Mit bekannten Dominikanern durch das Jahr

Johannes Macias

Viele Ordensleute waren ihren Zeitgenossen und späteren Generationen eine Inspiration im Glauben. In diesem Jahr übersetzen wir das Denken berühmter Dominikaner in die heutige Zeit. Im September steht Johannes Macias im Fokus.

Symbolbild Dominikaner / © Anneka (shutterstock)

Im September feiert die dominikanische Familie den Gedenktag des heiligen Johannes Macias. Dieser Dominikaner, der am 16. September 1645 in Peru verstarb, ist hierzulande weniger bekannt. Dennoch kann dieser Ordensmann auch heute noch Menschen inspirieren.

Auf der Suche nach einem neuen Zuhause

Obwohl der Heilige bereits mehr als 400 Jahr tot ist, teilte er ein Schicksal, das heute viele Menschen haben - er musste sich ein neues Zuhause suchen. Johannes wurde 1585 in Spanien geboren und verlor früh seine Eltern. Als Waise verdiente er seinen kärglichen Lebensunterhalt als Hirte und kam schließlich an Bord eines Handelsschiffes nach Südamerika. Über Kolumbien und Ecuador gelangte er schließlich nach Peru, wo der gläubige junge Mann in den Dominikanerorden eintrat und 1622 das Noviziat begann.

Nach seiner Profess war Johannes Macias 22 Jahre lang an der Pforte des Konventes St. Magdalena in Lima tätig, wo er den Armen und Kranken der Stadt begegnete. Voll Hingabe kümmerte er sich um sie. Durch ihn wurde die Klosterpforte zu einem Ort der Begegnung, und durch das Zeugnis des Dominikaners fanden viele Menschen selber zum Glauben.

Auch heute verlassen viele Menschen ihre Heimat

Auch heute noch verlassen unzählige Menschen ihre Heimat, weil sie dort keine Lebensgrundlage mehr haben. Seit vielen Jahren kommen Menschen aus dem globalen Süden nach Europa. Aber auch in einem Teil von Deutschland sind Menschen derzeit ohne ein Zuhause. Seit dem schrecklichen Hochwasser in Westdeutschland überlegen auch dort Menschen, ob sie bleiben können und wollen - oder ob sie doch aufbrechen und sich eine neue Heimat suchen müssen.

Männer, Frauen und Kinder machen das wie Johannes Macias nicht, weil sie Lust auf unbekannte Gegenden oder auf das Abenteuer haben, sondern weil sie keine andere Möglichkeit sehen. Sie sind angewiesen auf Mitmenschen an den neuen Orten, die sie herzlich empfangen, unterstützen und aufnehmen. So nahmen die peruanischen Dominikaner den Spanier Johannes Macias 1622 herzlich bei sich auf. 

Neue Heimat in Lima

Und so konnte Johannes Macias in Lima eine neue Heimat finden. Genauso hoffen jedes Jahr unzählige Flüchtlinge darauf, an einem anderen Ort, in einem anderen Land oder gar einem anderen Kontinent eine neue Heimat zu finden. Ihre geschundenen Seelen brauchen einen guten Ort zum Ankommen, eine freundliche Umgebung und Mitmenschen, die sie willkommen heißen und unterstützen.

Der heilige Johannes mag diese Erfahrung in Peru gemacht haben, nachdem er durch Kolumbien und Ecuador unterwegs gewesen war. Und nach seinen positiven Erfahrungen wurde er selbst an der Klosterpforte zu einem Menschen, der andere willkommen hieß und ihnen eine Heimat gab. Zwar nur für kurze Begegnungen, aber immer wieder. Er sah in den Menschen, die zum Kloster kamen, seine Brüder und Schwestern und liebte sie bedingungslos: die Armen und Kranken, diejenigen, die nichts mehr hatten und dringend die Hilfe von anderen benötigen.

So wie die Menschen in Teilen Westdeutschlands noch lange die Hilfe und Unterstützung anderer benötigen und so, wie letztendlich alle Menschen aufeinander angewiesen sind. Denn letztendlich kann niemand für sich alleine leben.

Lebendiges Zeugnis der Liebe Gottes

Dieser Gedanke war es auch, der Johannes Macias motivierte, für andere da zu sein und für sie ein lebendiges Zeugnis der Liebe Gottes zu werden: Er fühlte sich dazu berufen, eine gerechte Welt aufzubauen, in der die Beziehungen unter den Menschen, den Völkern und den verschiedenen Gemeinschaften Beziehungen der Liebe sind. Diese Botschaft des Evangeliums lebte der Dominikaner. Er ruft uns auch heute auf, die Liebe Christi zu leben und sich dem und der Nächsten zuzuwenden, damit Leben für alle möglich wird.

Johannes Macias lebte diese Liebe auch ganz konkret: Er verzichtete selbst auf Nahrung, um sie den Armen zu geben. Das war seine ganz konkrete Art, Menschen zu unterstützen, denen es schlechter ging. Gleichzeitig, so heißt es aus den Heiligsprechungsakten, tat er das nicht von oben herab, sondern ließ sich selber von den Armen ebenso beschenken, indem er in jedem von ihnen Christus sah.

Hilfesuchende unterstützen

So können auch wir uns heute fragen, wie wir jene unterstützen können, die ganz konkret Hilfe brauchen. Manchmal hilft schon ein kleines Stück Brot, die volle Aufmerksamkeit bei einem Gespräch oder eine helfende Hand, um zu erleben, dass man als Schenkender selbst beschenkt wird, weil man im Beschenkten Christus selbst begegnet.

Autor/in:
Kerstin-Marie Berretz
Quelle:
KNA
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