Dominikanerpater erklärt Bedeutung der Predigt für den Orden

Der Heilige aus dem "Kuhdorf"

An diesem Freitag vor 800 Jahren ist der Heilige Dominikus gestorben. Warum war ihm die Predigt so wichtig, die bis in die Gegenwart für den Dominikanerorden zentral ist? Und was macht das Leben in diesem Orden heutzutage aus?

Dominikaner in der Kirche  / © Thomas Müller (KNA)
Dominikaner in der Kirche / © Thomas Müller ( KNA )

DOMRADIO.DE: Der Heilige Dominikus ist heute vor 800 Jahren gestorben. Wer war das?

P. Laurentius Höhn OP (Novizenmeister der Dominikaner): Der Heilige Dominikus war ein Spanier. Er kommt aus Kastilien im Norden Spaniens, einer sehr kargen Gegend. Der Ort heißt Calruega. Man könnte sagen, das ist ein kleines Kuhdorf von 150 Einwohnern, bis heute auf einer Hochebene gelegen. Man hat sehr viel Weitblick, wenn man an diesem Ort ist. Wir glauben auch, dass er dort in seiner Kindheit die Weite seiner Theologie entdeckt hat. Er kam aus einer frommen Familie.

Seine Mutter war eine sehr fromme, sehr mildtätige Frau und sie hatte einen schönen Traum, der viel von dem Orden rüberbringt. Sie, die selige Johanna von Aza, hat in der Schwangerschaft geträumt, sie würde einen schwarz-weißen Hund mit einer Fackel im Maul gebären. Und dieser Hund rennt dann los mit dieser Fackel im Maul und entzündet damit den Weltenglobus.

Später wird das so gedeutet, dass der schwarz-weiße Hund Dominikus ist. Dominikus heißt übersetzt "dem Herrn gehörig", wie ein Hündchen ein Frauchen oder Herrchen hat. Und das Licht, das in die Welt getragen wird, ist natürlich die Botschaft des Evangeliums. So erklärt sich auch der Name: Wir sind keine Dominikaner, wir sind Predigerbrüder und Predigerschwestern. Unsere Ordensabkürzung OP heißt Ordo Praedicatorum, Orden der Prediger.

DOMRADIO.DE: Warum spielt das Predigen für Sie so eine große Rolle?

P. Laurentius: Weil die glaubhafte Wortverkündigung zur Zeit des Dominikus - wir sprechen ja vom Anfang des 13. Jahrhunderts - das große Problem der Kirche war. Es gab viele Irrlehrer, Sekten, Bewegungen am Rande der Kirche, die zwar sehr glaubwürdig lebten, aber die Botschaft verfälschten, und Dominikus wollte mit seinem Projekt eine glaubwürdige Predigergemeinschaft haben. Das Wort Gottes war so ein bisschen unterbelichtet in seiner Verkündigung und deswegen haben wir den Schwerpunkt auf das Wort Gottes, auf das Evangelium gesetzt.

DOMRADIO.DE: Wie unterscheidet sich das von anderen Orden? Im Prinzip wird ja in jedem Orden oder von jedem Geistlichen gepredigt.

P. Laurentius: Da haben Sie Recht. Man könnte sagen, viele Apostolate der Orden gleichen sich an. Aber ich denke, wir legen schon noch einen Schwerpunkt auf die Predigt, auf die Verkündigung mit dem Wort, auf die modernen Medien. Aber ich würde auch sagen, dass wir da wir keinen Exklusivanspruch haben. Das machen die Jesuiten auch, genauso wie die Franziskaner. Und wir leben ja auch bescheiden wie die Franziskaner zum Beispiel, die Armut ja besonders betonen. Da mischt sich, denke ich, sehr viel.

DOMRADIO.DE: Ordensgemeinschaften sind so ein bisschen auf einer Skala angeordnet, zwischen ganz in der Welt lebend und ganz im Kloster lebend. Wo würden Sie sich da einordnen?

P. Laurentius: Ich denke, wir sind da mittendrin. Wenn ich Klosterführungen mache, dann kommen Menschen zu uns, die vielleicht gar nichts mit Religion am Hut haben. Was sie besonders spannend finden, ist unsere Wohngemeinschaft mit einer Kasse. Wir leben aus einer Kasse. Das heißt, das, was die Mitbrüder verdienen, kommt alles in einen gemeinsamen Topf und daraus wird dann alles bezahlt. Das finden gerade junge Leute ganz spannend. So eine Art WG. Ob sie den religiösen Anstrich, den religiösen Hintergrund dann gut finden, weiß ich nicht.

Aber in der Tat, unsere Klöster sind so etwas wie Tankstellen, wo wir aufladen, wo wir Gemeinschaft leben, gemeinschaftlich beten und essen und dann aber hinausgehen in die Welt und an ganz verschiedenen Orten predigen oder uns mit den Menschen beschäftigen.

DOMRADIO.DE: Sie tragen weiße Gewänder, was für Ordensbrüder auch eher ungewöhnlich ist. Wo kommt das her?

P. Laurentius: Ich glaube, da muss man ein bisschen relativieren. So weiß waren die Gewänder zum Zeit des Dominikus nicht. Das Ordensgewand an sich ist ja erst einmal bei allen Orden der Ausdruck der Gemeinschaft. Man hat eine gemeinsame Kleidung, die dann auch bestimmte materielle und soziale Unterschiede auflöst. Das war ja die Idee der Ordensgemeinschaften, dass man erkennbar ist, dass man das Gleiche trägt.

Wahrscheinlich war das Ordensgewand zur Zeit des Dominikus eher so ein bisschen grau-schmuddelig. Es war einfacher Stoff. Und wir sind nicht ganz weiß, wir haben eigentlich auch immer das Schwarz drüber und der schwarze Mantel kommt von den Chorherren. Dominikus war Chorherr der Augustiner, bevor er dann den Orden gegründet hat.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

Statue des heiligen Dominikus in Amityville (USA) / © Gregory A. Shemitz/CNS photo (KNA)
Statue des heiligen Dominikus in Amityville (USA) / © Gregory A. Shemitz/CNS photo ( KNA )
Quelle:
DR
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