Der Ordensgründer der Dominikaner ging über seine Grenzen hinaus

Zum 800. Todestag des Heiligen Dominikus

Es braucht einen ziemlich starken Willen, wenn man es fast allein mit einer Irrlehre aufnehmen will. Dominikus hatte ihn und gründete eine Gemeinschaft, die auch heute noch zu den größten der katholischen Kirche zählt.

Statue des heiligen Dominikus in Amityville (USA) / © Gregory A. Shemitz/CNS photo (KNA)
Statue des heiligen Dominikus in Amityville (USA) / © Gregory A. Shemitz/CNS photo ( KNA )

Er hatte sich völlig verausgabt. Es heißt, er starb im Bett eines Mitbruders, da er kein eigenes besaß. Vor 800 Jahren, am 6. August 1221, zwei Tage vor seinem 51. Geburtstag, endete das Leben des Ordensgründers Dominikus von Caleruega im italienischen Bologna. Die von ihm gegründete eine Gemeinschaft lebt bis heute fort, als eine der größten in der katholischen Weltkirche.

Die Katharer-Bewegung im 12. und 13. Jahrhundert

Der Spanier, der in Italien starb, begann sein Wirken im Süden des heutigen Frankreich. Dort grassierte seit Mitte des 12. Jahrhunderts die Sektenbewegung der Katharer (griech. "katharoi", die Reinen); ihre Lehren wurden wohl im Gepäck der Kreuzzüge aus dem Orient importiert.

Die dualistische Theologie der Katharer: Weil Gott gut ist und die Menschen schlecht, müssen sie vom Teufel geschaffen sein. Es gibt keine Hölle; die Hölle ist auf Erden. Christus sei weder gestorben noch auferstanden; nicht als Erlöser gekommen, sondern als Bote. Ihr Mittel zur Befreiung des Menschen war die Geisttaufe durch Handauflegen (consolamentum), dazu Armut, Keuschheit und Reinheit.

Diese eigentümliche und radikale Büßerethik, ja Weltflucht der Katharer traf offenbar einen Nerv bei den ebenso lebensfrohen wie frommen Südfranzosen. Jedenfalls breitete sich die Lehre in einer für Rom beunruhigenden Weise aus. Ihre Anhänger wurden - nach ihrer nahen Hochburg Albi - auch "Albigenser" genannt.

Geschickt verknüpfte die französische Krone die römischen Ängste vor den Häretikern mit ihren eigenen territorialen Interessen. Und so nutzte sie ihren sogenannten Albigenser-Kreuzzug (1209-1229) zur Unterwerfung der mächtigen Grafschaft Toulouse. Die Tolosaner hielten dabei ihrem Landesherrn, Graf Raymond VII., die Treue gegen den französischen Militärbefehlshaber Simon de Montfort.

Dominikus und die Predigt gegen die Katharer

Der Zisterzienser Diego von Acebo, Bischof von Osma in Kastilien, und sein wortgewandter Subprior Dominikus, schüttelten ob des selbstherrlichen, prunkvollen und brutalen Auftretens der Kreuzzügler den Kopf. So war den albigensischen "Büßern" sicher nicht beizukommen. Im Sonderauftrag von Papst Innozenz III. (1198-1216) setzten sie als Missionare über die Pyrenäen und vertrauten im Languedoc allein auf das Wort Gottes und die Predigt, ohne allen Luxus und Ornat. Solange, bis der erschöpfte Diego vom Papst in seine Diözese zurückbeordert wurde - und dort 1207 starb.

Dominikus musste nach dem Verlust seines Mentors allein weitermachen, und mit seiner Überzeugungskraft gewann er auch nach und nach neue Gefährten. Der Erfolg für all die Mühsal, als Wanderprediger unter den Bedingungen des Kriegsrechts eine radikale Sekte davon abzubringen, fast alle Lehren des Christentums abzulehnen, blieben allerdings weiter bescheiden.

Doch dann bekamen Dominikus und seine Gefährten einen offiziellen Auftrag: Fulko, Bischof im albigensisch infizierten Toulouse, erteilte ihnen eine universelle Predigterlaubnis für seine Diözese.

Entscheidung zur Gründung einer Gemeinschaft

Tatsächlich hatten sie in Fanjeaux bei Carcassonne, tief im Katharergebiet, in den zurückliegenden Monaten bereits über eine Ordensgründung nachgedacht. 1215 fiel in der Hauptstadt der Grafschaft Toulouse die Entscheidung, künftig eine Gemeinschaft zu sein; eine Gemeinschaft, die schon bald zu den größten Orden der Kirche gehören sollte: der Predigerorden - Ordo praedicatorum, OP - oder schlicht: die Dominikaner.

Noch hießen sie nicht so; noch hatten sie nicht die Lebensregel der Augustiner angenommen, und noch hatte ihnen Papst Honorius III. (1216-1227) nicht die Bestätigungsurkunde übergeben. Doch fortan wussten die Männer um Dominikus definitiv, was sie sein und was sie tun wollten: in radikaler Armut den katholischen Glauben predigen inmitten von Ketzerei und Irrlehre.

Großer Erfolg der Dominikaner

Wie andere Neuansätze des Mönchtums im Hochmittelalter - Cluniazenser, Zisterzienser, Franziskaner - gewannen nun auch die "Dominikaner" rasch an Einfluss. Aus radikal armen Bewegungen wurden teils mächtige europaweite Imperien. Bei den Dominikanern war es aber mehr noch ein Zuwachs an theologischer Bildung, mit Gründungen in den Universitätsstädten Bologna und Paris.

Allein in den vier Jahren nach der Gründung entstanden neun Priorate in Italien, sechs in Frankreich und zwei in Spanien. Die Brüder predigten in England, Skandinavien, Ungarn und Deutschland mit insgesamt 60 Konventen. Im Juni 1221 fand in Bologna bereits das zweite Generalkapitel statt. Danach reiste Dominikus selbst noch einmal für mehrere Wochen von Kloster zu Kloster durch Norditalien und predigte der Bevölkerung, mit großem Erfolg, wie es heißt.

Erschöpft, packte ihn ein tödliches Fieber.

Nach Einführung der päpstlichen Sonderjustiz der Inquisition 1234 übernahmen die hochgebildeten Dominikaner neben der Predigt auch dieses Amt - was sie bei vielen Bürgern nicht gerade beliebt machte. Ihr Einfluss in der Kirche des europäischen Mittelalters aber wuchs damit weiter.

Habit eines Dominikaners / © PIGAMA (shutterstock)
Autor/in:
Alexander Brüggemann
Quelle:
KNA
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