Kardinal Fernández warnt vor religiösem Hochmut

Kritik an "Internet-Theologen"

Der Präfekt des Glaubensdikasteriums warnt vor zu viel Selbstsicherheit und kritisiert "Internet-Theologen". Auf Blogs werde ohne Fachwissen mit Wahrheitsanspruch gesprochen, moniert Kardinal Victor Manuel Fernández.

Kardinal Victor Manuel Fernandez (l.) / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Victor Manuel Fernandez (l.) / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Kardinal Victor Manuel Fernández hat vor religiösem und intellektuellem Hochmut gewarnt. Wer die eigene Begrenztheit vergesse, riskiere Irrwege, die in der Geschichte zu Exzessen der Inquisition oder den Gräueln der Weltkriege geführt hätten, sagte der Präfekt des Glaubensdikasteriums am Dienstag laut Vatican News. 

Ebenso nannte Fernandez "die Shoah und die Massaker im Gazastreifen". All dies seien Situationen, die oft mit "trügerischen Argumenten" gerechtfertigt wurden, weil man sich der eigenen Sichtweise zu sicher war.

Symbolbild Computer / © Julia Steinbrecht (KNA)
Symbolbild Computer / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Explizit kritisierte Fernández die heutige Internetkultur. Auf Blogs äußerten sich Menschen ohne theologische Vorbildung mit dem Anspruch auf absolute Wahrheit, als sprächen sie "ex cathedra". Das sei Ausdruck eines "furchtbaren Trugschlusses". "Das Problem ist, dass dasselbe in unser aller Leben passieren kann", warnte der Kardinal. "Wir wiederholen diesen Betrug, wenn wir zu sicher in dem leben, was wir zu wissen glauben."

Mit Blick auf Theologen und Kirche rief Fernández zu Demut und gemeinsamer Wahrheitssuche auf. Er erinnerte an Papst Leo XIV., wonach "niemand die ganze Wahrheit besitzt". Auch modernste Technologien änderten nichts an den Grenzen menschlicher Erkenntnis.

Dikasterium für die Glaubenslehre

Geschichtliches Profil

Papst Paul III. errichtete 1542 eine Kommission von sechs Kardinälen mit dem Auftrag, über Glaubensfragen zu wachen (Bulle Licet ab initio vom 21. Juli 1542). Diese Kommission mit dem Namen Römische und Allgemeine Inquisition diente zu Beginn ausschließlich als Gericht für Fälle von Häresie und Schisma.

Ab 1555 erweiterte Paul IV. ihren Tätigkeitsbereich um die Beurteilung verschiedener moralischer Fragen.

Hinweisschild zum Dikasterium für die Glaubenslehre / © Paul Wuthe/Kathpress (KNA)
Hinweisschild zum Dikasterium für die Glaubenslehre / © Paul Wuthe/Kathpress ( KNA )
Quelle:
KNA