kfd fordert am Weltfrauentag Gleichstellung in Kirche und Gesellschaft

"Gleiche Macht und gleiche Chancen"

Weltweit wird am "Internationalen Frauentag" auf die Rechte von Frauen und den Einsatz für Gleichberechtigung aufmerksam gemacht. Wo stehen wir in Deutschland im Jahr 2026, wenn es um Frauen im kirchlichen und sozialen Bereich geht?

Autor/in:
Annika Weiler
Eine Demonstration der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Eine Demonstration der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Welche Themen sind für die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Jahr 2026 besonders wichtig, wenn es um die Situation von Frauen in Kirche und Gesellschaft geht? 

Lucia Lagoda, Mitglied des Bundesvorstands der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands / kfd / © Julia Steinbrecht (KNA)
Lucia Lagoda, Mitglied des Bundesvorstands der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands / kfd / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Lucia Lagoda (stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands): Leider brauchen wir immer noch den "Internationalen Frauentag", der auf die fehlenden Frauenrechte hinweist. Ein Thema ist für die kfd die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche - und da sind wir noch lange nicht. Wir haben als kfd im Synodalen Weg mitgearbeitet und schließen uns natürlich den Ergebnissen des Synodalen Wegs an. Wir setzen uns weiterhin für eine Zulassung der Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche ein.

Aber nicht nur in der Kirche, auch bei uns in der Gesellschaft haben wir die Gleichstellung noch lange nicht erreicht. Ich möchte zwei Schwerpunkte nennen: Zum einen setzt sich die kfd für eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt ein. Dazu gehört unter anderem auch eine faire Verteilung von Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen. Wir wissen es alle: Wir Frauen übernehmen einfach viel mehr Familienarbeit als die Männer. Das soll sich ändern und dafür setzen wir uns ein. 

Ulrike Göken-Huismann (l.), Mitglied im Bundesvorstand und Geistliche Leiterin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), im Gespräch mit einer Frau, die ein Plakat in der Hand hält mit der Aufschrift "Frauenweihe - Nichts ist unmöglich! (kfd)" bei der Mahnwache vor dem Eröffnungsgottesdienst von der Kirche Sankt Bonifatius während der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 25. September 2023 in Wiesbaden. / © Julia Steinbrecht/KNA (KNA)
Ulrike Göken-Huismann (l.), Mitglied im Bundesvorstand und Geistliche Leiterin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), im Gespräch mit einer Frau, die ein Plakat in der Hand hält mit der Aufschrift "Frauenweihe - Nichts ist unmöglich! (kfd)" bei der Mahnwache vor dem Eröffnungsgottesdienst von der Kirche Sankt Bonifatius während der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am 25. September 2023 in Wiesbaden. / © Julia Steinbrecht/KNA ( KNA )

Zum anderen ist uns die Lohngerechtigkeit sehr wichtig. Frauen und Männer sollen für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen, gleich bezahlt werden. Es ist auch klar: Wir Frau verdienen einfach weniger Geld. "Verdienen" ist ja eigentlich der falsche Ausdruck, denn verdienen tun wir Frauen das schon. Aber es kommt nicht! Wir haben im letzten Jahr 16 Prozent weniger Lohn erhalten als die Männer und das ist schon ein großer Betrag. 

Oft ist es ja auch so, dass Frauen für die Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen nur in Teilzeit oder vielleicht auch gar nicht arbeiten können. Das führt natürlich später zu einer Rentenlücke und im schlimmsten Fall auch zu Altersarmut. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit auch gleich entlohnt werden.

DOMRADIO.DE: Sie haben auch das Ehrenamt angesprochen. Viele Frauen engagieren sich ja ehrenamtlich in der Kirche und in sozialen Projekten. Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Frauen?

Symbolbild Ehrenamtliche Helfer schmieren Brötchen / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Ehrenamtliche Helfer schmieren Brötchen / © Harald Oppitz ( KNA )

Lagoda: Gott sei Dank setzen sich so viele Frauen noch ehrenamtlich ein. Da können wir wirklich nur dankbar sein, denn sonst würde vieles in unserer Gesellschaft gar nicht mehr funktionieren. Zu Ihrer Frage fallen mir die Themen Frauengesundheit, Schutz vor Gewalt an Frauen und auch das Thema Einsamkeit ein. Ich nehme mal das Thema Gewalt. Wenn eine Frau Gewalt erfährt, dann braucht sie ganz schnell und unbürokratisch Hilfe. 

Wir haben im ganzen Bundesgebiet ungefähr 400 Frauenhäuser und im letzten Jahr haben dort über 13.000 Frauen Schutz und Hilfe gesucht und auch bekommen. Aber das, was wir an Hilfsangeboten haben, ist einfach zu wenig und es ist tatsächlich eine große Herausforderung, den Bedarf an Schutzmaßnahmen zu decken. Und da fordert die kfd eine bessere finanzielle Ausstattung, um mehr Schutzräume anbieten zu können. 

Frauenhaus in Nordrhein-Westfalen / © Maja Hitij (dpa)
Frauenhaus in Nordrhein-Westfalen / © Maja Hitij ( dpa )

Obwohl es Gewalt an Mädchen und Frauen in jeder Schicht gibt, findet das Thema in der Öffentlichkeit immer noch wenig Beachtung. Deshalb wird die kfd nicht müde, immer wieder den Schutz und die Achtung der Würde aller Mädchen und Frauen anzumahnen.

DOMRADIO.DE: Die kfd setzt sich seit vielen Jahren für Frauenrechte ein. Planen Sie konkrete Aktionen oder Veranstaltungen rund um den Weltfrauentag in diesem Jahr, um auf die genannten Anliegen aufmerksam zu machen?

Lagoda: Ja, als kfd-Bundesverband haben wir unter dem Hashtag #EqualChances, das heißt gleiche Chancen, verschiedene Beiträge auf Instagram gepostet. In diesem Jahr haben wir dabei noch einmal genauer auf die Frauen in der Landwirtschaft geschaut. Wir haben gesagt: Diese Frauen sollen nicht nur ackern, sondern auch mehr an politischen Entscheidungen beteiligt werden und das unterstützen wir sehr. 

Symbolbild Landwirtschaft / © Julian Stratenschulte (dpa)
Symbolbild Landwirtschaft / © Julian Stratenschulte ( dpa )

Natürlich gibt es auch viele Aktionen und Veranstaltungen der kfd-Frauen vor Ort in den Gemeinden und Städten. Gestern zum Beispiel gab es auf dem Markt in Münster einen Infostand. Die Frauen in Osnabrück werden eine Podiumsdiskussion machen. In Limburg gab es einen Online-Austausch zum Thema "Gleiche Macht und gleiche Chancen". 

In München haben die Frauen zu einem interaktiven Spiel eingeladen. Es heißt "Gleich gewinnt" und dabei wird eine geschlechtergerechte Verteilung von Zeit und Geld ausgehandelt. Ein sehr interessantes Spiel. Das können Sie übrigens im Shop bei der kfd bekommen.

Das Interview führte Annika Weiler.

Quelle:
DR

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