Der deutschstämmige US-Milliardär Peter Thiel hat seine geheimnisumwitterten Vorträge in Rom offenbar zu apokalyptischen Themen gehalten, die ihn seit längerem beschäftigen. Wie am Dienstag in Rom verlautete, sprach Thiel am Wochenende im römischen Palazzo Taverna.
Über die insgesamt vier Vorträge, die Thiel dort vor einem ausgewählten Publikum hielt, berichtete am Dienstag der Jesuit Antonio Spadaro, Untersekretär in der Vatikanbehörde für Bildung und Kultur, in Sozialen Netzwerken. Dabei ließ er allerdings offen, ob er selbst bei den Vorträgen dabei war oder andere Quellen referierte.
Nachdenken über das Ende der Welt
Laut Spadaro sprach Thiel über "die Bibel, Christus und das Ende der Zeiten". Im Zentrum seines Denkens stehe zum einen das Bild des "Katechon" aus dem Neuen Testament; es bezeichnet eine Macht, die Jesu Wiederkehr am Ende der Zeiten aufhält. Diese rätselhafte Figur hat seit der frühen Kirche bis ins 20. Jahrhundert immer wieder große Denker zu Spekulationen inspiriert.
Die andere zentrale Kategorie in Thiels Vortrag sei das Ende der Zeiten (griechisch: Eschaton) mit dem Übergang in eine "neue Schöpfung". Thiels Denken lässt laut Spadaro jedoch das Wesentliche außer Acht: die Rolle von Jesus Christus in diesem Geschehen und die Erlösung der Menschen.
Stattdessen begreife Thiel das Ende der Welt ohne religiösen Horizont als ein geschichtliches Ereignis, wobei es ihm nicht um die Wiederkunft Christi gehe, sondern darum, die heutige Weltpolitik so zu analysieren, dass man den Antichristen identifizieren und gegen ihn vorgehen könne. Damit werde die christliche Heilsgeschichte zu einem Endkampf zwischen Gut und Böse mit bloß politischen Kategorien reduziert.
Spadaro hält am Ende seines langen Berichts fest: "Thiel aufmerksam zuzuhören ist nützlich. Aber zu meinen, dass sein Denken christliche Theologie sei, wäre ein Irrtum. Es ist vielmehr eine politische Theologie im Dienst eines Machtprojekts."