Mairead McGuinness (66) ist die neue EU-Sonderbeauftragte für Religions- und Glaubensfreiheit außerhalb der Union. In dieser Rolle unterstütze die Irin Dialogprozesse sowohl mit staatlichen Stellen als auch mit Organisationen und Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen, hieß es in Brüssel am Donnerstag von der EU-Kommission.
Die Ernennung unterstreiche das Engagement der Kommission für den Schutz der Religions- und Glaubensfreiheit – und damit auch der Menschenwürde.
"Die anhaltende Verfolgung von Einzelpersonen und Minderheiten aus religiösen, weltanschaulichen und ethnischen Gründen macht den Schutz und die Förderung dieser Freiheit außerhalb der EU umso wichtiger", so die Mitteilung der Kommission.
"Hervorragende Wahl"
Die Vertretungen der evangelischen sowie der katholischen Kirche in Brüssel begrüßten die Ernennung. Die Bevollmächtigte des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Hatzinger, sprach auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) von einer "hervorragenden Wahl".
McGuinness habe bereits eindrücklich unter Beweis gestellt, dass sie "religiös musikalisch" sei und bringe das nötige politische Verständnis und diplomatische Geschick für die Aufgabe mit.
Erfahrene Europäerin
McGuinness war von 2020 bis 2024 EU-Kommissarin für Wirtschaft und Kapitaldienstleistungen. Davor saß sie ab 2004 jahrelang für die konservative EVP-Fraktion im EU-Parlament, teils auch als dessen Vizepräsidentin. In dieser Rolle war sie zuständig für den Dialog des Parlaments mit den Religionen. Ihr Ziel damals: Kirchen und Religionsgemeinschaften strukturierter in Gesetzgebungsprozesse einbinden.
Es sei ein Privileg gewesen, damals eng mit ihr zusammenzuarbeiten, kommentierte der Präsident der katholischen Kommission der EU-Bischofskonferenzen (COMECE), Mariano Crociata, die Ernennung. McGuinness bringe ein starkes Engagement für die europäischen Werte in die Funktion ein.
Die COMECE sieht die Stelle der Sonderbeauftragten als wesentlichen Teil des auswärtigen Handels der EU, gerade mit Blick auf zunehmende Diskriminierung und Verfolgung von Personen, religiösen Minderheiten und Glaubensgemeinschaften in vielen Regionen der Welt. Die Mehrheit der religiös Verfolgten seien Christen. Crociata forderte daher ein starkes Mandat und eine angemessene Ausstattung mit Personal und Budget für McGuinness.
Vorbild ihrer Generation
Die 66-jährige Irin wuchs mit sieben Geschwistern in einem katholischen Elternhaus auf. Im KNA-Interview im Jahr 2017 sagte sie, Religion habe einen festen Platz in ihrem Leben. "Meine Mutter hatte einen großen inneren Glauben; den habe ich von ihr geerbt", so die Politikerin damals.
Der inzwischen verstorbene irische Bischof Noel Treanor beschrieb sie anlässlich ihrer Ernennung zu EU-Kommissarin als inspirierendes Vorbild in ihrer Generation.
McGuinness studierte Agrarökonomie am University College Dublin und war 1980 die erste weibliche Absolventin; anschließend studierte sie noch Buchhaltung und Finanzwesen. Von 1980 bis 2004 arbeitete sie als Journalistin, bevor sie Europapolitikerin wurde.
Seit 10 Jahren gibt es Sonderbeauftragte
Die Position des Sonderbeauftragten war 2016 geschaffen worden. Der Sonderbeauftragte koordiniert beispielsweise diplomatische Dialoge mit Nicht-EU-Staaten und religiösen sowie nicht-konfessionellen Organisationen.
Zu den Kernaufgaben gehört auch die Förderung von religiöser Vielfalt und Toleranz in Bildungsprogrammen und Lehrplänen, die Unterstützung von Vorbeugungsmaßnahmen gegen religiösen Extremismus und die Stärkung der interreligiösen Zusammenarbeit.