Die katholische Kirche wird nach Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz von vielen Politikerinnen und Politikern sehr anerkannt. Dies habe er in den vergangenen Wochen bei seinen Besuchen in Berlin festgestellt, sagte Bischof Heiner Wilmer beim Katholikentag in Würzburg: “In jedem Gespräch ohne Ausnahme wurde die Rolle der Kirche sehr geschätzt im Sinne einer Einrichtung und Großgruppe, die für den Zusammenhalt sorgt, die für Sinn sorgt und Menschen Hoffnung gibt.”
Wenn sich Angst oder Hysterie breitmache, biete die Kirche Halt, bei Katastrophen auch Trost, sagte Wilmer im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kirche müsse darauf achten, gefährliche politische Tendenzen nicht auch in ihren eigenen Reihen stärker werden zu lassen: “Ich glaube schon, dass wir auch als Kirche natürlich Kinder unserer Zeit sind, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Es gibt auch in unserer Kirche Kräfte, die mit extremeren Positionen liebäugeln, nicht nur von rechts, auch von links.”
“Größte humanitäre Katastrophe” im Sudan
Eine wichtige Aufgabe der Kirche sieht Bischof Wilmer darin, sich für Menschen einzusetzen, denen es schlecht geht. Besonders dramatisch sei aktuell die Lage der Menschen im Sudan (Afrika): “Über den Krieg im Sudan, die größte humanitäre Katastrophe zurzeit der Menschheit, wird kaum gesprochen. Kirche muss Anwältin aller Menschen sein, die so fürchterlich heimgesucht werden.”
Der 65-Jährige zeigte sich zuversichtlich, dass viele Begegnungen und Veranstaltungen des Katholikentags auch nach dem Abschluss am Sonntag das Leben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer prägen werden: “Das Gefühl, dass wir zusammenstehen, die feste Gewissheit: Ich bin als gläubiger Mensch nicht allein; das wird schon bleiben. Das trägt auch darüber hinaus.”
Heiner Wilmer war Ende Februar zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Im Juni wechselt der Hildesheimer Bischof an die Spitze des Bistums Münster.