Kanton Luzern lehnt Finanzspritze für Schweizergarde ab

Keine Schweizer Hilfe für Neubau

Klares Nein für Finanzbeteiligung: Die Bürger des Schweizer Kantons Luzern haben einen staatlichen Beitrag für den Neubau der Schweizergarde-Kaserne im Vatikan deutlich abgelehnt. Demnach stimmten 71,5 Prozent am Sonntag dagegen.

Autor/in:
Alexander Brüggemann
Mitglieder der Schweizergarde stehen vor dem Eingang Sant'Uffizio im Vatikan / © Andrew Medichini (dpa)
Mitglieder der Schweizergarde stehen vor dem Eingang Sant'Uffizio im Vatikan / © Andrew Medichini ( dpa )

Die Stimmbeteiligung beim Referendum lag bei rund 56 Prozent, berichtet die "Luzerner Zeitung".  Damit darf sich der Kanton Luzern nicht mit einem Beitrag von 400.000 Franken am Neubau der päpstlichen Kaserne beteiligen. Dies hätte laut Bericht etwa einem Franken pro Einwohner entsprochen. Das Projekt ist auf insgesamt rund 55 Millionen Franken (58 Millionen Euro) veranschlagt. Anders als Luzern haben 17 Schweizer Kantone sowie der Bund Gelder zugesagt.

Vatikan sei selbst vermögend

Die Gardisten selbst bemühten sich um Schadensbegrenzung. Sprecher Stefan Wyer sagte dem Portal kath.ch, er sehe im Luzerner Nein kein Misstrauensvotum gegen die päpstliche Schutztruppe.

In dem Zentralschweizer Kanton hatten Linke, Grüne und Freidenker kurzfristig eine Volksabstimmung gegen eine finanzielle Beteiligung angestrengt. Sie argumentierten unter anderem, es sei nicht Aufgabe des Kantons, ein Bauprojekt eines fremden Staates zu finanzieren. Zudem sei der Vatikan selbst vermögend und nicht auf Hilfe angewiesen; er könne selbst für das Projekt aufkommen. Beobachter kommentierten, auch die konservative Politik des Vatikan gegenüber Frauen, LGBTQ sowie der kirchliche Missbrauchsskandal hätten bei der Abstimmung eine Rolle gespielt.

Schweizergarde

Die Schweizergarde ist die militärische Schutztruppe der Päpste. Hauptaufgabe der Garde mit ihrer Sollstärke von künftig 135 Mann ist, über die Sicherheit der Person und der Residenz des katholischen Kirchenoberhaupts zu wachen. Zudem begleiten Gardisten den Papst auf Reisen, kontrollieren die Eingänge zum Vatikanstaat und nehmen Ordnungs- und Ehrendienste wahr. Während ihrer mindestens 26-monatigen Dienstzeit sind die Gardisten Bürger des Vatikanstaates. 

Schweizergardisten / © Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Schweizergardisten / © Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )

Der Regierungsrat und eine bürgerliche Parlamentsmehrheit hatten sich für den Beitrag ausgesprochen. Die Schweizergarde vertrete in Rom Schweizer Interessen, so die Begründung. Sie trage zum Ansehen der Schweiz bei und stehe für Schweizer Tugenden wie Sicherheit, Loyalität und Verlässlichkeit. Viele Gardekommandanten stammen aus der Region Luzern, so auch der aktuelle Kommandant Christoph Graf.

Zunehmende Sicherheitsmaßnahmen im Vatikan

Die Garde-Kaserne im Vatikan muss neu gebaut werden, weil die bestehenden drei rund 150 Jahre alten Gebäude sanierungsbedürftig sind. Der Neubau soll auch ermöglichen, den Bestand der Garde als Folge zunehmender Sicherheitsmaßnahmen von 110 auf 135 Mann zu erhöhen.

Auch ist es den Gardisten inzwischen erlaubt, früher zu heiraten und eine Familie zu haben. Nach der Erweiterung soll die Kaserne Platz für 26 Wohnungen, 114 Einzelzimmer, 11 Studios und Gemeinschaftsräume bieten. Die vatikanischen Behörden haben das Bewilligungsverfahren bereits eingeleitet. Die Umsetzung ist für 2026 bis 2030 geplant.

Die Schweizergarde ist die militärische Schutztruppe der Päpste. Ihre Hauptaufgabe ist, über die Sicherheit der Person und der Residenz des katholischen Kirchenoberhaupts zu wachen. Zudem begleiten Gardisten den Papst auf Reisen, kontrollieren die Eingänge zum Vatikanstaat und nehmen Ordnungs- und Ehrendienste wahr. Während ihrer mindestens 26-monatigen Dienstzeit sind die Gardisten Bürger des Vatikanstaates.

Erste Garde rekrutierte sich 1505

Mitglied der Garde können nur katholische Männer werden, die in ihrer Schweizer Heimat Militärdienst geleistet haben und einen untadeligen Ruf besitzen. Wer Hellebardier wird, soll eine Richtgröße von 1,74 Meter haben, muss jünger als 30 Jahre und unverheiratet sein. Länger gediente Gardisten dürfen heiraten.

Auf Ersuchen von Papst Julius II. (1503-1513) wurden 1505 in Luzern und Zürich die ersten Söldner zu seiner Bewachung rekrutiert. Sie zogen nach Rom und präsentierten sich am 22. Januar 1506 dem Papst. Als historische Heldentat und eigentliche Geburtsstunde der Truppe gilt der Kampf gegen die plündernden Söldner von Kaiser Karl V. beim "Sacco di Roma" 1527. Damals starben 147 Gardisten bei der Verteidigung von Papst Clemens VII. (1523-1534).

Quelle:
KNA