Kardinal Schönborn warnt vor Rissen in Europa

Christliches Handeln als Kitt?

Driftet Europa politisch immer weiter auseinander? Vor dieser Gefahr warnt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn eindringlich. Vor allem, weil "nationalistische Tendenzen stark werden und rechte Parteien die Oberhand gewinnen."

 (DR)

Dass die EU "teilweise brüchig geworden" sei, zeige sich etwa am "Brexit" und an separatistischen Bestrebungen wie in Katalonien, sagte er dem "Don Bosco magazin" im Interview.

Dabei sei die Europäische Union ein "beispielloses Friedensprojekt", sie gründe auf Werten wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte, so der Wiener Erzbischof.

Umgang mit Flüchtlingen "beschämend"

"Beschämend" nannte es Schönborn, dass es in der Frage des Umgangs mit Flüchtlingen keinen Konsens gibt. Hier vermisse er eine gemeinsame europäische Lösung. Zugleich äußerte der Kardinal "Verständnis für unterschiedliche Herangehensweisen" in den einzelnen Staaten.

Jedes Land habe seine eigene Geschichte und andere Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht. Das europäische Friedens- und Integrationsprojekt dürfe jedoch nicht am Flucht- und Migrationsthema scheitern.

Wichtiger Faktor Religionsfreiheit

Ein wesentlicher Faktor für den Frieden sei die Religionsfreiheit, so Schönborn. Erst sie ermögliche den Dialog der Kulturen, gegenseitige Integration und das Hervorbringen von Neuem. Christen sollten "mitten in unserem säkularen Europa, das Religion am liebsten aus dem öffentlichen Leben völlig verdrängen möchte", für ihren Glauben in der Öffentlichkeit einstehen.

Es sei eine Aufgabe der Kirche, "Europa mit aufzubauen", so der Kardinal. Dazu gehöre, dass sich Christen mit aller Kraft für mehr Solidarität, Frieden und Toleranz einsetzen.

Quelle:
KNA