Kirchen eröffnen Fastenaktionen

"Der Heilige Geist lässt sich nicht hetzen"

"Augenblick Mal! Sieben Wochen ohne Sofort" - die evangelische Kirche ruft in der Fastenzeit zum Innehalten im hektischen Alltag auf. Die katholische Kirche wirbt für ressourcenschonenden Konsum und legt den Fokus auf Burkina Faso.

Trierer Bischof in Burkina Faso  / © Ansgar Zender (dpa)
Trierer Bischof in Burkina Faso / © Ansgar Zender ( dpa )

Mit Fernsehgottesdiensten haben die beiden großen Kirchen am Sonntag ihre diesjährigen Fastenaktionen eröffnet. Die Münchner evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler rief in einem vom ZDF übertragenen Gottesdienst in Frankfurt am Main zum Innehalten in hektischer Zeit auf. Augenblicke des Nachdenkens, des Schweigens und des Hörens seien für ein gelingendes Leben unverzichtbar: "Ab und zu langsam zu tun, das macht das Erleben inniger, intensiver, haltbarer." Im Gottesdienst des katholischen Hilfswerks Misereor in Trier, der im Ersten übertragen wurde, warb Bischof Stephan Ackermann mit Blick auf die Konsumgesellschaft dafür, die eigene Lebensweise zu überdenken.

Zeit zur Besinnung

An Aschermittwoch hatte die rund siebenwöchige Fasten- oder Passionszeit vor Ostern (16. April) begonnen. In dieser Zeit nehmen sich viele Christen mehr Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet, um sich selbst und Gott näherzukommen. In der evangelischen Kirche beteiligen sich inzwischen rund drei Millionen Menschen an der Fasteninitiative "7 Wochen Ohne", um aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen auszusteigen und neue Lebensziele zu finden. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto "Augenblick Mal! Sieben Wochen ohne Sofort".

#Aschermittwoch: Heute beginnt die #Fastenzeit. Die Fastenaktion #7wochenohne lädt ein, auf Hektik zu verzichten:https://t.co/wmng2177FM pic.twitter.com/D2twCRfaVJ

— Evangelische Kirche (@EKD) 1. März 2017

Mit dem Motto soll auf die Ungeduld als Symbol der Moderne aufmerksam gemacht werden, bei dem viele beispielsweise ihre Nachrichten auf dem Mobiltelefon unentwegt verfolgen. Die Aktion der evangelischen Kirche ruft deshalb zur stärkerer Entschleunigung und mehr Ruhe inmitten eines oft hektischen Alltags auf.

"Brille der Hoffnung"

Bischof Ackermann warb in seiner Predigt im Trierer Dom für eine neue Sichtweise auf den afrikanischen Kontinent. Anstatt das Land und den afrikanischen Kontinent "nur oder vor allem unter der Perspektive der Schwierigkeiten und Probleme, die es dort gibt" anzuschauen, sollten auch positive Entwicklungen und damit die "Brille der Hoffnung" in den Vordergrund rücken.

Zudem würdigte er die Kreativität afrikanischer Landwirte. Sie entwickelten mithilfe von traditionellen und modernen Methoden natürliche Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten. Der Bischof mahnte einen bewussteren und die Interessen aller Menschen berücksichtigenden Lebensstil in Deutschland an.

"Wir wissen sehr genau, dass unsere Weise zu konsumieren und Ressourcen dieser Erde zu verbrauchen, zulasten der Armen geht, und doch tun wir uns schwer, unsere Lebensweise umzustellen", sagte er. Solange Menschen in Entwicklungsländern reelle Lebenschancen vorenthalten würden, blieben auch Frieden und Sicherheit international gefährdet. "Da helfen auf Dauer keine Zäune und Mauern, so hoch und so lang sie auch sein mögen."

Kritik an europäischer Exportpraxis

An dem Gottesdienst und einem anschließenden Festakt nahmen die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und der Kardinal der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou, Philippe Nakellentuba Ouedraogo, teil. Dreyer kritisierte die Praxis des europäischen Exports von Milchpulver und anderer landwirtschaftlicher Produkten nach Afrika. Es gelte, davon Abstand zu nehmen, "dass wir Länder mit Produkten aus Europa überschwemmen, die auch noch subventioniert sind". Zugleich appellierte Dreyer an die Verantwortung der Konsumenten, beim Einkaufen auf faire Handelsbedingungen zu achten: "Die Menschen müssen erkennen: Mein Verhalten hat Einfluss auf die Länder, wo die Güter angebaut werden."

"Die Welt ist voller guter Ideen"

Die diesjährige Misereor-Fastenaktion mit Burkina Faso im Mittelpunkt steht unter der Überschrift "Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen". Höhepunkt ist der 2. April, an dem in den bundesweit mehr als 10.000 katholischen Pfarrgemeinden Spenden für die Arbeit des Hilfswerkes gesammelt werden.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel wirbt zum Auftakt der Kampagne für eine Sichtweise auf Afrika fern vom Kontinent der Krisen, Krankheiten und Probleme. In vielen Staaten Afrikas seien enorme Potenziale vorhanden, betonte er.

Das 1958 gegründete Hilfswerk ist das weltweit größte kirchliche Entwicklungshilfswerk. Die traditionelle Misereor-Fastenaktion beginnt am Aschermittwoch und endet an Ostern. Im Mittelpunkt der Aktion steht jedes Jahr ein Land mit einem bestimmten Schwerpunkt. Mit Partnern in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika will Misereor Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Seit seiner Gründung brachte Misereor nach eigenen Angaben mehr als sieben Milliarden Euro für über 106.000 Projekte auf.

 

Quelle:
epd , KNA