Kardinal Koch und Lutheraner reden über Einheitsmodelle

"Einheit in versöhnter Verschiedenheit"

Zum gemeinsamen Ringen um die "Einheit aller Christen in der einen Kirche" hat Kardinal Kurt Koch die lutherischen Bischöfe Deutschlands bei einer gemeinsamen Tagung aufgerufen. Diese findet in Hannover statt.

Kardinal Kurt Koch / © Harald Oppitz (KNA)
Kardinal Kurt Koch / © Harald Oppitz ( KNA )

Aus katholischer Sicht sei die Einheit nur als kombinierte "Bekenntnis- und Kirchengemeinschaft" denkbar, erklärte der vatikanische Ökumene-Beauftragte am Montag bei einer Tagung der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), wie diese in Hannover mitteilte.

Der Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen war zur Frühjahrstagung der sieben Bischöfinnen und Bischöfe im niedersächsischen Kloster Loccum eingeladen. Zum Abschluss der Tagung predigte er in einem ökumenischen Gottesdienst in der Loccumer Stiftskirche.

In seinem Vortrag grenzte sich der Kardinal vom Modell der Leuenberger Konkordie ab, die vor 50 Jahren von lutherischen, reformierten und unierten Kirchen unterzeichnet wurde. Darin erklärten diese ihr gemeinsames Verständnis des Evangeliums und gestanden sich wechselseitig die rechte Verwaltung der Sakramente und die volle Kirchengemeinschaft zu - trotz unterschiedlicher Bekenntnisstände.

Dagegen formulierte Koch als ökumenisches Ziel die "sichtbare Einheit im gemeinsamen Bekenntnis, in den gemeinsam gefeierten Sakramenten und in der Gemeinschaft der Ämter".

Ökumene in Einigkeit

Ralf Meister, evangelischer Landesbischof von Hannover / © Philipp von Ditfurth (dpa)
Ralf Meister, evangelischer Landesbischof von Hannover / © Philipp von Ditfurth ( dpa )

Der Leitende Bischof der VELKD, Landesbischof Ralf Meister (Hannover), betonte die bleibende Bedeutung der Leuenberger Konkordie für den Protestantismus und darüber hinaus, weil sie die "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" erlaube und die Besonderheit des Christentums widerspiegele, dass "die Freude über das eine Evangelium sich in unterschiedlichen Formen" äußern könne. Ökumene bedeute "für uns in erster Linie Einigkeit und nicht Einheit", so Meister.

Für Koch dagegen "ist bis heute nicht ersichtlich, wie die in der Leuenberger Konkordie leitende ökumenische Zielvorstellung einer Gemeinschaft von selbstständigen und bekenntnisverschiedenen Kirchen mit dem biblischen Bild der Kirche als des einen Leibes Christi versöhnt werden könnte".

Gemeinsam bekräftigten beide Seiten ihre Hoffnung, dass der im November 2022 begonnene Dialog zwischen der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" (GEKE) und der katholischen Kirche über das Kirchenverständnis zu einer weiteren Klärung der Standpunkte führen werde.

Ökumene

Der Begriff "Ökumene" stammt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt "die ganze bewohnte Erde". Gemeint sind die Bemühungen um die Einheit aller getrennten Christen. Die Ökumenische Bewegung ging zunächst von evangelischer Seite aus; als Beginn gilt die Weltmissionskonferenz von Edinburgh im Jahr 1910. Sie führte 1948 zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat, ÖRK) mit Sitz in Genf. Ihm gehören heute 349 reformatorische, anglikanische und orthodoxe Kirchen mit 560 Millionen Christen in 110 Ländern an.

Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz (KNA)
Bewegung in der Ökumene / © Paul Sklorz ( KNA )
Quelle:
KNA