Kirchen und Verbände appellieren am Weltfrauentag

Gegen Fremdbestimmung und Gewalt

Zum Internationalen Frauentag am Sonntag bringen Kirchen, Verbände und Menschenrechtsorganisationen viele Missstände in den Fokus: Sexualstraftaten, Menschenhandel, fehlende Gesundheit, weniger Sichtbarkeit. Was fordern sie?

Frauen demonstrieren für Gleichberechtigung / © David MG (shutterstock)
Frauen demonstrieren für Gleichberechtigung / © David MG ( shutterstock )

Jede zweite Frau weltweit kann einer Analyse zufolge nicht selbstbestimmt über ihren Körper verfügen. Betroffene können weder über gesundheitliche Versorgung noch über Verhütung entscheiden, wie die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung am Freitag in Hannover mitteilte. Andere Organisationen weisen darauf hin, dass Millionen Frauen auf der Flucht seien vor Krieg, Gewalt und Verfolgung. Anlass ist der Internationale Frauentag am Sonntag. Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) will am Wochenende nach New York reisen, um bei einer Veranstaltung der UN-Frauenrechtskommission zu sprechen. 

Symbolbild: Weltfrauentag / © PhotoSGH (KNA)
Symbolbild: Weltfrauentag / © PhotoSGH ( KNA )

Die Vorständin für Stiftungs-Programme bei der Stiftung Weltbevölkerung, Angela Bähr, erklärte: "In zahlreichen Ländern brauchen Frauen noch die Zustimmung des Ehemanns oder der Eltern, wenn sie zum Arzt gehen oder verhüten wollen." Eine aktuelle Analyse des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zeige, dass Frauen weltweit nur über rund zwei Drittel der persönlichen Rechte verfügten, die Männern zustünden. Fast ein Drittel der Frauen erlebe körperliche oder sexuelle Gewalt.

Krisen und die US-Regierung

Neben strafrechtlicher Verfolgung sei auch die Vorbeugung sexueller Gewalt wichtig. Fortschritte in diesen Bereichen würden jedoch von ultrakonservativen Bewegungen bekämpft, hieß es. Diese würden etwa durch den aktuellen Kurs der US-Regierung bestärkt. Ein Beispiel sei die Entscheidung von Präsident Donald Trump, Hilfsgelder für Organisationen zu streichen, die sich für einschlägige Belange einsetzten.

Symbolbild Eine Frau auf der Flucht in einer Flüchtlingsunterkunft / © Alexandros Michailidis (shutterstock)
Symbolbild Eine Frau auf der Flucht in einer Flüchtlingsunterkunft / © Alexandros Michailidis ( shutterstock )

Die UNO-Flüchtlingshilfe machte darauf aufmerksam, dass Frauen auf der Flucht häufig sexualisierter Gewalt, Ausbeutung und fehlendem Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung ausgesetzt seien. Die Flüchtlingshilfe unterstütze mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk weltweit Projekte, die Frauen und Mädchen förderten.

Risiko autoritäre Regierungen

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, erklärte: "Wo Regierungen autoritärer werden, verschärfen sich zuerst die Angriffe auf die Rechte von Frauen und marginalisierten Gruppen. Dahinter steckt System." Dies sei oft ein "Testballon" dafür, die Rechte aller Menschen einzuschränken.

Die Organisation Samaritan's Purse Deutschland teilte mit, dass nach UN-Angaben sexuelle Ausbeutung zu über 90 Prozent Frauen und Mädchen betreffe. "Deutschland ist nicht unschuldig am weltweiten Menschenhandel", sagte Vorstandsmitglied Sylke Busenbender. "Die hiesigen Prostitutionsgesetze haben Deutschland zu einem der größten Märkte für sexuelle Ausbeutung gemacht." 

Dirk Bingener / © Julia Steinbrecht (KNA)
Dirk Bingener / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das Hilfswerk missio Aachen fordert mehr Aufmerksamkeit in der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik für eine doppelte Diskriminierung: Besonders Mädchen und Frauen im globalen Süden, die religiösen Minderheiten angehören, litten oft unter Benachteiligungen und Gewalt. "Dieses Problem erfordert einen integrativen Ansatz, der Frauenrechte, Minderheitenschutz und Religionsfreiheit miteinander verbindet", betonte missio-Präsident Dirk Bingener.

Gesundheit von Frauen

Der Katholische Deutsche Frauenbund lenkte den Blick auf die Gesundheit von Frauen. Diese müsse stärker in den Mittelpunkt von Politik, Forschung und medizinischer Versorgung gestellt werden. Trotz Fortschritten bestünden weiterhin erhebliche Wissenslücken in der Medizin, da Forschung und Behandlung über Jahrzehnte überwiegend am männlichen Durchschnittskörper ausgerichtet gewesen seien.

Der Mensch stehe im Gesundheitssystem nicht im Vordergrund, kritisiert das Ärzte-Paar / © Claudio Furlan (dpa)
Der Mensch stehe im Gesundheitssystem nicht im Vordergrund, kritisiert das Ärzte-Paar / © Claudio Furlan ( dpa )
Symbolbild: Krankenhaus und medizinische Forschung

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) erklärte, dass in Kultur und Medien noch immer weniger Werke von Frauen ausgestellt, veröffentlicht und aufgeführt würden. "Deshalb ist es so wichtig, Frauen in Kultur und Medien mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und gemeinsam an der Beseitigung bestehender Ungleichheiten zu arbeiten." 

Weimer verwies auf eine Verlängerung des aus seinem Hause geförderten und vom Deutschen Kulturrat organisierten Mentoring-Programms für hoch qualifizierte Künstlerinnen und weibliche Kreative.

Malteser setzen ganzjährig auf Frauenförderung

Zum Internationalen Frauentag zeigen die Malteser, dass sie Frauen nicht nur an diesem Tag besonders fördern, sondern sich ganzjährig für Chancengleichheit und Vielfalt engagieren. Mit den Initiativen "Frauen im Rettungsdienst" (FiR) und "Frauen in Führung" werden konkret Wege geschaffen, um weibliche Mitarbeitende zu stärken und nachhaltig zu unterstützen. Die Initiative FiR hat 2025 entscheidende Meilensteine erreicht: Flexible Arbeitsmodelle, Rückkehrprogramme nach Schwangerschaften und klare Einsatzoptionen sorgen dafür, dass Familie und Beruf besser vereinbar werden. 

Die Malteser fördern Frauen im Rahmen verschiedener Programme.
  / © von der Osten (Malteser)
Die Malteser fördern Frauen im Rahmen verschiedener Programme. / © von der Osten ( Malteser )

HospitationPLUS ist ein Programm, das vor allem bei den Maltesern tätigen jungen Frauen im Rettungsdienst, die sich eine Führungsposition vorstellen können, ermöglicht, einer zuvor ermittelten, bestmöglich zu ihnen passenden Führungspersönlichkeit einer anderen Rettungswache über die Schulter zu schauen. Dieses Konzept bietet den Teilnehmenden wertvolle Einblicke. Nachdem man sich ein realistisches Bild vom Alltag einer Führungskraft verschafft hat, kann leichter entschieden werden, ob eine Leitungsfunktion für einen selbst das Richtige ist. 

Mentoring und Netzwerkausbau 

Das Mentoring-Programm "Frauen in Führung" bietet Frauen im Malteser Verbund seit 2020 eine innovative Starthilfe für leitende Aufgaben. Ziel ist es, Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen sichtbarer werden zu lassen und den Frauenanteil in hauptamtlichen Leitungspositionen zu erhöhen.Teilnehmerinnen erhalten einen Mentor oder eine Mentorin im Bereich von Führungsebenen und lernen von ihnen.

Durch persönliche Mentoring-Beziehungen, Praxislabore und Seminare werden Ressourcen entdeckt, Netzwerke ausgebaut und individuelle Karrierewege gefördert. Die Malteser wollen damit zeigen: Frauenförderung ist für sie kein einmaliges Event, sondern integraler Bestandteil der Unternehmenskultur. 

Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag, Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag ist ein Welttag, der am 8. März begangen wird. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.

Am 8. März ist Internationaler Frauentag / © Jens Wolf (dpa)
Am 8. März ist Internationaler Frauentag / © Jens Wolf ( dpa )
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