Über die Rolle der WerteUnion in Nordrhein-Westfalen

"Kein konkreter Einfluss"

Wie geht die CDU in Nordrhein-Westfalen mit der WerteUnion um? Der Leiter des Katholischen Büros NRW, Pfarrer Antonuis Hamers, berichtet im Interview über konsequente Abgrenzungsbemühungen der NRW-CDU im Düsseldorfer Landtag. 

WerteUnion: Bedrohlich für die CDU? / © Michael Kappeler (dpa)
WerteUnion: Bedrohlich für die CDU? / © Michael Kappeler ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie gehen Sie mit Mitgliedern der WerteUnion im NRW-Landtag um?

Pfarrer Antonuis Hamers (Leiter des Katholischen Büros NRW): Ich habe bislang noch niemanden getroffen, von dem ich wüsste, dass er oder sie in der WerteUnion ist. Die nordrhein-westfälische CDU hat zuletzt am vorigen Donnerstag bei einer Aktuellen Stunde im Landtag zum Thema Thüringen und den Auswirkungen noch einmal sehr stark betont, dass sie sich von der WerteUnion abgrenzt.

DOMRADIO.DE: Also ist der Einfluss im Landtag eher gering?

Hamers: Das ist mein Eindruck. Ich wüsste nicht, wo da jetzt ein konkreter Einfluss sein könnte.

DOMRADIO.DE: Im Verein WerteUnion sind nur Unions-Mitglieder. Der Name suggeriert, dass es der CDU derzeit an Werten mangele. Wie sehen Sie das?

Hamers: Ich finde diesen Begriff etwas befremdlich. Das suggeriert ja, dass es nur bei Konservativen oder bei Traditionalisten Werte geben könne. Eine wertegebundene Politik ist zunächst einmal losgelöst davon, ob sie jetzt konservativ, liberal, progressiv oder sozial ist. Ich bin der Meinung, dass jede demokratische Partei eine wertegebundene Politik macht. Insofern finde ich diese Begrifflichkeit schon irreführend.

DOMRADIO.DE: Lässt sich die CDU da nicht gerade die Butter vom Brot nehmen?

Hamers: Die CDU ist in einer schwierigen Situation durch ihre personelle Diskussion und die Frage nach der zukünftigen programmatischen Ausrichtung. Ich halte es für ganz wichtig, dass wir große Volksparteien haben, weil diese Volksparteien in sich unterschiedliche Strömungen und unterschiedliche Richtungen vereinen, um sie dann gemeinsam nach vorne zu bringen. Das gilt für die CDU und sicherlich auch in gleicher Weise für die SPD.

DOMRADIO.DE: Sie sind regelmäßig im Landtag bei Debatten dabei. Wie selbstbewusst präsentieren sich die etablierten Parteien bei der Verteidigung ihrer Werte?

Hamers: In dieser Aktuellen Stunde zu Thüringen haben sich gerade auch die etablierten Parteien sehr selbstbewusst für die Verteidigung der Demokratie, unserer Grundwerte und Grundrechte eingesetzt. Gott sei Dank. Der Fraktionsvorsitzende der CDU hat sehr deutlich gesagt, dass die Werteunion keine Organisation der CDU sei und dass man sich davon distanziere. Aber es gibt natürlich Mitglieder, die in der Werteunion und in der CDU sind. Der Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann, der auch Bundesvorsitzender des Arbeitnehmerflügels der CDU ist, hat im Grunde diesen Leuten nahegelegt, aus der Werteunion auszutreten. 

DOMRADIO.DE: Sehen Sie als Vertreter der katholischen Kirche in der CDU Werte, die bedroht sind? Wird da mit der AfD geliebäugelt?

Hamers: Ich sehe nicht, dass in der CDU mit der AfD geliebäugelt wird. Das kann ich wirklich nicht erkennen. Das wäre eine Grenzüberschreitung, bei der Werte bedroht sein könnten. Ich glaube, die Menschenbilder von AfD und CDU unterscheiden sich durchaus. Insofern ist es wichtig, eine Abgrenzung zu ziehen.

Antonius Hamers / © Nicole Cronauge (Katholisches Büro NRW)
Quelle:
DR