Historischer Friedensschluss für Kolumbien

Noch viel Arbeit für die Kirche

Jahrelang haben die Verhandlungen gedauert, nun ist die Tinte unter dem Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Farc-Rebellen in Kolumbien getrocknet. Doch immer noch wartet viel Arbeit, die auch die Kirche leisten muss, sagt Adveniat.

"Peace"  - Friedenszeichen für Kolumbien / © Leonardo Munoz (dpa)
"Peace" - Friedenszeichen für Kolumbien / © Leonardo Munoz ( dpa )

domradio.de: Durch die Bank bezeichnen Beobachter das Abkommen als historisch, zu Recht?

Monika Lauer Perez (Kolumbien-Referentin beim katholischen Hilfswerk Adveniat): Historisch ist natürlich ein großes Wort. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass schon etliche Anläufe genommen worden sind und man nie zu einer Vereinbarung gekommen ist. Insofern kann man schon sagen: das ist ein historischer Tag.

domradio.de: Der Vertrag ist geschlossen. In einem nächsten Schritt müssen ihn die Bürger Kolumbiens bei einer Volksabstimmung annehmen. Dieses Referendum ist für den 2. Oktober angesetzt. Ist es denn so gut wie sicher, dass die Kolumbianer mehrheitlich "Ja" zum Friedensvertrag sagen?

Lauer Perez: Nein, durchaus nicht. Das ist die ganz große Unbekannte in diesem ganzen Gefüge. Es gibt in Kolumbien sehr viele, die dem nicht zustimmen, vor allem die Bevölkerung der großen Städte wie Bogotá, Medellín oder Cali. Die meisten Menschen in Kolumbien wohnen in der Stadt, die Landbevölkerung ist zahlenmäßig viel weniger und lebt weit verstreut. Also ist das noch gar nicht sicher, dass da am Ende ein "Ja" für den Friedensvertrag bei herauskommen wird. 

domradio.de: Was schätzen Sie denn, wie das Referendum ausgeht? 

Lauer Perez: Wenn "Ja" gewinnt, dann äußerst knapp. Und ich hoffe natürlich, dass es ein "Ja" wird!

domradio.de: Seit 2012 haben Regierungs- und Rebellenvertreter um eine Lösung gerungen. Was waren die Knackpunkte?

Lauer Perez: Alle Verhandlungspunkte, sechs insgesamt, sind hart umkämpft gewesen. Das kann man schon an der Zeit ablesen, die die Verhandlungen in Anspruch genommen haben. Vier Jahre sind schließlich eine stolze Zeit. Aber ganz besondere Schwierigkeiten haben die Punkte Übergangsjustiz und die politische Partizipation der ehemaligen Guerilla-Angehörigen bedeutet. Da war es am allerschwierigsten, eine Einigung zu erzielen.  

domradio.de: Wie hat sich die katholische Kirche zu den Friedensverhandlungen positioniert?

Lauer Perez: Die Kirche hat diese Verhandlungen über den ganzen Zeitraum hin begleitet. Sie war dann da, wenn es kritisch wurde. Also wenn das Ganze ins Stocken geraten ist oder sogar eine der beiden Seiten gesagt hat "wir wollen nicht mehr weiter". Außerdem hat die katholische Kirche die Opfervertreterinnen, die nach Havanna gereist sind, um dort ihre Erlebnisse zu schildern, mit begleitet. Es waren also ganz wesentliche Aufgaben, die die katholische Kirche übernommen hat, auch wenn sie nicht selbst am Verhandlungstisch saß.

domradio.de: Kolumbien ist nach den langen Kriegsjahren ein tief gespaltenes Land. Kann die Kirche denn im dringend notwendigen Aussöhnungsprozess mithelfen?

Lauer Perez: Sie muss sogar mithelfen. Die Präsenz der Kirche überall im Land, also auch da, wo der Staat einfach gar nicht mit seinen Institutionen vertreten ist, prädestiniert die Kirche dazu, die Menschen dabei zu begleiten, an Frieden und Aussöhnung zu arbeiten. Es werden auch die Geistlichen in diesen Regionen ganz speziell geschult, damit sie dieser Aufgabe gerecht werden können. Die Begleitung der Menschen in den sicherlich schwierigen Zeiten, die ihnen noch bevorstehen. Und das Thema Friedenspädagogik wird eine ganz große Rolle spielen für die katholische Kirche Kolumbiens in Zukunft.

Das Gespräch führte Tommy Millhome.


Quelle:
DR