Mit Appellen gegen Krieg, Antisemitismus und gesellschaftliche Spaltung ist am Sonntag der 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg zu Ende gegangen. Zum Abschluss des fünftägigen Christentreffens rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, zu mehr Engagement für Frieden und Menschlichkeit auf. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 74.000 Menschen an Gottesdiensten, Diskussionen und Kulturveranstaltungen teil.
Beim Abschlussgottesdienst auf dem Würzburger Residenzplatz sagte Wilmer, die Kirche müsse hinausgehen mitten ins Chaos und ins Leid dieser Welt. “Eine Kirche, die hinausgeht, die Brandherde löschen will, wird vielleicht müde, vielleicht angegriffen, vielleicht missverstanden - aber sie wird leuchten”, so der Hildesheimer Bischof. Anders als bei der verregneten Eröffnungsveranstaltung und dem Himmelfahrtsgottesdienst blieb es zum Abschluss trocken; über dem Residenzplatz schien die Sonne.
Grüße von Papst Leo
Vor dem Gottesdienst überbrachte der Generalsekretär der Weltsynode, Kardinal Mario Grech, Grüße von Papst Leo XIV. Der Kurienkardinal würdigte insbesondere das Engagement junger Menschen beim Katholikentag und rief dazu auf, den christlichen Glauben mutig in die Gesellschaft hineinzutragen.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte in einem Grußwort vor wachsendem Antisemitismus. Jüdisches Leben in Deutschland sei bedroht und nur noch unter Schutz möglich. Antisemitismus richte sich nicht nur gegen Juden, sondern gegen Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt: “Beweisen Sie Zivilcourage. Stehen Sie auf gegen Judenhass und für unsere Werte.”
“Antisemitismus ist Sünde”
Wilmer zeigte sich besonders erfreut über Schusters Teilnahme und ergänzte: “Antisemitismus höhlt unsere Demokratie von innen aus, Antisemitismus ist Sünde! Gut, dass wir dagegen aufstehen - wehret den Anfängen!”
Die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, zog eine positive Bilanz des Katholikentags. Zugleich zeigte sie sich besorgt über den zunehmenden Extremismus in der deutschen Gesellschaft und weltweit. “Die Angst, dass sich immer mehr Menschen dazu verführen lassen, autoritäre und extremistische Parteien und Personen zu wählen”, sei bei vielen Veranstaltungen ein großes Thema gewesen, sagte sie im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Auf nach Paderborn und Düsseldorf
Der Beschluss, keine AfD-Vertreter zu den offiziellen Diskussionen einzuladen, sei weiter richtig, fügte Stetter-Karp hinzu. “Aber mich treibt die Frage um, wie wir den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren, die die Partei wählen oder sich das zumindest vorstellen können.” Zu den Debatten über Reformen innerhalb der katholischen Kirche zeigten sich Stetter-Karp und Wilmer dankbar über den Besuch von Kurienkardinal Mario Grech. Stetter-Karp berichtete im KNA-Interview von sehr ermutigenden Gesprächen.
Auch Bischof Wilmer sagte, wie wichtig es sei, dass ranghohe Vertreter aus dem Vatikan auch einmal nach Deutschland kämen und die Situation der Kirche hierzulande aus erster Hand miterleben könnten: “Ich fände es großartig, wenn wir noch mehr Begegnungen dieser Art hätten.” Zum Abschluss wurde zum nächsten Deutschen Katholikentag eingeladen, der 2028 in Paderborn stattfinden soll. Bereits 2027 ist der Deutsche Evangelische Kirchentag in Düsseldorf geplant.