Die katholische Kirche hat die Kampagne "Bewusst wählen" zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September gestartet. "Wir wollen Orientierung geben – nicht parteipolitisch, sondern wertebasiert", sagte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige am Mittwoch bei der Vorstellung. "Wir rufen dazu auf, die anstehende Wahl sehr ernst zu nehmen, sich mit den Parteiprogrammen und deren Folgen für sich selbst und die ganze Gesellschaft zu befassen, darüber ins Gespräch zu kommen und schließlich nicht destruktiven Stimmungen zu folgen und aus dem Bauch heraus zu wählen."
Mit der Kampagne soll ein Zeichen für Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Solidarität gesetzt werden. Bischof Feige betonte, es sei Aufgabe der Kirche, sich dafür einzusetzen. "Besonders herausgefordert sind wir dann, wenn Hass und Hetze sowie populistische oder extremistische Positionen zunehmend salonfähig werden." Dies beobachte er zunehmend.
Gegen Polarisierung und Extremismus
Mit der Initiative will die Kirche Polarisierung, Extremismus, Angst und Gleichgültigkeit nicht das letzte Wort überlassen, sondern durch sichtbare Zeichen, Dialogformate und Bildungsangebote Räume für Begegnung, Reflexion und verantwortliche Gewissensbildung schaffen. Ziel sei es, durch öffentliche Aktionen und gezielte Kommunikation dazu beizutragen, dass das christliche Menschenbild, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die demokratische Kultur in Sachsen-Anhalt gestärkt würden.
In Sachsen-Anhalt liegt die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD bei Wahlumfragen aktuell bei 38 Prozent, gefolgt von CDU (26 Prozent), Linken (13 Prozent), SPD (6 Prozent) und Grünen (4 Prozent).
Argumentationstraining gegen Stammtischparolen
Geplant sind im Rahmen der Kampagne etwa Vorträge des Theologen und früheren Leiters der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung Frank Richter zu Themen wie: "Warum ich gern mit AfD-Wählern rede" sowie zu den klar kirchenfeindlichen Positionen im AfD-Landtagswahlprogramm. Zudem gibt es neben Info-Broschüren auch Schulungsangebote zum Umgang mit Rechtsextremismus etwa in der Jugendarbeit und zu juristischen Tools gegen autoritäre und rechte Angriffe sowie Argumentationstrainings gegen Stammtisch-Parolen.
Träger des Bündnisses sind neben dem Bistum diverse katholische Organisationen und Initiativen wie etwa die Caritas, die Edith-Stein-Schulstiftung und die katholische Erwachsenenbildung. Mit 68.000 Mitgliedern ist das Bistum Magdeburg das zweitkleinste deutsche Bistum. Drei Prozent der Sachsen-Anhalter sind katholisch.