Katholische Verbände sehen Chance für Frauendiakonat

Wichtiges Signal für die Berufung der Frau

Mehrere katholische Laienverbände in Deutschland sehen die Chancen für ein Frauendiakonat in der Kirche in naher Zukunft als günstig an. Mit dem Synodalen Weg sei die Forderung auch in der Mitte der Kirche angekommen.

Forderung nach Frauendiakonat (auf dem Katholikentag in Leipzig) / © Harald Oppitz (KNA)
Forderung nach Frauendiakonat (auf dem Katholikentag in Leipzig) / © Harald Oppitz ( KNA )

Die synodalen Bewegungen in unterschiedlichen Ländern hätten "ein Zeitfenster geöffnet, in dem Frauen offen von ihrer Berufung zum sakramentalen Amt sprechen und ihre Zeugnisse aufgegriffen werden", heißt es am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) sowie dem Netzwerk Diakonat der Frau. Die Verbände äußerten sich zum Tag der Diakonin, der an diesem Freitag (29. April) in Osnabrück stattfindet.

"Klerikalisierung ist offensichtlich ein ernstzunehmendes Problem"

Die Verbände bekundeten die Hoffnung, "dass durch die Berufung von Frauen in leitende Ämter der Vatikanbehörde die Präsenz von Frauen und ihre Möglichkeit der Mitentscheidung wächst". Nicht nur in Westeuropa, sondern weltweit werde die Zulassung von Frauen zum sakramentalen Amt des Diakonats seit Jahrzehnten gefordert, betont die Vorsitzende des Netzwerks Diakonat der Frau, Irmentraud Kobusch. "Mit dem Synodalen Weg ist diese Forderung endlich in der Mitte der deutschen Kirche angekommen." Dies sei ein wichtiges Signal für all die Frauen, die für die Anerkennung ihrer Berufung einstünden.

Eine Frau hält eine Bibel bei einem Gottesdienst zur Beauftragung von Frauen und Männern zum Dienst des Lektors und Katecheten im Petersdom im Vatikan am 23. Januar 2022. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Eine Frau hält eine Bibel bei einem Gottesdienst zur Beauftragung von Frauen und Männern zum Dienst des Lektors und Katecheten im Petersdom im Vatikan am 23. Januar 2022. / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Franziskus habe es im Zuge der Amazonas-Synode 2019 hingegen verpasst, die Forderung, wegen der pastoralen Situation in Amazonien Frauen zu Diakoninnen zu weihen, aufzugreifen, so die Mitteilung. Stattdessen habe er vor einer Klerikalisierung der Frauen gewarnt, kritisiert KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth. "Klerikalisierung ist offensichtlich ein ernstzunehmendes Problem unserer Kirche. Dem ist aber sicher nicht dadurch zu begegnen, dass Frauen die Diakonatsweihe vorenthalten wird."

Gedenktag wird seit 2013 begangen

Auch ZdK-Vizepräsident Thomas Söding schloss sich dem Appell der Frauenverbände an: "Ich vermisse Frauen im Amt meiner Kirche." Die jüngste Synodalversammlung in Deutschland habe mit "breiter Mehrheit für den sakramentalen Diakonat von Frauen weltweit votiert". Nun brauche es in der zweiten Lesung eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe. "Sie ist möglich - und sie ist notwendig", so Söding.

Der "Tag der Diakonin" entstand laut Mitteilung in der Folge eines Internationalen Theologischen Fachkongresses zum Thema "Diakonat. Ein Amt für Frauen in der Kirche - Ein frauengerechtes Amt?" 1997 in Stuttgart-Hohenheim. Er wurde 1998 vom KDFB ins Leben gerufen. Seit 2013 wird er am Gedenktag der heiligen Katharina von Siena vom KDFB, von der kfd, dem Netzwerk Diakonat der Frau und dem ZdK gemeinsam begangen.

Diakon/Diakonat

Das Diakonen-Amt ist eines der ältesten der Kirche und steht zunächst für soziale Verantwortung. Der Begriff Diakon leitet sich vom griechischen Wort "diakonos" ab und bedeutet Diener oder Helfer. In der römischen Kirche der ersten Jahrhunderte wirkten Diakone in der Armen- und Krankenpflege oder als Gehilfen des Bischofs in der Gemeindeverwaltung und beim Gottesdienst. Seit dem fünften Jahrhundert verlor das Diakonat als eigenständiges Amt an Bedeutung.

Diakonstola / © Harald Oppitz (KNA)
Quelle:
KNA