Israels Oberrabbiner ruft Fastentag aus

Im Kampf gegen Corona

Mit Blick auf die wachsende Corona-Pandemie hat Israels aschkenasischer Oberrabbiner David Lau alle Juden dazu aufgerufen, am Mittwoch einen Fastentag einzulegen. Wer es könne, solle wenigstens einen halben Tag lang fasten. 

Symbolbild Fastenzeit / © vetre (shutterstock)

"Zu diesem Zeitpunkt müssen wir etwas für uns selbst tun", sagte der Rabbiner laut einem Bericht des Senders "Arutz Scheva" (Sonntagabend Ortszeit). Gläubige Juden wüssten, dass "die Hand der Vorsehung" komme, "um uns etwas zu sagen", so Lau. Wer in der Lage sei, solle einen Tag oder wenigstens einen halben Tag fasten. Wem das Fasten schwer falle oder wer gesundheitlich nicht dazu in der Lage sei, solle eine Zeit der Stille auf sich nehmen, so der jüdische Geistliche laut Bericht.

Tempelberg in Jerusalem wird geschlossen 

Die Religionsgemeinschaften in Israel ergreifen zunehmend Maßnahmen, die die Ausbreitung des Corona-Virus im Land stoppen sollen. Am Sonntagabend war bekannt geworden, dass der Tempelberg in Jerusalem für muslimische Beter geschlossen werde. Entsprechende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus veröffentlichte die zuständige islamische Wakf-Behörde laut örtlichen Medienberichten. Wakf-Mitarbeiter sollen demnach weiter ihrer Arbeit auf dem Areal nachkommen.

Erstmals rief damit die Behörde Muslime auf, der drittheiligsten Stätte des Islam fernzubleiben. Die Entscheidung sei "bitter", aber zum Schutz des Lebens und der Sicherheit der Gläubigen unvermeidlich, hieß es. Israel verpflichtete sich laut Berichten, keine jüdischen Besucher und keine Touristen auf den Tempelberg zu lassen.

Der Tempelberg ist für Juden, Muslime und Christen eine wichtige Heilige Stätte. Bis zur Zerstörung durch die Römer im Jahr 70 befand sich an dieser Stelle der jüdische Tempel, zentrales Heiligtum Israels. Viele biblische und religiöse Überlieferungen wie die Erschaffung Adams und Evas, die Opferung Isaaks oder aufseiten des Islam die Himmelsreise Mohammeds sind mit dem Ort verbunden. Der geltende Status quo gestattet Nichtmuslimen den Besuch; das öffentliche Gebet auf dem Tempelberg ist Muslimen vorbehalten.

Coronafälle im Gazastreifen - Humanitäre Krise befürchtet

Auch im Gazastreifen droht sich die Situation zuzuspitzen. Dort sind zwei Palästinenser positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die beiden 30 und 40 Jahre alten Männer seien aus Pakistan zurückgekehrt und nach ihrer Einreise in einem Feldkrankenhaus in Rafah an der ägyptischen Grenze isoliert worden, berichten israelische Medien (Sonntagmorgen) unter Berufung auf Gesundheitsbehörden in Gaza.

Das Gesundheitsministerium in Gaza ordnete laut Berichten eine Schließung von Moscheen, Restaurants und Cafes an. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete unterdessen (Samstagabend), Israel habe die Übergänge zu den palästinensischen Gebieten sowie nach Gaza bis auf weiteres vollständig geschlossen.

Experten fürchten, dass seine Ausbreitung des Coronavirus im Gazastreifen zu einer beispiellosen humanitären Krise führen könnte. In dem seit 2007 abgeriegelten Landstrich leben auf 360 Quadratkilometern Fläche rund zwei Millionen Menschen in teils ärmlichsten Verhältnissen. Infrastruktur und Gesundheitssystem sind durch mehrere Kriege und die andauernde Abriegelung stark geschwächt.

Mehrheit der Infizierten in Bethlehem 

UN-Nahost-Sonderkoordinator Nickolay Mladenov sagte den palästinensischen Behörden eine Unterstützung von einer Million Dollar (890.000 Euro) zu. Damit sollen Bemühungen gegen die Ausbreitung des Virus im Westjordanland und dem Gazastreifen unterstützt werden. Im Westjordanland wurden laut Medien 53 Personen positiv getestet, die Mehrheit von ihnen in Bethlehem. 17 Personen haben sich von dem Virus erholt.

Am Mittwoch hatte das UN-Flüchtlingshilfswerk für Palästinenser UNRWA zu Spenden aufgerufen, um dem Ausbruch einer Infektionswelle bei palästinensischen Flüchtlingen in Nahost begegnen zu können. Man benötige dringend 14 Millionen Dollar (12,5 Millionen Euro) über einen ersten Zeitraum von drei Monaten, um grundlegende Erfordernisse im Gesundheits- und anderen relevanten Bereichen abgedeckt zu können.

Quelle:
KNA