Internationale Hilfe für Opfer von Afghanistan-Erdbeben

Frauen und Mädchen besonders hilfsbedürftig

Nach mehreren schweren Erdbeben im Westen Afghanistans haben UN und Hilfsorganisationen zu zusätzlicher Unterstützung für die Opfer aufgerufen. Die Afghanistan-Hilfe der UN ist seit Monaten unterfinanziert.

Afghanische Frauen trauern um Angehörige, die bei einem Erdbeben ums Leben gekommen sind, an einer Begräbnisstätte nach einem Erdbeben im Bezirk Zenda Jan in der Provinz Herat im Westen Afghanistans. / © Ebrahim Noroozi (dpa)
Afghanische Frauen trauern um Angehörige, die bei einem Erdbeben ums Leben gekommen sind, an einer Begräbnisstätte nach einem Erdbeben im Bezirk Zenda Jan in der Provinz Herat im Westen Afghanistans. / © Ebrahim Noroozi ( dpa )

Nach den verheerenden Erdbeben in Afghanistan kündigen Hilfswerke und Länder zusätzliche Unterstützung für die Bevölkerung an. Neben Care und den UN sendet auch "Save the Children" Materialien für den Wiederaufbau, Lebensmittel, Wasser und Medikamente, wie die Organisationen am Montag erklärten. Auch die Bundesregierung und das Nachbarland Pakistan kündigten Hilfe für die Opfer an.

Über 1000 Tote

Am Samstag wurde die westafghanische Provinz Herat von mehreren Erdstößen bis zu einer Stärke von 6,3 erschüttert. Laut den UN kamen mindestens 1.023 Menschen ums Leben. Ein Sprecher des Talibanregimes sprach nach Berichten des TV-Senders Tolo von mehr als 2.400 Toten und über 2.000 Verletzten. Am Montag gab es in der Region ein weiteres Nachbeben.

Nach dem Erdbeben in Marokko / © Khaled Nasraoui (dpa)
Nach dem Erdbeben in Marokko / © Khaled Nasraoui ( dpa )

Die Bundesregierung stellte weitere Hilfe für die Menschen in Afghanistan in Aussicht. Die Berichte aus Afghanistan seien schockierend, erklärte das Auswärtige Amt. Es stelle über den "Afghanistan Humanitarian Fund" zur Finanzierung der Arbeit der UN und anderer Hilfsorganisationen fünf Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Damit würden unter anderem die Bereitstellung von Notunterkünften und die medizinische Versorgung von Verletzten unterstützt.

Es mangelt an Unterkünften, Lebensmitteln, Medikamenten

Laut der Hilfsorganisation Care mangelt es der Bevölkerung im Erdbebengebiet vor allem an angemessenen Unterkünften, Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten. Die Menschen litten außerdem noch unter den Nachwirkungen früherer Erdbeben. Der nahende Winter erschwere die Situation weiter. Die Nothilfeteams von Care seien in der Region und hätten mobile Kliniken erreichtet.

Besonders Frauen und Mädchen leiden Care zufolge unter den Folgen der Erdbeben. Schon davor sei ihnen der Zugang zu lebensrettenden Diensten massiv erschwert worden, erklärte die stellvertretende Länderdirektorin der Hilfsorganisation, Reshma Azmi. Seitdem die radikalislamischen Taliban Frauen die Arbeit für humanitäre Organisationen untersagt haben, können Hilfswerke weibliche Bedürftige nur noch sehr eingeschränkt erreichen.

Sie brauchen Geld

Wie Care forderte auch "Save the Children" zu mehr Unterstützung für die Erdbebenopfer in Afghanistan auf und verwies auf die Lage der Kinder. "Diese Katastrophe trifft Kinder, die ohnehin schon schwer unter Hunger und Nahrungsmittelknappheit leiden", erklärte Länderdirektor Arshad Malik. Geber müssten jetzt dringend zusätzliche Mittel bereitstellen.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Wochenende die internationale Gemeinschaft zu mehr Unterstützung für die Menschen in dem Land aufgerufen. Denn die Afghanistan-Hilfe ist laut den UN seit Monaten dramatisch unterfinanziert. Zuletzt musste das Welternährungsprogramms (WFP) wegen Geldmangels die Hilfe für Millionen von Menschen einstellen. Demnach haben fast 23 Millionen Afghaninnen und Afghanen zu wenig zu essen.

Medizinische Hilfe entstandt

Pakistans amtierender Ministerpräsident Anwaar-ul-Haq Kakar erklärte am Montag, Islamabad habe auf ausdrücklichen Wunsch der afghanischen Übergangsregierung ein medizinisches Team, ein Feldlazarett, 50 Zelte und 500 Decken in die Erdbebenregion entsandt. "Weitere Hilfsgüter werden folgen", erklärte Kakar.

Quelle:
epd