DOMRADIO.DE: Sie waren schon als Kind Fan von "Star Trek". Woher kommt diese Begeisterung?
Uwe Nimbler (katholischer Pfarrer aus Großostheim, Bistum Würzburg): Ende der 70er Jahre war Raumschiff Enterprise, wie es damals im deutschen Fernsehen hieß, fast die einzige Serie, die sich mit dem Thema Science-Fiction, Weltraum und Raumfahrt beschäftigte. Diese Themen interessierten mich als Kind besonders und daher musste ich das einfach schauen.
DOMRADIO.DE: Als junger Seminarist haben Sie erkannt, dass hinter den Geschichten eine bestimmte Philosophie steckt. Welche ist das genau?
Nimbler: In den 90ern erschien "The Next Generation" mit Captain Jean-Luc Picard, der eine sehr charismatische Art und Weise der Kommandoführung hatte. Mich hat es damals fasziniert, dass in jeder Folge von "Star Trek: The Next Generation" immer wieder Themen angesprochen wurden, die Philosophie, Moral und ethisches Verhalten behandelten. Diese Themen sind sehr eng mit Theologie verbunden.
DOMRADIO.DE: Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Nimbler: Es gab zum Beispiel Fragen zur Ethik, etwa ob man ein Volk angreifen darf, um ein anderes zu retten – also um eine Abwägung des "Minus Malus", wie es in der Theologie heißt. Ein weiteres Beispiel betrifft den Umgang mit Menschen, die in die Drogenabhängigkeit getrieben wurden, mit dem Ergebnis, dass andere Kulturen oder Völker davon profitiert haben. Es ging auch um Fragen zum Leben nach dem Tod und darum, ob es sinnvoll wäre, als Mensch wiedergeboren zu werden, um eine zweite Chance zu bekommen und sein Leben anders oder besser zu gestalten.
DOMRADIO.DE: Wir befinden uns noch in der Osterzeit, und Sie haben sogar Parallelen zur biblischen Auferstehungsgeschichte entdeckt. Welche sind das?
Nimbler: Das ist zum Beispiel in dem berühmten Kinofilm "Star Trek: Der Zorn des Khan" der Fall, wo Commander Spock sein Leben opfert, um das Schiff und die Besatzung zu retten. Er stirbt und wird auf einem neu entstandenen Planeten begraben. Dadurch gewinnt er körperlich das Leben zurück. Sein Geist muss dann jedoch wieder mit dem wiedererstandenen Leib verschmolzen werden. Da ist Tod und Auferstehung Jesu gespiegelt.
DOMRADIO.DE: Haben Sie noch weitere Parallelen gefunden?
Nimbler: Es gibt eine Folge in der Serie "Star Trek: Voyager", in der die klingonische Kultur dargestellt wird. In der Folge stellt sich ein klingonisches Besatzungsmitglied die Frage, ob seine Mutter im klingonischen Jenseits gerettet ist oder ob sie gewissermaßen verdammt wurde. Also im Grunde die Thematik Himmel und Hölle.
DOMRADIO.DE: Holen Sie sich manchmal auch Ideen für Ihre Predigten aus Star Trek?
Nimbler: Das kommt gelegentlich vor, allerdings nur in sehr kleinen Dosen, da ich weiß, dass viele mit Star Trek nichts anfangen können und man sie damit nicht überfordern möchte.
DOMRADIO.DE: Wie wäre das dann konkret bei Ihnen?
Nimbler: Ich merke im praktischen Seelsorgealltag oft, dass ich mich gerne am Intro von Raumschiff Enterprise orientiere, in dem es heißt, mutig dorthin zu gehen, wo noch nie ein Mensch gewesen ist. Das spiegelt sich für mich auch in der Entwicklung von Pastoral, Gemeinde und Seelsorge wider: nicht furchtlos, sondern mutig in die Zukunft zu gehen. Und letztlich ist auch ein zentraler Leitgedanke unseres Glaubens immer wieder: "Fürchtet euch nicht".
Das Interview führte Carsten Döpp.