Die Frauenpfarrerin der württembergischen Landeskirche, Karin Pöhler, warnt zum Weltfrauentag vor einem Verlust hart erkämpfter Frauenrechte. Derzeit sei ein Roll-back zu beobachten; sie sehe die Gefahr, dass von Frauen erreichte Erfolge wieder zurückgenommen werden, sagte Pöhler in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung der württembergischen Landeskirche.
"Wir Frauen haben unsere Hausaufgaben gemacht und viel erreicht. Jetzt ist es an den Männern, sich zu bewegen", sagte Pöhler. Für eine wirkliche Gleichberechtigung müsse sich aber die gesamte Gesellschaft ändern. "Mehr Männer sollten über ihre Rollenbilder, ihr Verständnis von Männlichkeit und echter Gleichberechtigung nachdenken." Das werde dann auch Folgen haben für Themen wie die noch immer vor allem von Frauen geleistete Care-Arbeit und im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen.
Gottgewollte Tradwives?
Alarmiert zeigte sich die Theologin über das in den Sozialen Medien verbreitete Frauenbild der Tradwives. Gemeint sind Frauen, die sich als Hausfrau, Mutter, Köchin und Putzfrau inszenieren, die rund um die Uhr für ihren Ehemann und ihre Kinder da sind. "Tradwives stellen das Leben einer Frau als Hausfrau und Mutter nicht als eine Möglichkeit dar, als Frau zu leben, sondern als ideal und teilweise sogar als einzige richtige Lebensweise, manchmal sogar als gottgewollt", kritisierte Pöhler.
Die evangelische Pfarrerin stellte allerdings zugleich die Frage, wie stark diese Tradwife-Bilder wirklich die Haltung von Frauen und Männern in Deutschland beeinflussten.