Die Migrationspolitik unter US-Präsident Donald Trump hat nach Angaben des Chicagoer Kardinals Blase Cupich (76) Familien getrennt und Kinder traumatisiert. In einem Brief an die Priester seines Erzbistums vom Montag erklärte Cupich, die Abschiebepolitik habe eine große Krise ausgelöst, Asylsuchende würden unmenschlich behandelt und erführen wenig Respekt für ihre menschliche Würde.
Die Kirche habe niemals das Recht und die Pflicht eines Staates infrage gestellt, seine Grenzen zu sichern und die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, betonte der Kardinal.
Zugleich erklärte er, die USA befänden sich in der aktuellen Situation, weil gewählte politische Amtsträger ihrer Verantwortung nicht nachgekommen seien, eine umfassende Einwanderungsreform zu verabschieden.
Einflussreicher Kleriker
Unterdessen kam es im Großraum Chicago zu einer Entscheidung der Justiz. Ein Richter wies das US-Heimatschutzministerium an, der christlichen Interessenorganisation "Coalition for Spiritual and Public Leadership" Zugang zum Broadview-Gefängnis nahe Chicago zu gewähren. Als Begründung wurden der Beginn der christlichen Fastenzeit sowie die seelsorgerische Betreuung der Inhaftierten genannt.
Im vergangenen Herbst waren Geistliche daran gehindert worden, den Inhaftierten dort die Kommunion zu spenden. Es folgten Proteste und Klagen. Laut der Interessenvereinigung plant der Kardinal, an Aschermittwoch einen Gottesdienst im Freien mit Einwandererfamilien zu feiern.
Cupich gilt aufgrund seiner engen Verbindungen in den Vatikan als einer der einflussreichsten Kleriker in den USA. In Interviews hatte er mehrfach berichtet, Priester seines Erzbistums seien von Bundesagenten angehalten und aufgefordert worden, ihren Aufenthaltsstatus nachzuweisen. Cupich führte dies auf ihre Hautfarbe zurück.