Kirchenhistoriker erhebt Vorwürfe gegen Kurs in Heiligenkreuz

"Sehr deutliche Kritikpunkte"

Laut einem Wiener Kirchenhistoriker wurden unter dem derzeitigen Abt von Heiligenkreuz ungeeignete Kandidaten in das Kloster aufgenommen. Darunter sollen auch solche gewesen sein, die andernorts vom Ordensleben ausgeschlossen wurden.

Heiligenkreuz / © Botond Horvath (shutterstock)

Der Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber sieht ein Problem in der Zusammensetzung der Klostergemeinschaft von Heiligenkreuz. In einem Interview nach Abschluss der Visitation in der Abtei bei Wien sprach der Theologe von erkennbaren Problemen hinter einer zunächst positiven Darstellung des Visitationsverlaufs.

Klieber sagte am Samstag im ORF, die Mitteilung des Klosters zum Visitationsende vermittle zunächst "den Eindruck einer sehr wohlwollenden Evaluierung dieses Stiftes". Bei genauerem Hinsehen zeigten sich jedoch "sehr deutliche Kritikpunkte".

Aufnahmepraxis des Klosters

Im Zentrum steht laut Klieber die bisherige Aufnahme- und Entwicklungspraxis im Kloster. So habe man "bislang vielleicht allzu sehr auf Quantität denn auf Qualität geschaut", was Probleme mit sich bringe. In diesem Zusammenhang sei man "vielleicht allzu großzügig und unkritisch" bei der Aufnahme von Traditionalisten aus verschiedenen Ländern gewesen. Dadurch sei ein großer Konvent entstanden, in dem sich auch Personen befänden, "die man anderswo aus guten Gründen von einem geistlichen Weg ausgeschlossen hat".

Der Vatikan verlange daher nun Konsequenzen. Neben einer klareren strategischen Ausrichtung geht es auch um strengere Maßstäbe bei der Auswahl und Ausbildung junger Ordensmitglieder. Das Stift müsse mehr leisten als nur "schöne Gottesdienste zu feiern".

Führungsproblem in Abtei?

Mit Blick auf die Leitung durch Abt Maximilian Heim sagte Klieber, wenn ein Evaluationsteam feststelle, "dass meine Kommunikation verfehlt war, dass ich in der Auswahl des Nachwuchses zu großzügig war oder dass ich kein Konzept für die Zukunft habe", müsse man überlegen, "ob man diesen Prozess nicht in andere Hände legen müsste".

Die Visitation in dem Zisterzienserkloster war laut Vatikan nach Hinweisen auf strukturelle Probleme angeordnet worden. In den vergangenen Monaten fanden Gespräche mit 90 Mönchen und externen Personen statt. Weitere Gespräche der Visitatoren im Kloster sind laut ORF-Bericht für August geplant.

Zisterzienserkloster Heiligenkreuz

Zisterzienserkloster Heiligenkreuz im Wienerwald / © DB Christian Fürst (dpa)
Zisterzienserkloster Heiligenkreuz im Wienerwald / © DB Christian Fürst ( dpa )

Die Zisterzienserabtei Heiligenkreuz wurde 1133 durch den heiligen Markgrafen Leopold III. aus dem Geschlecht der Babenberger gegründet. Die Zisterzienser waren damals eine neue, erst 1098 entstandene Reformbewegung der Benediktiner, und hatten großen Zulauf an Berufungen aus allen Schichten der Bevölkerung. 

Quelle:
KNA