DOMRADIO.DE: Hören Sie beim Pilgern manchmal Musik?
Beate Steger (Pilgerexpertin und Buchautorin): Eigentlich nicht. Ich habe das Gefühl, dann nicht achtsam genug zu sein. Ich bin dann weniger in der Meditation, als ich es gern wäre. Das stört mich eher. Deshalb halte ich mich selbst davon ab, Kopfhörer zu tragen. Beim Joggen mache ich das übrigens auch nicht. Ich denke dann immer, ich verpasse etwas wie das Vogelgezwitscher und die Geräusche im Wald. Deshalb höre ich dabei keine Musik.
DOMRADIO.DE: Dabei hat Musik nachweislich eine gute Wirkung.
Steger: Auf jeden Fall. Sie baut Stress ab und beruhigt fast so gut wie ein Medikament. Außerdem soll sie jung halten. Das haben Wissenschaftlerinnen herausgefunden. Insofern hat Musik viele positive Wirkungen. Vielleicht sollte ich das doch einmal ausprobieren.
DOMRADIO.DE: Ganz besonders wohltuend soll die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart sein. Warum ist das so?
Steger: Das haben Ärztinnen und Ärzte der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden. Beim Hören der Sinfonie Nr. 40 in g-Moll sank die Herzfrequenz der Probanden um sieben Schläge pro Minute. Das reduziert Stress und entspannt. Wenn einem der Weg zu lang oder zu schwer erscheint, kann Musik sehr positive Effekte haben.
DOMRADIO.DE: Wo diskutieren Pilgerinnen und Pilger denn, ob man besser mit oder ohne Musik unterwegs sein sollte?
Steger: Im Internet gibt es ein Pilgerforum. Dort wird über viele Themen rund ums Pilgern gesprochen. Es geht zum Beispiel um neue Wege oder darum, wie viel man mitnehmen soll oder darf. Auch Musik beim Pilgern wird dort diskutiert. Es ist kein großes Thema, aber es kommt vor.
DOMRADIO.DE: Wobei kann Musik denn helfen?
Steger: Musik kann helfen, sich etwas zurückzuziehen, wenn einem alles zu viel wird. Das kann passieren, wenn man in einer Gruppe pilgert. Auch viele Begegnungen mit anderen Pilgerinnen und Pilgern können anstrengend sein. In Städten ist das Pilgern oft stressig. Dort hört man allerdings meist keine Musik. Anders ist es an Landstraßen.
Ich bin vor Kurzem auf der Via Augusta in Spanien gelaufen und der Weg führte kilometerlang an der Autobahn entlang. Dort wäre Musik hilfreich gewesen.
Musik kann auch dabei helfen, Schmerzen weniger wahrzunehmen, etwa wenn ein Fuß wehtut. Als Ablenkung kann Musik also sehr hilfreich sein.
DOMRADIO.DE: Was spricht aus Sicht der Pilgerinnen und Pilger gegen Musik auf den Ohren?
Steger: Auf Jakobswegen oder anderen Pilgerwegen sind auch Radlerinnen und Radler unterwegs. Mit Musik hört man sie oft zu spät. Ich bin einmal mit zwei gehörlosen Frauen gepilgert. Eine von ihnen lief besonders gern auf Asphalt, also auf der Straße. Dort musste immer eine hörende Person bei ihr sein, denn sie hat ja nicht mitbekommen, wenn von hinten ein Auto kam. In Spanien fahren viele Autofahrer eher zügig. Das könnte zu einem Problem werden.
Das Interview führte Hilde Regeniter.