Die katholische Kirche in Australien warnt vor einem starken Anstieg der Todesfälle durch freiwilligen assistierten Suizid und bezeichnet die Entwicklung als alarmierend. Eine Sprecherin der katholischen Erzdiözese Sydney erklärte laut dem kirchlichen Nachrichtenportal cathnews.com am Donnerstag, die "signifikante Zunahme von Euthanasie-Todesfällen" sei ein Warnsignal.
Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass die Zahlen nach der Legalisierung weiter anstiegen. Besondere Sorge bereite zudem, dass im Bundesstaat New South Wales mit der Hauptstadt Sydney rund zwei Drittel der Fälle in Gebieten verzeichnet würden, in denen der Zugang zu medizinischer Versorgung und Palliativpflege eingeschränkt sei.
"Ginge es bei Sterbebeihilfe um Wahlfreiheit, wie ihre Verfechter behaupten, so sollte man darauf achten, ob die Patienten in den ländlichen Regionen Zugang zu hochqualitativer Behandlung und Palliativversorgung haben", so die Diözesansprecherin.
Bis zu drei Prozent aller Todesfälle
Hintergrund der Kritik ist der rasche Anstieg der Nutzung von Suizidbeihilfe ("Voluntary Assisted Dying", VAD) seit ihrer Legalisierung in Australien. Seit 2019 sind laut einem Bericht des Portals "The Australian" landesweit mehr als 7.200 Menschen durch Sterbebeihilfe gestorben; allein von Juli 2024 bis Juni 2025 waren es demnach 3.329. Schätzungen zufolge entfallen inzwischen ein bis drei Prozent aller Todesfälle in Australien auf VAD.
Besonders hohe Zahlen werden in Bundesstaaten mit jüngeren Regelungen gemeldet wie etwa Queensland (2.110 Todesfälle) oder New South Wales (1.426 Todesfälle), wo die Praxis erst seit 2023 erlaubt ist. Victoria, das über das älteste und zugleich restriktivere VAD-System verfügt, meldete seit Juni 2019 insgesamt 1.683 Todesfälle.
Gesellschaftliche Akzeptanz wächst
Experten führen den starken Anstieg auf eine wachsende gesellschaftliche Akzeptanz sowie auf erleichterte Zugangsvoraussetzungen zurück. Die meisten Menschen, die VAD in Anspruch nehmen, sind zwischen 70 und 79 Jahre alt und etwas häufiger männlich. Krebs ist die häufigste Diagnose, gefolgt von neurologischen Krankheiten wie der Motoneuronenerkrankung.