Kardinal Schönborn zieht positive Bilanz seiner Professorenzeit

"Ich habe viel gelernt"

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn beschreibt seine konfliktreiche Zeit als Theologieprofessor als prägend und belastend. Er blickt auf Jahre zwischen Krise nach dem Konzil und Konflikten als Professor zurück.

Kardinal Christoph Schönborn / © Kendall Mclaren/CNS photo (KNA)
Kardinal Christoph Schönborn / © Kendall Mclaren/CNS photo ( KNA )

In einem Interview mit dem "Forum-Magazin" sagte der 81-Jährige, er sei für manche Kollegen der "Schreckensmann" gewesen, auch wegen seiner Nähe zur Denkschule von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI.

Schönborn war an der Universität Fribourg in der Schweiz ab 1975 zuerst Gastprofessor, dann Professor für Dogmatik. Die Auseinandersetzungen seien "sehr dramatisch" gewesen und hätten ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht. Zugleich betonte Schönborn, dass seine Vorlesungen dennoch großen Zulauf hatten. 

Trotz lautstarker Opposition, die teilweise emotional war, habe er keine Debatten gescheut. Im Großen und Ganzen habe er ein "positives Echo" erfahren, so Schönborn.

Glaubenskrise nach dem Konzil

Die Konflikte knüpften an eine frühere Glaubenskrise an. Im Zuge der Debatten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) habe er erlebt, wie zentrale Glaubensinhalte infrage gestellt wurden: "Ich habe fassungslos erlebt, was da vertreten wurde – zum Teil fasziniert, und zum Teil auch den Boden unter den Füßen verlierend." 

Kardinal Schönborn und Papst Franziskus / © Cristian Gennari (KNA)
Kardinal Schönborn und Papst Franziskus / © Cristian Gennari ( KNA )

Zeitweise habe er gefürchtet, seinen Glauben zu verlieren. Seinem Ordensoberen habe er gesagt, er könne mit der Situation in Deutschland nicht leben, weshalb er zum Weiterstudium nach Frankreich ging.

Dort erlebte er ab 1968 einen weiteren kirchlichen Umbruch, wie innerhalb von "zwei oder drei Jahren praktisch alle Priesterseminare im Land geschlossen wurden". Es war laut Schönborn das, was er in Deutschland bereits intellektuell mitbekommen hatte. "In Frankreich habe ich es existenziell erlebt", so der Kardinal.

Abgrenzung von Traditionalisten

Einen neuen Zugang fand Schönborn nach eigenen Angaben durch die Beschäftigung mit den Kirchenvätern, Joseph Ratzinger oder Hans Urs von Balthasar sowie durch Begegnungen mit Theologen wie Andrei Scrima und Yves Congar. Dadurch habe sich ihm eine "sehr lebendige theologische Welt" erschlossen.

Zugleich grenzte er sich klar von traditionalistischen Strömungen ab. Das Aufkommen der Lefebvre-Bewegung habe ihm gezeigt, "das kann es auch nicht sein", da dort eine "museale Betrachtung der Tradition" vorherrsche. Er selbst habe keinen Weg in den Traditionalismus eingeschlagen, sondern in die "große katholische Tradition". Rückblickend zog der Kardinal eine positive Bilanz: "Ich habe viel gelernt."

Christoph Schönborn OP

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn war 30 Jahre lang Erzbischof von Wien. Geboren am 22. Januar 1945 in Skalken (Skalsko), Böhmen, flohen er, sein Bruder und seine Mutter noch im gleichen Jahr nach Niederösterreich. Aufgewachsen sind sie dann in der Region Vorarlberg. Nach dem Abitur trat er 1963 in den Dominikanerorden ein.

Er studierte Theologie und Philosophie in Walberberg, zwischen Köln und Bonn, und setzte seine Studien auch in Wien und Paris fort. Er wurde am 27. Dezember 1970 in der Wiener Dominikanerkirche zum Priester geweiht.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn / © Cristian Gennari (KNA)
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
KNA