Das katholische Hilfswerk "Kirche in Not" warnt vor einer Eskalation der Gewalt in der syrischen Millionenstadt Aleppo. Örtliche Christen fürchteten, dass sich der aktuelle Konflikt zuspitzen könnte, teilte "Kirche in Not" am Freitag in München mit. Es geht demnach bei dem Konflikt um Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und den kurdisch geführten "Syrian Democratic Forces". Die Gefechte, die Ende Dezember begonnen hätten, seien nach einer kurzen Waffenruhe am 6. Januar erneut aufgeflammt. Medien berichteten von mindestens neun Toten.
"Schulen, Universitäten und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, nur die Krankenhäuser arbeiten noch", berichtete "Kirche in Not" unter Berufung auf eine lokale Quelle. Die christlichen Kirchen hätten zahlreiche Gebäude für Familien geöffnet, die vor den Kämpfen geflohen seien. "Nach dem Ausmaß der Bombardierungen und des Beschusses zu urteilen, scheinen beide Seiten etwas Größeres zu planen", hieß es von der Quelle weiter.
Zahl der Christen in Syrien gesunken
Der maronitische Erzbischof von Aleppo, Joseph Tobji, wandte sich in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit: "Die Situation ist erneut kritisch geworden. Viele Menschen verlassen ihre Wohnviertel." Die Hilfsorganisation verwies zudem auf Pater Hugo Alaniz von der Ordensgemeinschaft "Institut des Inkarnierten Wortes", der mit "Kirche in Not" zusammenarbeite: Wegen der anhaltenden Kämpfe habe selbst eine nachgeholte Weihnachtsfeier für Kinder abgesagt werden müssen, so Alaniz. Und weiter: "Wir hörten den ganzen Tag Bombardierungen und Schüsse. Wir bitten um Gebet, dass es zu einer Einigung kommt und der Frieden im Land einkehrt."
In Syrien leben laut Mitteilung schätzungsweise rund 250.000 Christen, in Aleppo nicht mehr als 20.000. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 zählte Syrien demzufolge noch rund 1,5 Millionen Christen.