitzen verabschieden könne. "Ich kann nicht lange stehen."

Papst Franziskus wird gestützt als er zur Feier der katholischen Ostermesse auf dem Petersplatz im Vatikan eintrifft / © Alessandra Tarantino/AP (dpa)
Papst Franziskus wird gestützt als er zur Feier der katholischen Ostermesse auf dem Petersplatz im Vatikan eintrifft / © Alessandra Tarantino/AP ( dpa )
Autor/in:
Inga Kilian
Quelle:
KNA