Kardinal Woelki predigt über die Kirche als Leib Christi

"Ein Geschenk zum Weiterschenken"

Der feierliche Gottesdienst an Gründonnerstag bildet den Auftakt der österlichen Geheimnisse. In seiner Predigt sprach Rainer Maria Kardinal Woelki über die Bedeutung des letzten Abendmahls für die Kirche.

Rainer Maria Woelki predigt bei der Messe vom Letzten Abendmahl an Gründonnerstag / © Nicolas Ottersbach (DR)
Rainer Maria Woelki predigt bei der Messe vom Letzten Abendmahl an Gründonnerstag / © Nicolas Ottersbach ( DR )

Mit der Feier des letzten Abendmahls beging Rainer Maria Kardinal Woelki an Gründonnerstag den Auftakt der österlichen Geheimnisse. Bei seiner Predigt im Kölner Dom erinnerte er an die Geschehnisse beim letzten Abendmahl sowie an die Einsetzungsworte Jesu: "Das ist mein Leib für euch" und "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" 

Es sei das Mahl, bei dem Jesus seiner Kirche die heilige Eucharistie geschenkt habe. "Indem wir tun, was er damals getan hat, ist er mitten unter uns. Denn im Zeichen des Brotes reicht er seinen Leib als Speise. Indem wir ihn essen, verleibt er sich uns ein", betonte der Kölner Erzbischof. 

In der Eucharistie werde Christus gegenwärtig und die Gläubigen würden ein Leib mit Christus. Das sei kein frommer Wunsch, sondern Wirklichkeit, die nur von Gott her möglich sei. Woelki erinnerte in seiner Predigt an das Bild des Apostels Paulus von Christus als Haupt und der Kirche als seinem Leib. Christus und Kirche bildeten somit eine untrennbare Einheit. "Die Kirche lebt also nicht aus sich selbst, sondern ganz und gar von Christus." 


Geschenk seiner Gegenwart

Deswegen dürften Christinnen und Christen an diesem Abend dankbar auf das Geheimnis des Glaubens blicken. Christus mache der Kirche an diesem Abend das Geschenk seiner Gegenwart im Sakrament des Altares: "Es ist ein Geschenk, nicht um es für sich zu behalten. Es ist ein Geschenk zum Weiterschenken. Durch die Kirche, durch uns, müssen die Menschen erfahren, dass der Herr in unserer Mitte ist, dass er zu finden, ja zu haben ist." 

Das Leben selbst sei ein Geschenk, führte Woelki weiter aus. Eltern würden es ihren Kindern durch ihr Ja geben. Noch viel mehr würden Gläubige aber vom Ja Gottes, des Schöpfers, leben. Gottes Ja zeige sich besonders im Sakrament der Eucharistie. Daran denken Christinnen und Christen besonders am Gründonnerstag, dem Abend der Einsetzung der heiligen Eucharistie. "Wir hören also Gottes Ja zu uns nicht nur mit den Ohren. Wir nehmen es vielmehr auch leibhaft in uns auf im Brot des Lebens und werden von ihm genährt, damit wir leben und zur Fülle des Lebens in Gott gelangen", erklärte Woelki. 

Beim Gottesdienst versammeln sich Christinnen und Christen um den Tisch des Herrn. Dabei beginne aber bereits etwas, was sich am Tisch des himmlischen Mahls vollenden werde: "Heimat in Gott, ein ewiges Zuhause mit Christus beim Vater". Das Brot des Lebens nähre also nicht nur zeitlich, sondern verheiße ewiges Leben. "Jenes himmlische Zuhause, jene Geborgenheit beim Herrn, beginnt aber schon jetzt: Hier - heute Abend in unserem Dom - in der Gemeinschaft an seinem Tisch", beendete der Kölner Erzbischof seine Predigt. 

Drei Tage des Leidens, Sterbens und der Auferstehung

Das Vokalensemble Kölner Dom sang unter der Leitung von Alexander Niehues. An der Orgel war Matthias Wand. Der Chor sang Werke u. a. von Morten Lauridsen und Josef Gabriel Rheinberger. Die Messe vom Letzten Abendmahl vergegenwärtigt besonders die letzte Zusammenkunft von Jesus zum Mahl mit seinen Jüngern vor seiner Verhaftung und der Hinrichtung am Kreuz. Ein besonderes Element des Gottesdienstes ist die Fußwaschung durch den Bischof in Erinnerung an Jesus, der seinen Jüngern seinerzeit die Füße als besonderes Zeichen wusch. 

Am Abend des Gründonnerstags ist in der Liturgie auch sonst vieles anders als sonst. Denn an diesem Abend beginnen die drei Tage des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi – ein einziger, großer Gottesdienst, der an diesem Abend beginnt und erst mit dem österlichen Segen am Ende der Osternacht abgeschlossen ist.

Fußwaschung an Gründonnerstag (KNA)
Fußwaschung an Gründonnerstag / ( KNA )

Diese Einheit zeigt: alle Elemente gehören zusammen. Kein Ostern ohne letztes Abendmahl und ohne Kreuzigung. Nachdem das Gloria die gesamte Fastenzeit hindurch entfallen ist, wird es zudem am Gründonnerstag besonders festlich unter Glockengeläut gesungen – danach schweigen die Orgel und die Glocken als Zeichen der Trauer bis zum Gloria der Osternacht.

"Das ist heute"

Die Bedeutung des letzten Abendmahls in der Feier des Gründonnerstags verdeutlicht einen Einschub, der nur einmal im Jahr, eben in dieser Feier vorgelesen wird. "In der Nacht, in der er ausgeliefert wurde - das ist heute", heißt es da.

"Heute" - obwohl all diese Ereignisse schon gut 2000 Jahre her sind? In jeder Eucharistiefeier steckt die Vorstellung der Vergegenwärtigung des letzten Abendmahles – Gegenwart, kein einfaches "Nachspielen". Das gilt besonders für den Gründonnerstag: dem letzten Abendmahl – als sogenannte "Einsetzung der Eucharistie" – wird an diesem Abend besonders gedacht.

Dieses eingeholte "Heute" setzt sich am Ende der Feier fort: der Altar wird abgedeckt, der Tabernakel bleibt leer, die Feier endet nicht mit dem Schlusssegen, sondern klingt mit Gebeten aus – auch dies ist ein Zeichen der Trauer und soll außerdem an die Nachtwache der Jünger im Garten Getsemani erinnern. Die Liturgie dieser Tage folgt also zeitlich den Geschehnissen der Passionserzählungen.

Quelle:
DR , KNA

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