Italien überwindet nach der Flutkatastrophe seinen Schock

Fürbitten, Schweigeminuten und aktive Solidarität für die Opfer

Der erste verheerende Starkregen nach dem Sommer hat an Italiens Adriaküste schwere Schäden mit mindestens elf Toten angerichtet. Nach Stunden des Entsetzens und der Trauer erfasst nun eine Welle der Solidarität das Land.

Papst Franziskus mit erhobener Hand beim Angelusgebet am Fenster des Apostolischen Palasts / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus mit erhobener Hand beim Angelusgebet am Fenster des Apostolischen Palasts / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Von den großen Fußballstadien bis in die Kirchen dominierte am Wochenende das Mitgefühl mit den Betroffenen der Flutkatastrophe in der Region Marken das öffentliche Leben in Italien. In vielen Pfarreien des Landes wurde in den Sonntagsgottesdiensten für die Opfer und ihre Angehörigen gebetet.

Blick auf den Petersplatz während des Angelusgebetes / © Vatican Media (KNA)
Blick auf den Petersplatz während des Angelusgebetes / © Vatican Media ( KNA )

Papst erinnert an die Flutopfer

Auch Papst Franziskus erinnerte beim sonntäglichen Angelusgebet auf dem Petersplatz unter dem Beifall von rund 25.000 Pilgern an die Toten, Verletzten und Obdachlosen in den Flutgebieten. "Ich verspreche der betroffenen Bevölkerung, für sie zu beten. Ich bete für die Toten und ihre Familien. Ich bete für die Verletzten und für alle, die schwere Schäden erlitten haben. Möge der Herr den Menschen in den Marken Kraft geben!"

Ebenfalls am Wochenende ordnete der Italienische Fußballdachverband FIGC für alle nationalen Fußball-Ligen des Landes eine Trauerminute zu Beginn der Partien an, in der an die Opfer der Flut gedacht werden sollte. "Wir sind eine Gemeinschaft in Freude und in Trauer", erklärte dazu FIGC-Präsident Gabriele Gravina. Die Schweigeminute solle Nähe und Respekt für die Leidenden in der betroffenen Region demonstrieren.

Menschen entfernen Schlamm von einer Straße in Senigallia, Mittelitalien. Durch heftige Regenfälle ausgelöste Sturzfluten haben Städte im hügeligen Mittelitalien überschwemmt. / © Guido Calamosca/LaPresse via AP (dpa)
Menschen entfernen Schlamm von einer Straße in Senigallia, Mittelitalien. Durch heftige Regenfälle ausgelöste Sturzfluten haben Städte im hügeligen Mittelitalien überschwemmt. / © Guido Calamosca/LaPresse via AP ( dpa )

Aufräumarbeiten und Suche nach Vermissten geht weiter

Währenddessen gingen in den Marken die Aufräumarbeiten und die Suche nach Vermissten weiter, in einigen Ortschaften trotz anhaltender Regengüsse und schwerer Stürme. Die Zahl der Todesopfer stieg am Samstag auf elf, die der Vermissten auf vier, mehr als 50 zum Teil schwer Verletzte wurden ärztlich behandelt.

Aus besonders betroffenen Orten wie Barbara und Senigallia zeigte das italienische Fernsehen Bilder großer Hilfsbereitschaft. Freiwillige Helfer beteiligten sich gemeinsam mit den Profis vom "Zivilschutz" an den umfangreichen Aufräumarbeiten im gelben Schlamm der über die Ufer getretenen Flüsse.

Autos stecken nach Sturzfluten in Schlamm und Geröll fest. Die durch starke Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen haben am frühen Freitag, 16.09.2022, mehrere Städte in einer hügeligen Region im mittleren Osten Italiens überflutet. / © Gabriele Moroni/LaPresse/AP (dpa)
Autos stecken nach Sturzfluten in Schlamm und Geröll fest. Die durch starke Regenfälle ausgelösten Überschwemmungen haben am frühen Freitag, 16.09.2022, mehrere Städte in einer hügeligen Region im mittleren Osten Italiens überflutet. / © Gabriele Moroni/LaPresse/AP ( dpa )

Regierung sagt Unterstützung zu

Finanzielle Unterstützung in Höhe von zunächst 5 Millionen Euro für die Geschädigten und für den Wiederaufbau hat die italienische Regierung als Soforthilfe zugesagt. Eine weitere Million hat der aus der Kleinstadt Sant'Elpidio a Mare in den Marken stammende italienische Milliardär Diego Della Valle für die Flutopferhilfe gespendet.

Unterdessen wurde auf Satellitenaufnahmen der NASA sichtbar, dass die Marken nur knapp einer weiteren Katastrophe entkommen sind. Am Samstag kam es zu erneuten Starkregenfällen, deren größter Teil sich jedoch in die benachbarte Adria ergoss, wo die Wassermassen keine größeren Schaden anrichten konnten.

Suche nach drei Vermissten fortgesetzt

In der italienischen Region Marken ist die Suche nach noch drei Vermissten der Unwetter- und Überschwemmungskatastrophe fortgesetzt worden. Die Einsatzkräfte, darunter 400 Feuerwehrleute, suchten am Samstagmorgen zwei Erwachsene - einen Mann und eine Frau - sowie einen acht Jahre alten Jungen. Dieser war seiner Mutter bei dem Unwetter am Donnerstagabend aus den Armen gerissen worden, als sie gerade aus ihrem Auto ausstiegen.

Massive Niederschläge innerhalb weniger Stunden haben in der italienischen Region Marken Todesopfer gefordert / © Vigili del Fuoco (dpa)
Massive Niederschläge innerhalb weniger Stunden haben in der italienischen Region Marken Todesopfer gefordert / © Vigili del Fuoco ( dpa )
Autor/in:
Ludwig Ring-Eifel
Quelle:
KNA