Kinderschutz-Experte Zollner fordert konsequente Rücktritte

"Manns genug sein"

Der Kinderschutz-Experte Hans Zollner fordert konsequente Rücktritte im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche. "In der Kirche gibt es bei vielen die Tendenz, sich selbst nur als kleines Rad darzustellen", sagte Zollner.

 © Francesco Pistilli (KNA)
© Francesco Pistilli ( KNA )

"Das sieht man auch an Bischöfen, die sagen, ich würde ja gerne zurücktreten, aber der Papst lässt mich nicht. Stattdessen sollten sie doch Manns genug sein und sagen, egal, was der Papst jetzt sagt, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr. Punkt", so der Leiter des internationalen Safeguarding-Intituts in Rom.

Der Priester und Psychologe forderte zudem mehr staatliche Aufklärungsarbeit. Dabei seien neben der katholischen auch die evangelische Kirche sowie Koranschulen, der Sport, Heime, Schulen und der familiäre Bereich einzubeziehen, in dem die meisten Übergriffe stattfänden. Ein Blick in angelsächsische Länder zeige jedoch, dass solch eine staatliche Aufarbeitung teuer sei. Zudem könnten Persönlichkeitsrechte ein Problem darstellen.

Missbrauchsgutachten in Bistümern vorgestellt

In den vergangenen Jahren hat eine Reihe von deutschen Bistümern Aufarbeitungsgutachten zum Thema Missbrauch beauftragt oder vorlegen lassen. Zuletzt wurde ein Gutachten für das Erzbistum München und Freising veröffentlicht, das unter anderem dem früheren Papst Benedikt XVI. Fehler im Umgang mit Missbrauchstätern unter den Priestern vorwirft. Benedikt (Joseph Ratzinger) war von 1977 bis 1982 Münchner Erzbischof.

Erzbischof Stefan Heße / © Lars Berg (KNA)
Erzbischof Stefan Heße / © Lars Berg ( KNA )

Für Debatten sorgte auch eine Untersuchung im Erzbistum Köln von März 2021. Die Gutachter lasteten unter anderen dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp Fehler im Umgang mit Missbrauchsfällen an. Die Bischöfe boten daraufhin ihre Rücktritte an, die Papst Franziskus jedoch ablehnte.

Das Kinderschutzzentrum CCP an der Gregoriana

Gegründet wurde das Kinderschutzzentrum 2012 von der Gregoriana, der Erzdiözese München-Freising sowie der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie der Universitätsklinik Ulm.

Während einer dreijährigen Pilotphase bis Ende 2014 war München Sitz des Zentrums; Anfang 2015 siedelte das CCP nach Rom an die Universität über. Das Zentrum ist Teil des Psychologischen Instituts der Gregoriana und gehört mittlerweile zu den führenden Einrichtungen weltweit, die sich mit Missbrauchsprävention und -aufarbeitung befassen.

Päpstliche Universität Gregoriana / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Päpstliche Universität Gregoriana / © Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA
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